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Korschenbroich
Zug erfasst Pferdegespann in Kleinenbroich

Korschenbroich. In Kleinenbroich kollidierten vor 71 Jahren ein Güterzug und ein Pferdegespann. Theo Wellmann aus Kaarst-Vorst hat das Unglück als kleiner Junge überlebt. Heute sucht der 75-Jährige nach Zeugen. Von Marion Lisken-Pruss

Viele Erinnerungen hat Theo Wellmann (75) nicht mehr an das Zugunglück, das sich 1945 in Kleinenbroich ereignete. Aber seine Gedanken kehren immer wieder zu dem Unfall zurück, den er als vierjähriger Junge überlebte. Denn zahlreiche Fragen sind für ihn bis heute offen geblieben: Ob ein Personen- oder Güterzug beteiligt war, wann genau es passierte und warum es niemandem gelang, ihn von der Ladefläche zu ziehen und vor dem Zug zu retten. "In meiner Familie wurde nicht über den Unfall gesprochen", sagt er. Heute ist er der einzige Überlebende.

"Nach Kriegsende haben wir Möbel meiner Tante mit einem Pferdegespann von Vorst nach Korschenbroich transportiert", erzählt Wellmann. Mitgeholfen haben sein Vater und zwei seiner Onkel. Das Fuhrgespann lenkte ein Landwirt aus Vorst, der mit seinem vierjährigen Enkel Peter Huygen auf dem Kutschbock saß. Auf dem Rückweg passierte es dann: Das Fuhrgespann wurde auf einem Kleinenbroicher Bahnübergang vom Zug erfasst. Erinnern kann sich Wellmann nur noch daran: "Wir hatten uns unter einer Decke auf dem Pferdegespann zusammengekauert, da es regnete."

Während sein Vater und die beiden Onkel rechtzeitig vor dem Zusammenprall von der Ladefläche springen konnten, wurde der vierjährige Junge verletzt in den Graben geschleudert. Drei Wochen lag er mit Kopfverletzungen und einer Wunde am Oberkörper im Korschenbroicher Krankenhaus. Als das Heimweh übermächtig wurde, holte ihn seine Mutter nach Hause. "Ich habe auf der Rückfahrt hinten auf dem Schutzblech ihres Fahrrads gesessen. Weil mein Kopf nach dem Unfall noch kahlrasiert war, haben mir die Kinder 'Plätekopp' (Glatzkopf) nachgerufen".

Auch der Vorster Landwirt und sein Enkel wurden schwer verletzt. "Peter Huygen wurde blutüberströmt in Büttgen aufgefunden. Wahrscheinlich stand er unter Schock und ist dorthin gelaufen", vermutet Wellmann. Ihn hat er vor einigen Jahren noch einmal zufällig wiedergetroffen. "Der Unfall war sofort ein Thema zwischen uns", sagt er. Nur wo genau er passiert ist, konnten sie nicht rekonstruieren. Seiner Meinung nach erfasste der Zug das Pferdegespann auf dem Übergang am Bahnhof. Nach Meinung von Huygen, der inzwischen verstarb, passierte das Unglück auf einem Überweg 500 Meter weiter Richtung Korschenbroich.

Und so ist Theo Wellmann immer noch auf der Suche nach Informationen und Zeugen. Weder in alten Zeitungsartikeln noch im Kreisarchiv ist er fündig geworden. "Es leben bestimmt noch zahlreiche Personen, die sich daran erinnern", ist er überzeugt. "Ich freue mich, wenn sie sich bei mir melden würden", sagt er. Kontakt: 02131 64582.

Quelle: NGZ
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