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Korschenbroich
Zeitgespräche zum Thema "Flucht"

Korschenbroich. Referentin Martina Wasserloos-Strunk hält eine Wertedebatte für nötig. Von Rudolf Barnholt

"Flucht und Migration" war das Thema der letzten "Zeitgespräche" in der evangelischen Kirchengemeinde vor der Sommerpause: Martina Wasserloos-Strunk, Leiterin der Philippus-Akademie des Kirchenkreises Gladbach-Neuss, sprach über Fremdheit, Probleme im Alltag, Chancen und Risiken - und die Notwendigkeit der Offenheit bei den Zuwanderern und bei allen anderen.

"Migration findet unter den Bedingungen der Globalisierung statt", erklärte Martina Wasserloos-Strunk. Es seien nicht nur Waren und Daten unterwegs, sondern auch Menschen. Wer seine Heimat verlässt, sich aufmacht in ein neues Land, zeige eine gewisse Dynamik.

Aus ihrer Arbeit nannte sie Beispiele, was alles verkehrt laufen kann im Umgang mit Flüchtlingen. Die Besucher erfuhren unter anderem die Geschichte von den drei Kongolesen, die eine gemeinsame Wohnung beziehen sollten. Sie unterschrieben den Mietvertrag, zogen aber nicht ein. Was die Ehrenamtler nicht bedacht hatten: Die Kongolesen wollten nicht den Eindruck erwecken, eine Schwulen-Wohngemeinschaft zu gründen - Homosexualität ist in ihrer Heimat ein gravierendes Vergehen. Und da war die Frau aus Ghana, die es ablehnte, sich mit gebrauchter Kleidung zu versorgen. Was wie Überheblichkeit wirkt, wie überzogenes Anspruchsdenken, hat eine einfache Ursache: In Ghana geht man davon aus, dass in gebrauchter Kleidung die bösen Geister derer stecken, die sie früher getragen haben.

Wasserloos-Strunk hält eine Wertedebatte in Deutschland für unerlässlich: "Pressefreiheit und Gleichberechtigung müssen sein, dass jeden Samstag die Straße gefegt wird, dagegen nicht." Sie berichtete aus ihrer Arbeit mit Menschen, die in ihrem Herkunftsland nicht mehr und bei uns noch nicht zu Hause sind. Sie erzählte auch von Tarik, dem Türken, der eigentlich Deutscher ist und der das Lebensgefühl in seiner Wahlheimat mit dem Wörtchen "ruckzuck" auf den Punkt bringt.

Besonders berührte die Geschichte einer türkischen Schülerin: Sie hatte ein Jahr lang die Schulbank in der Türkei gedrückt, weil die Teilnahme am Schwimmunterricht in Deutschland für sie eine Horrorvorstellung war. Das sollte Grund zum Nachdenken sein: "Ist der gemeinsame Schwimmunterricht wirklich eine so gute Idee?", fragte die Referenti, die einräumte, dass die Integration vor allem türkischer Jugendlicher nicht selten als gescheitert betrachtet werden müsse.

Quelle: NGZ
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