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Korschenbroich
Verein "Humanitäre Hilfe" löst sich auf

Korschenbroich: Verein "Humanitäre Hilfe" löst sich auf
Bücher, Puzzles, ein Kindereinkaufswagen und diverse andere Spielzeuge: Es ist das letzte Mal, dass Josef Hoffmann, Vorsitzender des Vereins "Humanitäre Hilfe Korschenbroich", Spenden für Bedürftige in Bulgarien sammelt. FOTO: Lothar Berns
Korschenbroich. Weil die Hilfstransporte nicht mehr finanziert werden können, sieht sich der Vorsitzende Josef Hoffmann gezwungen, den Verein aufzugeben. Ein letztes Mal sucht er Unterstützung für eine Hilfslieferung, die nach Bulgarien geht. Von Rudolf Barnholt

Josef Hoffmann, Vorsitzender des Vereins "Humanitäre Hilfe Korschenbroich" bittet jetzt ein letztes Mal um Unterstützung für einen Hilfstransport nach Bulgarien, der rechtzeitig vor Weihnachten in dem armen Ostblock-Land ankommen soll. Anschließend wird der Verein aufgelöst. Der Grund: "Wir bekommen die Transporte einfach nicht mehr finanziert." Während die ersten 30 Hilfstransporte noch von einer großen Spedition gegen Spendenquittung durchgeführt wurden, kostet ein Sattelzug mittlerweile 3.300 Euro - zu viel für den kleinen Verein, der am 12. Mai 1999 zum ersten Mal eine Hilfslieferung auf den Weg gebracht hatte.

Die Weihnachtstransporte waren stets die Höhepunkte in der Vereins-Historie. Josef Hoffmann und seine Mitstreiter hatten sich immer mächtig ins Zeug gelegt, um möglichst viele strahlende Kinderaugen zu sehen. Ein Spielzeug, ein paar Süßigkeiten, das reichte, um Kinder glücklich zu machen. Der Verein hat aber wesentlich dickere Bretter gebohrt. Hoffmann erinnert sich: "Wir haben drei Altenheime miterrichtet und komplett eingerichtet, ein Haus für Betreutes Wohnen mitgebaut und eingerichtet und in Sofia im Erste-Hilfe-Krankenhaus den kompletten Operationssaal eingerichtet." In verschiedenen bulgarischen Städten wurden Kindergärten, Altenheime und Suppenküchen unterstützt, Josef Hoffmann brachte zwei Feuerwehrfahrzeuge nach Bulgarien.

Er hat dort gute und schlechte Zeiten erlebt - so musste er sich in dem von ihm unterstützten Erste-Hilfe-Krankenhaus in Sofia einer Notoperation unterziehen. Andererseits wurden viele Freundschaften geknüpft - kein Wunder, dass es den 66-Jährigen jetzt emotional stark aufwühlte, als er die Historie des Vereins Revue passieren ließ. "Ich bin fast täglich für den Verein unterwegs gewesen", sagt Hoffmann, der selbst tief in die eigene Tasche gegriffen hatte. Er ist stets auf eigene Kosten nach Bulgarien geflogen, um die Verteilung der Hilfsgüter zu überwachen. In guten Zeiten hatte es bis zu 14 Transporte im Jahr gegeben. Die Situation sei im Laufe der Jahre immer schwieriger geworden: Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Süßwarenhersteller ganze Paletten von Leckereien spendeten, und ein Waschmittelhersteller große Mengen von Produkten zur Verfügung stellte. Trotzdem klingelte bei Josef Hoffmann immer wieder das Telefon. Er machte sich auf den Weg, holte alles ab, was Menschen in Bulgarien gebrauchen können und lagerte es bis zum nächsten Transport in einer Halle in Neuss ein, die dem Verein kostenlos zur Verfügung gestellt worden war.

Auf die Frage, wie die Situation heute in Bulgarien zu beurteilen ist, antwortet Hoffmann: "Es hat sich nicht viel geändert. Die Renten sind nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau, man hätte noch sehr viel helfen können." Er selbst will wieder nach Bulgarien fliegen, doch zunächst will er Abstand gewinnen.

Quelle: NGZ
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