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Krefeld
550.000 Euro für Eiermanns Fahrradhalle

Eiermanns Fahrradhalle in Krefeld
Eiermanns Fahrradhalle in Krefeld FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Heute wirkt sie wie eine hässliche Großgarage - doch Denkmalschützer sind entzückt von dem langgestreckten Bau neben dem Stadthaus: Die Fahrradhalle geht auf Egon Eiermann zurück und birgt fast unversehrte Bausubstanz. Von Jens Voss

In dem Gutachten zur Sanierung des Stadthauses sind 550.000 Euro für die denkmalgerechte Sanierung der ehemaligen Fahrradhalle für den Gebäudekomplex vorgesehen - die Halle geht wie das Stadthaus auf den bedeutenden Architekten Egon Eiermann zurück. Das, was heute wie eine gesichtslose Großgarage billigster Bauart aussieht, ist aus denkmalschützerischer Sicht ein hässliches Entlein, in dem sich ein Schwan verbirgt: Denn das meiste an ihr ist noch originäre Bausubstanz.

Wie die Stadt auf Anfrage erläutert, steht die Halle noch nicht unter Schutz. Sie sei "als Bestandteil des ursprünglichen Entwurfs der Verseidag-Verwaltung von Egon Eiermann als Denkmal erkannt", erklärt ein Sprecher auf Anfrage; zurzeit sei die Halle aber noch nicht rechtskräftig in die Denkmalliste eingetragen. "In diesem Jahr soll noch ein Gutachten erstellt und somit das Eintragungsverfahren fortgeführt werden." Dass es so kommt - daran bestehen kaum Zweifel.

Steht man erstmals vor der Halle, ist man fassungslos über das Denkmal-Ansinnen: Flachdach, Garagentore, Wellblechwände - was soll daran denkmalwürdig sein? Wer sich aber auf die Struktur der Halle einlässt, wer sich Wände, Tore, Schmutz und Dunkelheit wegdenkt, erkennt die Handschrift Eiermanns: Ursprünglich war die Halle ein lichter, nach drei Seiten hin offener Bau mit einem weit geschwungenen, in flachem Winkel nach oben zeigenden Flachdach. Im Innern hält ein System aus Stahlträgern die Dachkonstruktion in Y-Form, aber als Y mit weit geöffneten, fast an der Grundlinie liegenden Y-Flügeln.

Die Halle ist 70, 80 Meter breit, rund 30 Meter tief und Zeugnis einer Zeit, in der man wie selbstverständlich davon ausging, dass die Masse der Arbeitnehmer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt. Die nach vorne hin offene Front ist auf ein problemloses Kommen und Gehen angelegt; man geht durch kein Tor, sondern fährt mit dem Rad bis zu einem freien Platz; die Halle wiederum nimmt den Ankömmling unter ihrem dem Boden sich nähernden Dach mehr und mehr auf.

Die Art des Umgangs mit der Halle zeigt, dass sie früh als Beiwerk gesehen wurde; wohl auch deshalb, weil sie im Laufe der Jahre, bei wachsendem Wohlstand und zunehmendem Autoverkehr, überflüssig geworden ist. Schließlich wurde sie zur Großgarage umgebaut oder besser zugebaut: Tore und Wellblechwände kamen dazu; nach hinten war der Raum durch eine Glaswand abgegrenzt, durch die früher viel Licht gekommen sein muss; heute steht unmittelbar dahinter eine hohe Mauer als Grenze zum nächsten Grundstück. Wie gering das Interesse an diesem Beiwerk war, zeigt auch der Umstand, dass bislang kein Foto des Originalzustandes aufzutreiben war.

Denkmalsystematisch aber ist es konsequent, mit der Denkmalwürdigkeit des Stadthauses auch die Qualität dieses Zweckgebäudes wiederzuentdecken. Die Stadt hofft, dass die 550.000 Euro Sanierungskosten nicht allein von der Stadt getragen werden - gut denkbar sind Zuschüsse aus Denkmalmitteln von Land und Bund. Und wer weiß: Vielleicht sind wir auf dem Weg nach vorn in die Vergangenheit. So wie Wohlstand das Auto für den Weg zur Arbeit ermöglichte, legt der Klimawandel erneut das Rad als Verkehrsmittel der Zukunft nahe.

Quelle: RP
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