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Krefeld
100 Messerstiche - Mordprozess beginnt

Krefeld: 100 Messerstiche - Mordprozess beginnt
Am Dienstag, 5.Januar, ereignete sich in einer Wohnung dieses Hauses eine schreckliche Bluttat. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Die Staatsanwaltschaft klagt einen 52-jährigen Krefelder wegen besonderer Grausamkeit des Mordes an. Er soll immer wieder mit einem Jagdmesser auf einen Obdachlosen eingestochen haben. Das Opfer habe erhebliche Qualen erlitten, so die Gerichtsmedizin. Von Norbert Stirken

Ab Dienstag verhandelt die 2. Große Strafkammer den Fall, der sich im Januar in einer Wohnung an der Sternstraße ereignet hatte. Eine elende Quälerei bis zum Tod musste am 5. Januar ein Mann erleiden. Nach einer Vielzahl von Stichen mit einem Jagdmesser in Brustkorb, Hals und Kopf hatte das Herz des Opfers immer noch geschlagen. Der 56-jährige Obdachlose hatte noch gelebt, als der Krefelder Wohnungsinhaber weiter erbarmungslos auf ihn eingestochen haben soll - insgesamt mehr als 100 Mal. Das stellten die Gerichtsmediziner bei der Obduktion fest.

Der 52-jährige Tatverdächtige aus Krefeld muss sich am Dienstag ab neun Uhr im Saal 167 wegen Mordverdachts vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Krefeld verantworten. Der Haftbefehl war vor gut einem halben Jahr noch auf Totschlag ausgestellt worden, doch die besonderen Umstände wie die Rücksichtslosigkeit und die Brutalität der unter Alkoholeinfluss begangenen Tat führten dazu, dass die Staatsanwaltschaft den Mann des Mordes anklagte. Er sitzt in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Willich.

Opfer und vermeintlicher Täter waren Zufallsbekanntschaften. Die beiden hatten sich kurz vor der Tat in Mönchengladbach kennengelernt und waren dann gemeinsam nach Krefeld in die Wohnung des damals 51-Jährigen gefahren. Dort sei es dann zum Streit gekommen. Daraufhin habe der alkoholisierte Krefelder zum Jagdmesser gegriffen und auf seinen ebenfalls betrunkenen Gast wie von Sinnen eingestochen, so die Anklage. Beide entstammen dem Trinkermilieu, informierte die Staatsanwaltschaft im Januar. Der Angeklagte hatte sich seinerzeit nach der Tat einem Dritten anvertraut, der die Polizei alarmierte. Der Krefelder hatte die Tat nach offiziellen Angaben schon in einer der ersten Vernehmungen eingeräumt. Über die Motive des Streits oder die Umstände, unter denen sich die Männer kennenlernten, schweigt die Staatsanwaltschaft. Auf einen "homosexuellen Hintergrund" gebe es keine Hinweise, legte sie sich schon früh fest.

Die Wohnung des inzwischen 52-jährigen Krefelders in der ersten Etage eines Mehrfamilienhauses an der Sternstraße war von der Kriminalpolizei als Tatort versiegelt worden. FOTO: Strücken Lothar

In der Vorgehensweise des Angeklagten sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal Grausamkeit im Sinne des Paragrafen 211 Strafgesetzbuch erfüllt. Der Täter habe bemerkt, dass der Geschädigte noch geatmet habe, aber gleichwohl weiter mitleidlos auf ihn eingestochen. Dadurch habe der Geschädigte vor Eintritt des Todes massive körperliche Qualen erlitten, begründet die Staatsanwaltschaft.

Nach Paragraf 211 Strafgesetzbuch wird ein Mörder mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. In Satz zwei heißt es: Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Fortsetzungstermine sind für den 5. August (ab 13 Uhr), 12. August (ab 9 Uhr) und den 26. August (ab 9 Uhr) jeweils in Saal 167 vorgesehen.

Quelle: RP
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