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Krefeld
60 Denkmalexperten entdecken Mies-Bauten

Krefeld. Teilnehmer der zurzeit stattfindenden Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger "Schall und Rauch. Industriedenkmäler bewahren" schauten sich im Mies-van-der-Rohe-Business-Park um.

Eine Exkursion haben rund 60 Denkmalpfleger aus Deutschland nach Krefeld unternommen. Sie sind Teilnehmer der zurzeit stattfindenden Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger "Schall und Rauch. Industriedenkmäler bewahren". Im Industriemuseum Oberhausen des Landschaftsverbandes Rheinland diskutieren insgesamt 300 Denkmalpfleger unter anderem Fragen rund um die Erhaltung und mögliche Nutzung von Industriedenkmälern. Im Zentrum der Krefeld-Exkursion stand die Gründungsgeschichte der Vereinigten Seidenwebereien AG (Verseidag).

Die Fachleute besichtigten die ehemalige Produktionsstätte, die ab 1930 an der Girmesgath unter der Federführung von Ludwig Mies van der Rohe entstanden ist. Daniel Lohmann von der Fakultät für Architektur der Universität Aachen und der Krefelder Denkmalpfleger Veit Berroth führten dort die Gruppe. Der Forscher aus Aachen hat den Industriebau Mies van der Rohes vor gut zwei Jahren an der Seite von Professor Norbert Hanenberg in den Fokus historischer Bauforschung genommen. Dafür sind die beiden Dozenten sogar in die USA gereist, um im Archiv des Museums of Modern Art (Moma) die Originalpläne des berühmten Architekten einzusehen. "Wir haben zahlreiche Briefe gelesen, in denen van der Rohe mit dem Leiter der Verseidag-Bauabteilung, Erich Holthoff, korrespondiert hat, um Details zu klären", berichtet Lohmann. Es gebe hinsichtlich der Urheberschaft der Gebäude auf dem Areal "keine wirklichen Fragen". Von den elf Hallen mit Sheddächern stammen neun von Mies van der Rohe, sagt Hanenberg.

Eher zufällig entdeckten sie weitere Originalpläne des Bauhaus- Stars. Vergessen in einem verstaubten Abstellraum fanden sie einen Planschrank mit vielen Skizzen, Entwürfen und Bauunterlagen. Darunter der Van-der-Rohe-Plan für einen Verbindungstrakt vom sogenannten HE-Gebäude zu den Flores-Hallen. Der Bau existiert heute nicht mehr. Zudem besuchte die Gruppe von Denkmalpflegern die beiden Villen an der Wilhelmshofallee. Dort führten Dr. Helmtrud Köhren-Jansen vom Landschaftsverband Rheinland, der Krefelder Architekt Klaus Reymann und der Krefelder Denkmalpfleger Gerhard Hanisch die Gäste durch Haus Lange und Haus Esters. Die Fachvorträge und die Diskussion am Nachmittag widmeten sich unter dem Titel "Jünger, größer, weiter" Fragen der Bestandsaufnahme von jungen Denkmalen der Industriegeschichte.

(sti)
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