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Krefeld
50 Jahre Wiederaufbau der Pauluskirche

Krefeld: 50 Jahre Wiederaufbau der Pauluskirche
Auf dem Bild ist zu erkennen, dass die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört war. FOTO: Paulusgemeinde
Krefeld. Die Kirche galt einst als eine der schönsten Krefelds - heute hat die Gemeinde moderne Gottesdienstkonzepte entwickelt. Von Carola Puvogel

Ihr Markenzeichen ist die Vielfalt der Gottesdienste: Die evangelische Paulusgemeinde am Moritzplatz feiert heute, Samstag, 50 Jahre Wiederaufbau ihrer Kirche, die beim verheerenden Bombenangriff auf Krefeld 1943 weitgehend zerstört wurde. Es dauerte fast 20 Jahre, bis 1965 die Kirche neu aufgebaut wurde. Außen ist das Gebäude dem Original von 1901 nachempfunden, innen "sieht man deutlich die 60-er Jahre", wie Pfarrer Volker Hendricks schmunzelnd erklärt.

Total modern hingegen ist das Konzept, mit dem die Gemeinde möglichst viele Menschen ansprechen will. "Unterschiedliche Menschen wünschen sich unterschiedliche Gottesdienstformen", erklärt Hendricks. "Wir leben in einer ausdifferenzierten Gesellschaft, eine einzige Antwort auf viele Fragen und Bedürfnisse gibt es nicht mehr. Deshalb haben wir vor zehn Jahren begonnen, eine Vielzahl verschiedener Gottesdienstangebote zu entwickeln - insbesondere auch für die Menschen, die sonst nicht kommen würden." Mit einer halben Stelle - zum großen Teil gesponsert vom Förderverein der Gemeinde - konzeptionell verankert, wurde Diakon Michael Wendel ins Boot geholt, halb als Jugendleiter, und zur anderen Hälfte eben für die Erwachsenenarbeit und die modernen Gottesdienste. "Alle Kirchen haben das gleiche Grundprogramm mit dem Klassiker ,Gottesdienst am Sonntagmorgen'", sagt Wendel. "Das haben wir natürlich auch." Doch darüber hinaus gibt es sechs weitere Gottesdienstangebote. Eine absolute Besonderheit ist die "Atempause". "Das ist ein Angebot für kirchenferne Frustrierte, die sagen, dass sie mit der Kirche nichts mehr am Hut haben wollen", erklärt Diakon Wendel. Dennoch seien Sehnsucht nach Spiritualität und Lebensfragen da. "Und die Antworten haben wir ja", sagt Wendel. "Mit Atempause wollen wir eine Brücke bauen, die Menschen zum Auftanken und Mitfeiern einladen und hoffen, dass es ihnen gut tut, Kraft zu tanken."

Der Zustand heute: Die Bäume verdecken die Struktur des Baus; er wurde nicht originalgetreu wiederhergestellt. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Die "Lichtspur", jeden vierten Sonntag im Monat, lädt zum Gottesdienst mit moderner Musik, neuen Liedern und Impulsen zu Glaubens- und Lebensthemen ein. Parallel dazu findet ein Kindergottesdienst statt, im Anschluss gibt es ein gemeinsames Mittagessen für alle. Ein Familiengottesdienst für alle, die gern länger ausschlafen, bietet die Paulus-Gemeinde jeden zweiten Sonntag im Monat an, er beginnt um 11.15 Uhr. Und Jugendliche, denen das immer noch zu früh ist, sind an fünf Sonntagen im Jahr zur "Happy Hour" um 17 Uhr eingeladen, einem Jugendgottesdienst mit Live-Bands, YouTube und Aktionen. Ein Krabbel-Gottesdienst findet viermal im Jahr statt.

"Dennoch", sagt Hendricks, "rennen die Leute uns nicht die Bude ein". Nur ein Teil der rund 6400 - in den 70er waren es noch mehr als 10 000 - Mitglieder würden erreicht. "Für 80 Prozent der Gemeinde bleibt die Kirche eine Amtshandlungskirche für Taufe, Heirat, Beerdigung - Religion als Hintergrundservice sozusagen. Aber es macht Mut, dass wir mit unseren Angeboten Menschen erreichen, die wir vorher nicht erreicht haben."

Der zerstörte Innenraum; rechts im Bild der heutige Zustand; an dem Rundfenster links kann man sich gut orientieren, was anders ist und was beibehalten wurde. FOTO: Paulusgemeinde
Quelle: RP
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