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Krefeld
500 Industriearbeitsplätze auf der Kippe

Krefeld: 500 Industriearbeitsplätze auf der Kippe
Hartmut Schmitz (Unternehmerschaft Niederrhein), Dirk Strangfeld (Agentur für Arbeit) und Ralf Köpke (DGB) stellten gestern die neuen Arbeitsmarktzahlen vor und gaben einen Ausblick auf das Jahr 2016. FOTO: AA
Krefeld. Vertreter der Agentur für Arbeit, Gewerkschaft und Unternehmerschaft stellten gestern die neuen Zahlen für den Arbeitsmarkt in Krefeld vor und gaben einen Ausblick über Schwerpunkte und Entwicklungen für das Jahr 2016. Von Norbert Stirken

Die Zahlen am Arbeitsmarkt und die Entwicklung der Konjunktur verliefen im vergangenen Jahr für die Stadt Krefeld durchaus zufriedenstellend. Gleichwohl sei die Talsohle speziell in der Industrie für die Unternehmen und Beschäftigten in der Stadt noch nicht durchschritten. In dieser Einschätzung waren sich Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter gestern bei der Vorstellung der neuen Arbeitslosenzahlen einig. Ralf Köpke, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Krefeld und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Krefeld, geht davon aus, dass im kommenden Jahr weitere 500 industrielle Arbeitsplätze in Krefeld verlorengehen. Vor allem die Stahlbranche habe gegen die Billigkonkurrenz aus China hart zu kämpfen, sagte Köpke. Auch für die Gießereien und einige Maschinenbauer werde der Wettbewerb immer schwieriger, ergänzte Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein. Die Branchen seien "arg gebeutelt", urteilte Köpke. In den zurückliegenden Jahren seien bereits 1500 bis 2000 Stellen abgebaut worden. Das zurückgegangene Wachstum in China, das Russland-Embargo, Konflikte im Nahen Osten - für die exportorientierte Wirtschaft, die in Krefeld stark vertreten sei, existierten im neuen Jahr einige Risiken, so Schmitz.

Einen Schwerpunkt wolle die Agentur für Arbeit in diesem Jahr in die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit legen. Allein in Krefeld seien rund 6000 Männer und Frauen länger als zwölf Monate ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, erklärte Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Arbeitsagentur für den Bezirk Krefeld. Rund 60 Prozent davon seien 50 Jahre und jünger und hätten noch eine entsprechende Strecke im Erwerbsleben zu absolvieren. Problem: mangelnde schulische und berufliche Qualifikation. Akademiker seien unter den Langzeitarbeitslosen fast gar nicht zu finden. Etwa zwei Drittel seien ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Genau da wollen Köpke, Strangfeld und Schmitz den Hebel ansetzen. Die vielleicht wichtigste Aufgabe auf diesem Weg ist, die Betreffenden zu motivieren. Das werde schwer, sagte Köpke. Während einer zweijährigen Umschulung oder Qualifizierung bekomme der Teilnehmer lediglich seine Hartz-IV-Bezüge. Die bekomme er auch, wenn er zuhause auf dem Sofa sitzenbleibe, statt sich aufzuraffen, um für den Arbeitsmarkt interessanter zu werden. Strangfeld geht davon aus, dass 15 bis 20 Prozent dieser Gruppe es nicht auf den so genannten ersten Arbeitsmarkt schaffen werden. Für sie stehe der zweite Arbeitsmarkt offen, der durch öffentliche Gelder gestützt werde.

Köpke spricht bei Langzeitarbeitslosigkeit auch von "verfestigter Arbeitslosigkeit". Die sei in diesem Umfang in Krefeld und dem Kreis Viersen "nicht akzeptabel". Die Bundesagentur für Arbeit müsse entsprechende Gelder bereitstellen, um Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme auflegen zu können. "Wenn ich lese, dass die Bundesagentur einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro in den Büchern hat, sollte dafür genug Geld vorhanden sein", betonte der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Arbeitsagentur Krefeld.

Quelle: RP
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