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Krefeld
100 Stimmen - Chorexperiment mit Bombast

Krefeld. In St. Johann Baptist traten deutsche und ein japanischer Chor unter Leitung von Joachim Neugart auf. Sie sangen Bruckners Messe in f-Moll. Für die Zuhörer war es eine Herausforderung - am Ende donnernder Applaus. Von Mojo Mendiola

St. Johann Baptist im Südbezirk hat den größten Kirchenraum in Krefeld und bot schon deshalb den idealen Rahmen für ein Konzert, für das Joachim Neugart seinen Neusser Münsterchor, den Schönhausen-Chor Krefeld und eine vielköpfige Abordnung der "Choral Arts Society Tokyo" zu einem 100-stimmigen Klangkörper vereint, durch das Rheinische Oratorienorchester ergänzt und durch vier ausgesuchte Gesangssolisten gekrönt hatte. Am Samstag war es nun soweit.

Aufgrund einer kleinen Panne musste man mit dem eigentlich an zweiter Stelle geplanten "Sonnengesang den Franziskus von Assisi" des Meerbuschers Thomas Blomenkamp beginnen. Ute Gremmel-Geuchen an der Orgel und die Sopranistin Katarzyna Wilk trugen die in einem ziemlich engen Tonumfang gehaltene Vertonung mit großem Können vor, doch vermochte man in dem Klanggebilde weder die volkstümliche Figur des Heiligen, noch die lebensspendende Wärme der Sonne wiederzuerkennen. Die Aufführung hinterließ ein ratlos schweigendes Publikum.

Ebenfalls sehr modern, aber doch auch einnehmend und keineswegs exotisch wirkte dagegen das 1957 entstandene Requiem für Streicher des japanischen Komponisten Toru Takemitsu. Kein verzweifelter Schmerz, sondern eine in würdevoller Haltung getragene Trauer kam hier zum Ausdruck, und diesmal spendete das Publikum in der bestens besuchten Kirche herzlichen Beifall.

Dann umfingen die ersten Zeilen des Kyrie von Bruckners Messe in f-Moll den Hörer mit wohliger Wärme, ehe die ersten Aufwallungen einer wahlweise katholisch oder wagnerianisch zu nennenden Prachtverliebtheit kamen. Und sie kamen mit Macht. Die Dichte, in der Neugart sein großes Ensemble durch die komplexe Partitur mit ihren immer wieder heftig aufeinanderprallenden Extremen von laut und leise, aufbrausendem Jubel und stiller Demut führte, zeugte sowohl von der Klasse des Dirigenten als auch seiner Mannschaft. Tadellos ebenfalls die Leistungen der Solisten Wilk, Elvira Bill (Alt), Sebastian Klein (Bass) und vor allem Corby Welch mit seinem herrlichen Solo im Credo, bei dem er seine Stimme perfekt für diesen Kirchenraum zu dosieren wusste.

Dies freilich war für das Ensemble in der großen und doch zu kleinen Apsis viel schwieriger. In der speziellen Raumakustik litt gelegentlich die sonst von Neugarts Chören gewohnte Klangtransparenz und Textverständlichkeit.

Manch einer der Besucher empfand die Komposition auch als zu bombastisch. Doch dazu, wie sie gemeistert wurde, konnte man den Aufführenden nur gratulieren, und das tat man auch mit donnerndem Applaus.

Quelle: RP
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