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Korschenbroich
Trinity - Mehr als nur ein Uni-Chor

Korschenbroich: Trinity - Mehr als nur ein Uni-Chor
Hoher Besuch in St. Andreas: Der Choir of Trinity College Cambridge war zu Besuch in Korschenbroich. FOTO: detlef ilgner
Korschenbroich. Das Kulturamt der Stadt Korschenbroich und der Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas haben ein Konzert organisiert. Zu Gast war der bekannte "Choir of Trinity College Cambridge". Von Christian Oscar Gazsi Laki

Chöre haben immer einen ganz eigenen Charakter: Besonderheiten im Klang, im Zusammenklang. Kleine Nuancen fügen sich zu einem Ganzen, in unserem Fall zu "The Choir of Trinity College Cambridge". So wie die Chorsänger mitsamt zum Gesamtklang beitragen, den man mit einem Chor identifiziert, so spielt natürlich auch der Chorleiter - hier ist es Stephen Layton - eine zentrale Rolle. Wenn dann noch deutlich wird, wie sehr alle der gleichen musikalischen Idee, dem gleichen Ideal verpflichtet sind, wenn man spüren kann, wie sie sich auf die gleiche musikalische Welle einstimmen, so lernt man immer wieder aufs Neue, welche verbindende Kraft Musik hat.

Einer überaus glücklichen Verbindung zwischen dem Kulturamt der Stadt Korschenbroich in Gemeinschaft mit dem Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas und dem Chor des Trinity College ist auch zu verdanken, dass jener besondere Chorklang immer wieder auch in der Region zu hören ist. Gesponsert durch die Sparkasse Neuss war es am zweiten Advent in St. Andreas wieder soweit. Verständlich, dass bei zu erwartendem gesangskünstlerischem Hochgenuss, die Kirche bestens gefüllt war. Inklusive Politprominenz. Und das Programm der Studierenden aus Cambridge: ausgesprochen distinguiert zusammengesetzt. Ist der Chor doch mehr als nur ein Uni-Chor - das ist wichtig zu wissen - so ist er dennoch einer. Und mit dieser Besonderheit hat auch der besondere Klang, die so eigene "Stimmung" seines Gesanges zu tun. Es sei nur sicherheitshalber erwähnt, dass das Ensemble laut renommiertem "Gramophone magazine" zu den fünf besten der Welt zu zählen ist. Wahrscheinlich nicht zuletzt dank ihrem so unverwechselbaren Klang, der auf eine bestimmte Weise warm, dicht und dennoch greifbar wirkt. Hier klingen eben nicht nur blank polierte Hochglanzstimmen. Die gläsernen Soprane - eins, zwei, bei genauem Hinhören - schweben ganz wie erwartet, doch bleibt der Gesamtklang immer plastisch, pur.

Hat man das Glück, Musikdirektor Stephen Layton insbesondere bei den zeitgenössischen Werken von Arvo Pärt, Einojuhani Rautavaara oder Eric Whitcare zu sehen, kann man erstaunte Gäste und raffinierte Blicke erhaschen. Hochgradig präzise, zugleich stressfrei, und mit trefflichster Mimik leitet er seine Sänger. So auch bei dem herausragend komponierten "The Wings of the Wind", von dem jungen Owain Park. Der nicht nur selbst als Sänger mitgestaltete, sondern auch als Organist in einem Intermezzo brillierte.

Der hin und wieder auftretende leichte Druck, den der Chor insbesondere bei energiegeladenen Passagen, wie in der überaus reizvollen Musik von Çriks Eenvalds, kultiviert oder zulässt, bildet einen willkommenen Gegenpol zu weicherer Klanglichkeit, wie bei Pawel Ùukaszewski (*1968) "Nunc dimittis". Dass man aber auch das Traditionelle kann und wie sehr man es beflügelt, bewiesen die Cambridger unter anderem mit Purcell oder dem irischen Charles Villiers Stanford (1852-1924). Letzterem gehörte der gesamte Schluss des Abends, mit den akademisch und leider auch epigonal klingenden Werken "Eternal Father" und "Magnificat". Die der Chor jedoch aus ihrer allzu verstaubten Ecke zu befreien suchte. Es gelang - Bravi!

Quelle: NGZ
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