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Korschenbroich
Transparent anmutende Bildwelten

Korschenbroich. Marianna Kalkhof bestreitet bis Dezember die Ausstellung "Kunst im Rathaus". Von Angela Wilms-Adrians

Zwei durchscheinende Bildfahnen an der gläsernen Rathauswand tragen Marianna Kalkhofs Bildwelt optisch über die räumliche Begrenzung hinaus. Sie öffnen sich dem zum Rathaus Kommenden ebenso wie dem Betrachter im Raum. Die Bilder sind charakteristisch für das Schaffen der in Nettetal lebenden Künstlerin. Ihr Werk strahlt eine feine Leichtigkeit, ja Schwerelosigkeit aus. Es umspielt mit verdichteten und durchscheinenen Ebenen Licht und Schatten, Nähe und Ferne. Dabei dominieren Grauschattierungen, zuweilen ergänzt um ein wenig Blau und Ocker.

Im Foyer zeigt Kalkhof Arbeiten, die von organischen Formen inspiriert sind. Über den Arbeitsprozess sagt die Künstlerin: "Es gibt einen Anlass, und man spinnt weiter". Den Anlass bot hier etwa ein Wurzelstück, das sie irgendwann fand und zeichnete, in Negativ- und Positivform auf die Bildfläche druckte und malerisch nacharbeitete. Das Ergebnis sind filigrane Verästelungen, die fließende Bewegung und damit Prozess und Metamorphose assoziieren. In den ersten Arbeitsschritten bedruckt Kalkhof China- und Japanpapier von beiden Seiten. Dabei jongliert sie mit Motivwiederholungen und -variablen, die im Miteinander von hellen und dunkleren Partien Licht und Schatten, Nähe und Ferne andeuten. Später greift sie malerisch ein, vertieft und erhöht Strukturen. Häufig wählt sie das Motiv des Vogels, wie im Ratssaal zu sehen. Auch hier ist das Miteinander von gegenständlicher und reduziert abstrahierter Darstellung zu beobachten. "Meditative Landschaften" nennt sie zwei Arbeiten mit landschaftlichen Bezügen und einer dank feiner Strukturen entrückt anmutenden atmosphärischen Stimmung.

Die Bilder "Andalusien Tanz" und "Auferstehung" beziehen die menschliche Figur ein. Das erste ist inspiriert von tanzenden Menschen. Doch auch beim Auferstehungsbild spielt sich eine tänzerische Leichtigkeit ein. In Anspielung auf eine historische Pieta-Darstellung zeigt die Künstlerin den toten Christus in den Armen der Mutter. Es braucht etwas, bis der Betrachter erkennt, dass eine weitere, nun helle Figur formal eine Spiegelung des Toten ist. Doch über die sanfte Helligkeit und aufgerichtete Position gewinnt die Figur schwerelose Beweglichkeit.

Die Ausstellung im Technischen Rathaus ist noch bis zum 15. Dezember zu sehen.

Quelle: NGZ
 
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