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Korschenbroich
Vom Angstraum zum Faszinosum

Korschenbroich. In "Korschenbroich liest" ging es um die Bedeutung des Meeres für Menschen. Von Rudolf Barnholt

Welche Bedeutung hatte beziehungsweise hat das Meer für die Menschen? Im Rahmen der Reihe "Korschenbroich liest" ging Rita Mielke unter anderem darauf ein, wie aus dem Angstraum Meer ein Faszinosum wurde - und las Texte zum Thema.

"Das Meer ist keine Landschaft, es ist das Erlebnis der Ewigkeit", schrieb einst Thomas Mann. Schwärmerisch wurden beim Anblick des Meeres auch Dichter, die sonst eher frech und spöttisch waren - wie Heinrich Heine. Auch er war offenbar vom Sonnenuntergang am Meer tief beeindruckt, er wurde vor diesem Hintergrund zum Melancholiker. Hilde Domin wünschte sich, von einem Delfin "an einen größeren Strand getragen zu werden".

Rita Mielke las kurze Texte unter anderem von Josef von Eichendorff, Charles Bodelaire, Marieluise Kaschnitz, Joachim Ringelnatz und Rose Ausländer. Aber sie erinnerte auch daran, wie sich die Bedeutung des Meeres im Laufe der Zeit änderte, wie sie größer wurde im 19. Jahrhundert, als sich die Wissenschaften entwickelten. "Bis dahin war das Meer die einzige Möglichkeit, sich von Europa aus in Richtung Welt zu bewegen", so Mielke. Im 19. Jahrhundert wurde das Meer zunehmend als Lebensraum entdeckt und ausgelotet.

Die rund 50 Besucher in der Fotowerkstatt von Hilla Baecker erfuhren auch von der "Challenger", einem 78 Meter langen Schiff, mit dem die Crew ab dem Jahr 1872 68.930 Seemeilen zurücklegte. Die Männer brachten 13.000 Meerestiere und -pflanzen mit. Und es wurde festgestellt, dass das Meer bis zu 7.500 Meter tief war und damit wesentlich tiefer als erwartet. "Diese Entwicklung beflügelte die Autoren, und es wurden in England die ersten Seebäder gegründet", erzählte Mileke. Das böse, dunkle Meer war plötzlich eine Art Allheilmittel und schwer in Mode noch dazu.

Einige der Stimmungsfotos vom Meer, die während der Lesung auf einer Leinwand gezeigt wurden, stammten von Hilla Baecker. Dörte Janssen (47) aus Herrenshoff zeigte im Anschluss an Mielkes Lesung Fotos einer Reise nach St. Petersburg. Dorthin war sie mit Ehemann Georg in ihrem Boot "Lyonesse" gesegelt.

Quelle: NGZ
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