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Korschenbroich
Vom Bahnhof zum Heimatmuseum

Korschenbroich: Vom Bahnhof zum Heimatmuseum
Der ehemalige Bahnhof in Korschenbroich ist heute das Zuhause des Heimatvereins. In Wechselausstellungen wird unter anderem der Bahnbetrieb aus früheren Zeiten gezeigt, um die Geschichte des Gebäudes lebendig zu halten. FOTO: Reichartz
Korschenbroich. Seit 1853 pendeln Züge zwischen Neuss und Gladbach. Aber es sollte noch weitere 17 Jahre dauern, bis sie auch in Korschenbroich hielten. Heute beherbergt der Bahnhof ein Heimatmuseum und ist Ort vielbeachteter Ausstellungen. Von Marion Lisken-Pruss

Alle 20 Minuten hält die S8 in Korschenbroich, Fahrgäste steigen aus, während sich andere hineindrängen. Dann fährt die Schnellbahn weiter nach Neuss oder Mönchengladbach. Das rote Bahnhofsgebäude in ihrem Rücken lassen die Fahrgäste zumeist unbeachtet: Schon lange hat es nichts mehr mit dem Zugbetrieb zu tun - hinter den Mauern umso mehr. Das Gebäude, das inzwischen zum Heimatmuseum umfunktionierte wurde, erinnert noch immer an den Bahnbetrieb früherer Zeiten: Auch daran, dass die Korschenbroicher 17 Jahre lang darum kämpfen mussten, dass überhaupt ein Zug in ihrer Gemeinde Station machte.

Als am 17. Januar 1853 die erste Eisenbahn von Neuss nach Mönchengladbach fuhr, stoppte sie nicht in Korschenbroich, sondern im benachbarten, viel kleineren Kleinenbroich. Die Größe der Gemeinde spielte allerdings keine Rolle, als sich die Aachen-Düsseldorfer Eisenbahngesellschaft für Kleinenbroich als Haltestelle entschieden hatte. Es ging vielmehr um einen geografischen Aspekt: Kleinenbroich liegt genau in der Mitte zwischen Gladbach und Neuss. Für weitere Bahnhofs-Stationen war kein Geld vorhanden. Da konnten auch der damalige Bürgermeister Holz und der Landrat nichts ausrichten. Vergeblich bemühten sie sich darum, in Korschenbroich wenigstens eine Haltestelle für den Personenverkehr einzurichten. Dabei sprachen die Zahlen für sich und hätten sogar eine Güterstation gerechtfertigt. 1867 zählte Korschenbroich 97 Gewerbetreibende, während es in Büttgen nur 78 waren und in Kleinenbroich gerade mal 46. Mehr noch: Drei Viertel des Post- und Güterverkehrs, der in Kleinenbroich abgewickelt wurde, kam aus Korschenbroich. Doch alle Bemühungen blieben vergebens und der Postbote musste weiterhin Stoffe, Böttcherwaren und Holzschuhe mit der Schubkarre zum Bahnhof in den Nachbarort transportieren.

Erst 1870 und damit zwei Jahre später als in Büttgen stoppten täglich drei Personenzüge in Korschenbroich. In den 1880er Jahre errichtete die mittlerweile zuständige Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft dann das Bahnhofs-Empfangsgebäude, in dessen Obergeschoss der Bahnhofsvorsteher einzog. Es vergingen noch weitere 23 Jahre, bis auch Güterzüge in Korschenbroich hielten. Das Bahnhofsgebäude wurde daraufhin erweitert. Um einen Durchgang zum Bahnsteig, der jetzt als Haupteingang dient, und rechts daneben um eine Gaststätte. Als Korschenbroich in den 1980er Jahren zur S-Bahn-Station wurde, hatte das Bahnhofsgebäude ausgedient und sollte abgerissen werden. Das aber rief den Heimatverein auf den Plan: "Gemeinsam mit der Stadt haben wir uns für seinen Erhalt engagiert", erinnert sich Pejo Stefes, Mitglied im Vorstand des Heimatvereins. Im ehemaligen Empfangsgebäude wurde 1989 das Heimatmuseum Korschenbroich eröffnet, das eine umfangreiche Sammlung zur Heimatgeschichte präsentiert. Darunter eine Schmiedewerkbank, einen Webstuhl und eine Wohnküche. Als 2004 der Pachtvertrag mit der Gaststätte auslief, baute der Heimatverein den Raum um. Und so hat der ehemalige Bahnhof doch noch Karriere gemacht: als Kulturraum mit überregionalem Ruf.

Quelle: NGZ
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