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Krefeld
"50 Schuss - dann ist man ausgepowert"

Krefeld: "50 Schuss - dann ist man ausgepowert"
Die Pistolenschützen Johanna Schröder und Ralf Eichhorn trainieren am Schießstand Girmesgath. Gehörschutz ist dabei Pflicht. FOTO: SCSW
Krefeld. Vor 25 Jahren gründete ein Busfahrer namens Sportelli den Schießclub der SWK. Der Trainingsbetrieb ist eine hoch disziplinierte Angelegenheit. Die Freude an dem Sport liegt im völligem Abschalten von jeglichem Stress. Von Jochen Lenzen

Ohne Gehörschutz kommt niemand auf den Schießstand im Keller der Sporthalle des Berufskollegs Vera Beckers. "Die Schüsse sind so laut wie ein startender Großraum-Jet", sagt Rüdiger Zeh. Er ist staatlich geprüfter Sachkunde-Ausbilder für Sportschützen und Vorsitzender des Schießclubs der Städtischen Werke Krefeld, kurz: SC-SWK, der vor 25 Jahren von dem damaligen Busfahrer Günter Sportelli ins Leben gerufen wurde und schon seit Jahren auch Nicht-SWKlern offensteht.

Jeden Montag treffen sich um die 40 der insgesamt 95 Mitglieder des SC-SWK und des Vereins der Krefelder Großkaliber-Schützen (KGS) zum gemeinsamen Training an der Girmesgath. Zeh ist Vorsitzender beider Vereine, die sehr kostenbewusst sind und daher gemeinsam trainieren: Für die Nutzung der Stände müssen pro Abend 70 Euro aufgebracht werden.

Für 150 Euro wird an jedem Abend an den 25-Meter-Ständen Munition verschossen. Nicht weniger als 600 Euro hat der SC-SWK im vergangenen Jahr allein für Zielscheiben ausgegeben; bei den Großkaliber-Schützen waren es sogar mehr als 700 Euro. Da wird es verständlich, dass die Schützen die Löcher in den Scheiben nach dem Training mit Schusspflaster überkleben.

Geschossen wird montags mit klein- und großkalibrigen Pistolen und Revolvern auf den 25-Meter-Ständen sowie donnerstags mit Kleinkaliber-Gewehren auf dem 50-Meter-Stand. Doch bevor irgendeine Waffe ergriffen werden darf, sind extreme Sicherheitsvorkehrungen zu treffen: Zu allererst trägt der Vorsitzende die Anwesenden in die Schützenliste ein und verteilt sie anschließend auf die Schießstände. Dann gibt die Standaufsicht dort die Waffen aus, und die Schützen können ihre Fernrohre zur Kontrolle ihrer Ergebnisse aufbauen. Wenn dann der Ruf "Sicherheit aufgehoben" ergeht, darf niemand mehr zwischen dem Stand und der Bahn stehen. Danach wird geladen und nach den Regeln des Rheinischen Schützenbunds geschossen: fünf Schuss hintereinander.

Wenn alle geschossen haben, wird wieder die Sicherheit ausgerufen. Und damit bloß keine Missverständnisse entstehen, wiederholen die Schützen das Wort "Sicherheit". Dann werden die Waffen abgelegt, und die Standaufsicht prüft, ob alle Waffen entladen sind. Wenn das geschehen ist, können die Schützen nach vorn zu den Scheiben gehen, ihre Ergebnisse kontrollieren und die Schusslöcher überkleben. Mit kurzen Pausen geben die Schützen an einem Abend etwa eine Stunde lang jeweils rund 50 Schuss ab. "Dann ist man ausgepowert", sagt Rüdiger Zeh.

Was angesichts dieses hoch disziplinierten, durchaus anstrengenden und wenig gesellig wirkenden Vorgehens Spaß an diesem Sport macht, sei die absolute Konzentration durch das völlige Abschalten von jeglichem Stress. "Wenn der Kopf nicht frei ist, merkt man das sofort an den Ergebnissen", sagen die Schützen - und Schützinnen. Beiden Vereinen gehören nämlich auch Frauen an, die - meist Mitte 20 - um einiges jünger sind als ihre zumeist 24 bis 45 Jahre alten männlichen Sportkameraden. Die beiden Ältesten unter ihnen haben übrigens die 70 weit überschritten.

Die Geselligkeit kommt bei den Sportschützen aber keineswegs zu kurz: Einmal im Jahr gibt es einen Tagesausflug und die Weihnachtsfeier. Außer der Reihe treffen sie sich auch schon mal bei Rüdiger Zeh, der bei den Stadtwerken als System-Informatiker arbeitet und nebenher einen staatlich geprüften Waffenhandel betreibt. Im Vordergrund stehen natürlich die Wettkämpfe. Jedes Jahr werden für jedes Kaliber die Vereinsmeisterschaften ausgetragen. Mitglieder der beiden Vereine nehmen auch an den Kreis, den Bezirks- und den Landesmeisterschaften teil. Auch das geht natürlich nicht ohne Weiteres: Voraussetzungen sind entweder zwölf regelmäßige oder 18 unregelmäßige Trainingseinheiten pro Jahr. Rüdiger Zeh: "Das Gros unserer Mitglieder trainiert aber rund 40 Mal im Jahr."

Quelle: RP
 
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