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Korschenbroich
Werke von Ullrich Carsjens in der Kirche

Korschenbroich. Die Retrospektive in Erinnerung an den im Dezember verstorbenen Künstler ist bis Freitag in St. Andreas zu sehen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt von Ullrich Carsjens Kunst - nicht realistisch abgebildet, sondern in komprimiert abstrahierter Darstellung, der das Sichtbare nie genug ist. In Zusammenarbeit mit dem Mönchengladbacher Künstler war im Rahmen der Reihe "Kunst und Kirche" eine Werkschau mit dessen aktuellen Arbeiten in der Korschenbroicher Pfarrkirche St. Andreas geplant. Doch Carsjens starb am 16. Dezember im Alter von 72 Jahren für sein Umfeld vollkommen unerwartet. Bis zum 18. September wird sein Schaffen nun im eigens dafür leer geräumten Seitenschiff am gleichen Ort in einer ersten Retrospektive gewürdigt. Initiiert wurde die Ausstellung durch Friedrich Matzutt, den Vorsitzenden des Pfarreirats an St. Andreas.

Pfarrer Marc Zimmermann erinnerte zur Vernissage an die Tradition von Kunst im Kirchenraum und erkannte im Werk des Künstlers Hinweise auf die Darstellung menschlichen Leids. Beim Objekt "Kreuzwege" setzte der Künstler auf symbolische Reduktion, um die Kreuzigung mit menschlichem Leid zu verknüpfen. Kreuzformen in klassischer Ausprägung, in Anlehnung an das Andreas-Kreuz und in dramatischer Verzerrung sind zu einem Ganzen verkeilt. Die Teile sind stellenweise aufgebrochen, genagelt, aber auch mit Bandagen umwickelt, die an heilende Prozesse denken lassen.

Im prallen Kontrast zur stumpfen Oberfläche der "Kreuzwege" schillern Plastiken aus deformierten Aluminiumblech in Leuchtfarben. Sie scheinen empor zu wachsen, gleichen Hüllen, die Einblicke in ihr Inneres freigeben. Diese Aufbrüche laden ein, das scheinbar Offensichtliche von Oberflächen zu hinterfragen und sich nicht mit dem sinnlich Erkennbaren zufrieden zu geben. Während die kräftigen Farben Dynamik und Emotionalität ausstrahlen, werden Dellen und Aufrisse zu Spuren des Lebens in seiner Verletzbarkeit und Vergänglichkeit. Im Dialog zueinander stehen zwei Objekte, die Büsten gleichen, Vertrautes assoziieren und zugleich in der Abstraktion zurücknehmen.

Dieses Widerspiel von Abstraktion und Figürlichkeit ist auch für Carsjens malerisches Werk bezeichnend. Für die Ausstellung wurden zwei Großformate ausgewählt. Ein rein abstraktes Werk erstrahlt in expressiven Farben und dokumentiert den leidenschaftlichen Duktus des Künstlers. Angelehnt an die stets verschlossene Seitentür steht das Gemälde einer Frau mit Kind. Ihr frontaler, entschlossen wirkender Blick trifft den Kirchenbesucher, der durch das gegenüberliegende Portal eintritt. Dem Kirchenraum geschuldet liegt es nahe, im Motiv eine Madonnendarstellung zu erkennen. Zugleich hat die Figur eine sehr bodenständige Ausstrahlung, die in ihr das Bild aller Mutter sehen lassen, die entschieden für ihr Kind eintreten.

Geöffnet bis 18. September dienstags, mittwochs, freitags von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 15 bis 18.30 Uhr, sonntags von 12 bis 16 Uhr.

(anw)
 
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