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Liedberg
Vom Bürgermeisteramt zum Atelier

Liedberg: Vom Bürgermeisteramt zum Atelier
Jörg Schröder vor dem denkmalgeschützten Haus in Liedberg, in dem er vor zehn Jahren die Erdgeschosswohnung bezogen hat. Als er es zum ersten Mal sah, sei es "Liebe auf den ersten Blick" gewesen, so der Künstler. FOTO: Isabella Raupold
Liedberg. Aus der alten Gemeindeverwaltung in Liedberg ist ein magischer Ort geworden: Wer einmal dort eingezogen ist, möchte nicht mehr weg. Heute dient er dem Künstler Jörg Schröder als Wohnung, Arbeitsstätte und Ausstellungsraum. Von Marion Lisken-Pruss

"Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich der Künstler Jörg Schröder. Völlig unvorbereitet ist er auf seine große Liebe gestoßen, als er 2005 durch Liedberg streifte und eher zufällig auf das leerstehende Erdgeschoss des ehemaligen Bürgermeisteramtes Am Markt 6 aufmerksam wurde. "Ich war richtig nervös, bis ich endlich den Mietvertrag in der Tasche hatte", erzählt er. Dass der Kunstmaler Atelier und Ausstellungsraum in einer früheren Amtsstube eingerichtet hat, daran erinnert heute nur noch das alte Schild "Bürgermeisteramt Liedberg".

Die beiden Häuser Am Markt 6 und Am Markt 8 waren früher miteinander verbunden, und der mit Fachwerk zugebaute Eingang, in dem das Schild heute hängt, diente als Tordurchfahrt. Doch lange bevor die Gemeindeverwaltung in das Gebäude einzog, lernten die Liedberger Kinder dort zu lesen und zu schreiben. Matthias Ahrweiler, ehemaliger Rektor der heutigen Grundschule, hat recherchiert, dass die Gemeinde das Haus im Jahre 1821 mit dem Ziel erwarb, darin die Schule einzurichten. Das ganze Anwesen kostete damals einschließlich Stallungen, Scheune und Garten 725 Taler. 20 Jahre später besuchten über 100 Schüler die Liedberger Schule, und nochmals 20 Jahre später platzte das Gebäude aus allen Nähten. Deshalb wurde 1863 auf dem Grundstück gegenüber die heutige Schule errichtet. Am 1. Mai 1866, so schreibt es Heimatforscher Jakob Bremer in seinem Buch über Liedberg, zog das Gemeindebüro in das obere Stockwerk der alten Schule ein, um später - und mindestens bis 1930 - das ganze Gebäude einzunehmen. Zuvor besaß der Gemeinderat offensichtlich kein eigenes Tagungslokal, weshalb er verschiedene Räume anmietete: Beim Schneidermeister Adam Drüchpott, beim Beigeordneten Johann Pesch, in der Rektoratswohnung und seit 1848 beim Schustermeister Wilhelm Eckertz, der für zwei Zimmer zwölf Taler erhielt.

Stets gab es auch eine Lehrerwohnung in dem alten Bürgermeisteramt. 1853 war die erste Etage entsprechend umgebaut worden. Doris Krücken (66), die seit 36 Jahren in einer Wohnung im Obergeschoss lebt, erzählt, dass früher der Hauptlehrer Hoppen mit seiner Familie in dem Haus wohnte. "Primitiv und hässlich sei es dort gewesen", habe ihr die Tochter des Lehrers erzählt. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Tipptop renoviert präsentiert sich das denkmalgeschützte Gebäude. "Es ist ein magischer Ort", sagt Jörg Schröder, schwärmt von dem Licht- und Schattenspiel, das die hohen Fachwerkfenster auf den Wänden hervorzaubern.

Quelle: NGZ
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