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Korschenbroich
Zeitgespräch zum Luther-Jahr

Korschenbroich. Zwei Pfarrer skizzieren das Verhältnis zwischen den christlichen Konfessionen. Von Angela Wilms-Adrians

Bereits das gemeinsame Gespräch über den weiteren gemeinsamen Weg der katholischen und evangelischen Kirchen ist eine Art Ökumene. Davon ist Pfarrer Peter Grotepaß überzeugt. Er begrüßte zahlreiche Besucher beider Konfessionen zum Zeitgespräch in der evangelischen Kirche und betonte: "Ökumene ist heute nicht mehr Luxus, sondern Überlebensfrage des Christentums." Unter dem Titel "Wir seh(n)en uns auf dem Weg der Einheit" ging es um die Frage, ob Luthers Erbe nicht auch Impulse für ein engeres Zusammenrücken der Konfessionen bietet. Albert Damblon, katholischer Pfarrer und überzeugter Ökumeniker, berichtete, dass in der katholischen Kirche nach einer reinen Gegenbewegung auf die Reformation ab Ende des 19. Jahrhunderts viele Veränderungen erkennbar sind, die auf lutherisches Gedankengut schließen lassen. Beispielhaft nannte er dafür die Hineinnahme der deutschen Sprache in die Liturgie und die Betonung der Bibel als bleibendes Bezugsdokument des Glaubens. Er berichtete von Veränderungen, die das zweite Vatikanische Konzil mit sich brachte. "Da steht, dass alle Christen das gemeinsame Priestertum besitzen. Da klingt auch etwas Lutherisches mit", so Damblon, der erklärte, dass Laien zuvor in der Hierarchie nur Anteil gehabt hätten, aber nicht Kirche waren. Verändert habe sich zum Beispiel auch der Offenbarungsbegriff, der nicht mehr unverrückbares Dogma, sondern Einladung sei, Gott zu vertrauen. Damblon ist überzeugt, dass sich beide Kirchen spirituell schon sehr nahe sind. Als Ziel nannte er eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit. "Jesus ist die Einheitsperson schlechthin", so Damblon weiter.

Die anschließende rege Diskussion zeigte, dass viele Besucher dem ökumenischen Gedanken nahestehen. Festgestellt wurde, dass evangelische Christen "beim Pilgern schon weit vorne sind", dass heiliggesprochene Menschen auch für sie Vorbildfunktion haben können. Angemahnt wurde das gemeinsame Gespräch der Gremien beider Kirchen. Thema war auch das unterschiedliche Verständnis vom Abendmahl. Dazu stellte Damblon fest: "Die letzte Heiligtumsfahrt wurde ökumenisch gefeiert. Unser Bischof hat damals gesagt: ,Wir weisen keinen ab.' Für mich gilt da Gottes Wort: Kommet alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid."

Quelle: NGZ
 
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