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Krefeld
2015 - das wärmste Jahr seit 1955

Krefeld: 2015 - das wärmste Jahr seit 1955
Die Tabelle zeigt die mittleren Jahrestemperaturen seit 1955; gemittelt steigt die Temperatur an. FOTO: Strotmann
Krefeld. Der Krefelder Geologe Reinhold Strotmann hat die Krefelder Wetterdaten für 2015 wissenschaftlich analysiert und Trends seit 1955 aufgezeigt - es ist ein Rückblick auf ein Jahr voller atemberaubender Extreme. Von Jens Voss

Das Wetter Krefelds war im Jahr 2015 gegenüber den langjährigen Durchschnittswerten von zwei Trends geprägt: Die Temperatur steigt, und die Verteilung der Niederschlagsmenge aufs Jahr wird immer extremer und damit weniger berechenbar. So ist die Durchschnittstemperatur in Krefeld seit 1955 von 9,5 auf 11,5 Grad Celsius angestiegen. Die Jahresniederschlagsmenge bewegt sich im Rahmen des Erwartbaren, die Verteilung wird aber immer extremer: So sind die Niederschläge im März 2015 knapp 86 Prozent unter den Werten geblieben, die zwischen 1961 und 1990 gemessen wurden. Im August 2015 ist 47 Prozent mehr Regen gefallen als im Vergleichszeitraum. Dies sind Ergebnisse einer Untersuchung des Krefelder Geologen und Ingenieurs Reinhold Strotmann, die er in der Zeitschrift "Natur am Niederrhein" des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Krefeld veröffentlicht hat.

Ist das jetzt der Klimawandel? "Die Wissenschaft streitet noch, ob diese Trends anthropogen, also vom Menschen gemacht, oder natürlichen Ursprungs sind. Ich hab da eine private Überzeugung. Ich glaube schon, dass der Mensch bei diesen Veränderungen eine Rolle spielt. Unbestreitbar ist aber, dass es diese Trends gibt", sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Anlass für ihn, die Klimadaten für den Naturwissenschaftlichen Verein zu Krefeld auszuwerten, waren die hohen Temperaturen im November und im Dezember 2015 gewesen. Zugrunde liegen die Daten der vom Deutschen Wetterdienst (DWD) geführten Wetterstation in Tönisvorst.

Denn auch bei den Temperaturen nehmen die Extreme zu: Schon im Januar 2015 kletterte die Tagestemperatur bis auf 14,3 Grad. Rekorde brachte der Winter, der keiner war: Im November lag der Monatsdurchschnittswert mit 9,61 Grad um 3,51 Grad über dem Schnitt, der in den Jahren 1961 bis 1990 gemessen wurde, im Dezember mit 9,3 Grad sogar um 5,69 Grad über dem Schnitt der Periode 61/90. Im Vergleich dazu lagen die Durchschnittstemperaturen im Herbst unterm Schnitt: Im September 2015 lag der Wert bei 13,73 Grad und damit um 0,87 Grad unter den Temperaturen des Vergleichszeitraums; im Oktober mit 9,95 Grad sogar um 0,93 Grad unterm Schnitt.

Auch die Hitzeperiode war extrem: Der Höchstwert im April war mit 24,4 Grad (15. April) extrem; die Hitze Anfang Juli lag bei tropischen 37,3 Grad - der zweithöchste gemessene Wert seit 1955; nur der August 2013 lag mit dem Höchstwert von 37,35 Grad etwas höher.

Die Verschiebungen beim Niederschlag dürften den Landwirten Kopfzerbrechen bereiten. Zwischen 1961 und 1990 wurden in den Monaten März, April, Juni, November und Dezember jeweils die monatlich höchsten Niederschläge gemessen - zwischen 1991 und 2015 wurden genau in diesen Monaten die niedrigsten Regenwerte verzeichnet.

Umgekehrt waren zwischen 1991und 2015 die Monate Juli, August und Oktober regenreicher und das Frühjahr regenärmer als die vorherigen Zeiträume. Die Jahresregenmenge 2016 lag mit 618 mm gegenüber dem langjährigen Mittel von 772,21 Millimeter Regen zwar auf niedrigem Niveau. Aber diese Menge ist laut Strotmann "statistisch weniger auffällig". Dafür nimmt die Intensität von Starkregenereignissen zu. Nachdem im August 2010 mit 228 mm die höchsten monatlichen Niederschlagsmengen gemessen wurden, wurde noch im Juni 2016 laut Strotmann mit rund 183 mm die vierthöchste Niederschlagsmenge innerhalb eines Monats seit 1955 gemessen.

Quelle: RP
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