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Korschenbroich
Traditionslokal "Zur Traube" schließt

Korschenbroich: Traditionslokal "Zur Traube" schließt
Für sie geht am 31. Mai eine Ära zu Ende: Seit 1999 führt Senior-Chefin Christel Kohlen mit ihrem Sohn Wilhelm den Kleinenbroicher Familienbetrieb mit großer Leidenschaft. Jetzt schließen sie die Gaststätte "Zur Traube". FOTO: lothar berns
Korschenbroich. Die Kleinenbroicher Gaststätte "Zur Traube" ist eines der ältesten Lokale Deutschlands. Bereits seit 1729 schaltet und waltet die Familie Kohlen an der Haus-Randerath-Straße. Am 31. Mai ist der letzte Arbeitstag für Christel Kohlen (79). Von Ruth Wiedner

Rustikale Einrichtung, dunkles Holz, bürgerliche Gemütlichkeit: Die Helden der Mönchengladbacher Fohlen-Elf von einst würden sich in ihrer ehemaligen zweiten Heimat auch heute noch mühelos zurechtfinden. Eigentlich ist alles wie immer im Kleinenbroicher Restaurant "Zur Traube". Nur der wache Blick der Senior-Chefin Christel Kohlen (79) hat deutlich an Glanz verloren. "Wir schließen zum 31. Mai", spricht sie die bevorstehende Geschäftsaufgabe an. Es klingt fast wie Verrat, selbst die tröstende Handbewegung ihres Sohnes hilft nicht wirklich.

Für Christel Kohlen geht eine Ära zu Ende. Alter und Gesundheit waren letztlich ausschlaggebend für diese weitreichende Entscheidung. "Mein Sohn kann den Betrieb nicht allein weiterführen", gibt sie sich tapfer. Und so ist für jeden Gast in der Speisekarte zu lesen: "Auch lange Traditionen haben ein Ende - aus Alters- und gesundheitlichen Gründen schließen wir unser Restaurant zum 31. Mai 2015."

Wie es ab Juni an der Haus-Randerath-Straße weitergehen wird, ist noch völlig offen. Vermieten oder verpachten ist für den Juniorchef Wilhelm Kohlen (49), der mit seiner Mutter seit 1999 gemeinsam den Familienbetrieb führt, keine Option. "Vielleicht gibt es einen Käufer", sagt der 49-Jährige und denkt dabei an die vielen Erinnerungen, die mit dem Restaurant verbunden sind. Schließlich ist die Kleinenbroicher Traube mehr als nur eine einfache Gaststätte. Sie ist eines der ältesten Lokale Deutschlands, wurde 1386 erstmals in alten Chroniken als Weinhaus erwähnt. Nach Zerstörungen wurde das Haus 1729 wieder errichtet und ist seitdem durch Erbfolge stets im Familienbesitz geblieben.

Die Traube ist nicht nur weit über die Kreisgrenzen hinaus für ihre gute Küche bekannt, sie ist auch für Borussia-Fans Kult. Das Restaurant, das damals noch von seinem Vater Heinz-Wilhelm Kohlen - einem guten Freund von Hennes Weisweiler - geführt wurde, zog die Fußballstars magisch an. So wie an jenem Abend des 15. Mai 1979: Da gab Berti Vogts sein Abschiedsspiel und feierte anschließend mit 300 Gästen in der Kleinenbroicher Gaststätte.

Wilhelm Kohlen hat viele Erinnerungen an jene Zeit. Im Gästebuch haben sich die Stars von einst verewigt, in Fotoalben sammeln sich Schnappschüsse von den Fußball- Berühmtheiten, die in den 70er und 80er Jahren im Restaurant an der Von-Randerath-Straße fast zur Familie zählten. "Ich bin mit Borussia aufgewachsen." Berti Vogts gehört auch heute noch zu den Stammgästen. Erst am Sonntag war er wieder in der Traube.

"Wir fahren bis zum 31. Mai noch volles Programm", versichert Wilhelm Kohlen. Danach muss sich auch der Juniorchef beruflich neu aufstellen. Die Mitarbeiter sind informiert, sie halten den Kohlens bis zum letzen Tag die Treue. Auch ihre Zukunft ist ungewiss. Nur die Seniorchefin weiß bereits, was im Juni auf sie wartet: eine neue Hüfte.

Quelle: NGZ
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