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Korschenbroich
Vom Bauernhaus zum Wasserschloss

Korschenbroich. Weil die Pächter nicht viel Geld investiert haben, blieb das Haus Fürth über Jahrhunderte hinweg fast unverändert. Heute ist es das einzige Fachwerk-Wasserschloss der Region. Im Haus sind viele Spuren der Vergangenheit zu sehen. Von Marion Lisken-Pruss

Von Liedberg kommend erahnt man gar nicht, welch ein Kleinod sich in dem Wäldchen zwischen Schlich und Glehn verbirgt. Wer den für den Autoverkehr gesperrten Wirtschaftsweg entlanggeht, taucht zwischen alten Linden und hinter hohen Rhododendren die von einem Wassergraben umgebene Fachwerk-Hofanlage mit Treppengiebel auf: Haus Fürth.

Die Geschichte des Hauses reicht bis weit in das 15. Jahrhundert zurück. Erstmals erwähnt wurde es im Jahre 1417 in einem Heiratsvertrag. Danach wechselte es mehrmals den Eigentümer, bis die damalige Eigentümerin 1656 einen Grafen Mirbach von Schloss Harff heiratete. Seitdem ist es in Familienbesitz.

Da die Familie aber auf Schloss Harff in der Nähe von Bedburg lebte, hatte sie das Anwesen über 300 Jahre lang verpachtet - was erklären mag, dass nicht viel in das Herrenhaus investiert und es dadurch baulich kaum verfremdet wurde. Und so gilt Haus Fürth heute im Rheinland als die einzige erhaltene Wasserburg in Fachwerkbauweise.

Mitte des 20. Jahrhunderts zog dann der 2013 verstorbene, frühere Korschenbroicher Bürgermeister Wilderich Graf von Spee-Mirbach in das Haus ein, nachdem er es über mehrere Jahre hinweg grundlegend saniert hatte. "Zwischenzeitlich hat er sich überlegt, ob er im Garten nicht lieber einen Bungalow baut und das alte Haus abreißt. Aber er hat sich dann für den schwierigen Weg der Sanierung entschieden", erinnert sich sein Neffe schmunzelnd, der den gleichen Namen trägt wie sein Onkel, und mit seiner Familie seit zwei Jahren in der historischen Wasserburg lebt.

Und so sieht sich Wilderich Graf von Spee-Mirbach ebenfalls in der Pflicht, das Haus für die Familie zu erhalten und es zu gegebener Zeit an die nächste Generation zu übergeben. "Ursprünglich bestand das Haus aus zwei Räumen, in denen die Familie und das Gesinde lebten, während im ersten Stock die Vorräte lagerten", erzählt Graf von Spee. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen dann zwei Anbauten dazu, die dem Haus seinen kreuzförmigen Grundriss verliehen, und deren Besonderheiten man von außen noch heute sehen kann: den spätgotischen hohen Treppengiebel, eine Balkenkonstruktionen in Form eines Andreaskreuzes und Backsteine, die im Fischgrätmuster vermauert sind. "Eigentlich ist das Haus total verbaut", sagt der Hausherr. Als im 19. Jahrhundert das Tor und die Wirtschaftsgebäude abbrannten, wurden sie kurz darauf wieder neu errichtet. Seinen Namen verdankt das Anwesen übrigens der Lage am Kommerbach: "Hier gab es einst eine Senke, so dass der Weg von Glehn nach Liedberg durch diese Furth verlief", erläutert Graf von Spee. An das neue Leben in dem historischen Haus hat sich die Familie inzwischen gut gewöhnt: "Wir schätzen es wirklich sehr, hier zu wohnen", versichert Wilderich Graf von Spee-Mirbach.

Quelle: NGZ
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