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Korschenbroich
Ziegenmilch macht den Hof zur Käserei

Korschenbroich. Die Allergie des Sohnes wurde zur Initialzündung einer Geschäftsidee. Erst waren es zwei Ziegen für den Eigenbedarf. Inzwischen meckert auf dem Ziegenhof Nilgen-Schmitz eine stattliche Herde. Ein Besuch auf dem Hof in Rubbelrath. Von Angela Wilms-Adrians

Ziegen sind neugierig. Wenn sie dann gar noch wie die weißen deutschen Edelziegen am Kommerweg von Hand aufgezogen wurden, sind sie obendrein unglaublich verschmust und fordern ihre Streicheleinheiten ein. Dass heute so eine große Ziegenherde auf dem Hof der Familie Nilgen-Schmitz in Rubbelrath steht, hat sich durch die Kuhmilch-Allergie bei dem älteren von zwei Söhnen ergeben. Seinetwegen wurden zwei Ziegen angeschafft, da die Proteine ihrer Milch besonders gut verdaulich und daher oft auch für Allergiker verträglich sind. Bald meldeten sich Mütter von anderen allergiegeplagten Kindern. Der Bedarf nach Ziegenmilch und daraus gefertigten Produkten war offensichtlich. Für Christiane Nilgen-Schmitz stand zudem nach der Mutterschaftspause die Frage an, wie es beruflich weitergehen sollte. "Da haben wir für uns die Alternative gesehen, auf Ziegen zu setzen. Aus zwei Tieren wurden zehn, und dann ging es immer weiter in kleinen Wachstumsschritten", erzählt sie.

Mit Ehemann Klemens erwarb die 48-Jährige in Seminaren die nötigen Nachweise. Die leerstehenden Gebäude auf dem elterlichen Hof wurden umgewandelt in Melkstand, Käserei und Reiferaum. Hier sind nun Betriebsort und Hofladen, in dem in der Hauptsache Ziegenmilch und daraus gewonnener Weich-, Schnitt- und Frischkäse sowie Quark und in den Sommermonaten sogar ein köstliches Schokoladen- und Vanilleeis angeboten werden.

Die Ziegen lammen einmal im Jahr und haben im Schnitt 1,8 Zicklein. In diesem Jahr gibt es sogar mehr als 100 Lämmer auf dem Ziegenhof. Einige garantieren die weitere Aufzucht, andere werden geschlachtet und als Fleisch oder zu Salami verarbeitet verkauft. "Unsere Kinder kennen das. Schwierig wird es aber, wenn ein Tier einen Namen hat", sagt die Bäuerin. Für die Fertigung von Schnittkäse verwendet das Ehepaar ausschließlich pasteurisierte Milch. Im Reiferaum werden die Käse mindestens sechs Wochen bei 15 Grad und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert und jeden Tag auf den Brettern gewendet. In diesem Jahr wurde für eine Erweiterung des Sortiments ein kleiner Räucherofen angeschafft. Auf der Melkstation stehen Futtereimer bereit. "Ziegen sind gelehrig und erkennen schnell ihren Vorteil", sagt die Bäuerin. Die weiße deutsche Edelziege sowie die wenigen "bunten" Vertreter ihrer Art werden Mitte August tragend und sind alle zur gleichen Zeit "trocken", geben dann also keine Milch. "Das ist ausgerechnet um Weihnachten, aber eben ein natürlicher Prozess, den wir nicht verändern wollen. Jetzt ist die Zeit, wo die Ziegen die meiste Milch geben. Da legen wir Vorräte an", berichtet die Bäuerin. Die Böcke Fritz, Anton und Oskar mit den ehrerbietigen weißen Bärten sind für den Nachwuchs verantwortlich. Um Inzucht zu vermeiden, wird jedes Jahr ein neuer Bock gekauft. Dafür nimmt die Familie auch Wege bis nach Bayern in Kauf.

Quelle: NGZ
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