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Krefeld
80 Tiere leben auf der Nutztier-Arche

Krefeld. Siegfried Großer und Sylvia von den Busch betreuen auf ihrem sechs Hektar großen Hobby-Bauernhof in Mittelorbroich unter anderem vom Aussterben bedrohte Tierrassen wie Deutsche Milchschafe und Sundheimer Hühner. Von Jochen Lenzen

Normalerweise laufen Fohlen davon, wenn sich ihnen jemand nähert, doch bei David ist das anders. Ungewöhnlich zutraulich kommt er auf den Fremden zu und schnuppert an dessen ausgestreckter Hand. Offenbar hat das Hengstfohlen in seinem erst vier Wochen währenden Leben sehr gute Erfahrungen mit Menschen gemacht. Dasselbe gilt für seine Mutter Grace, die vollkommen unaufgeregt hinzukommt. Das liegt offenbar an der liebevollen und artgerechten Haltung auf dem Hobby-Bauernhof von Siegfried Großer (78) und Sylvia von den Busch (60) an der Straße Mittelorbroich im Norden von Hüls. Seit drei Jahren ist der Hof dem Verband "Nutztier-Arche" angeschlossen, der vom Aussterben bedrohte Rassen erhalten will und solche Tiere für die Zucht weitervermittelt.

Auf dem Biohof leben aber nicht nur vier dieser Deutschen Reitponys aus der Bönninger Zucht und drei Gnadenbrotpferde, die wie die beiden Schottischen Hochlandrinder übrigens nicht unter die Arche-Tiere fallen. Das gilt vielmehr für die knapp zwei Dutzend Deutschen Milchschafe, die etwa doppelt so vielen Sundheimer Hühner und die drei Diepholzer Gänse, die sich auf dem sechs Hektar großen Hobby-Bauernhof wohlfühlen. Mit den beiden Hunden und den fünf Katzen werden dort also fast 80 Tiere versorgt. In früheren Jahren waren es insgesamt sogar mal doppelt so viele.

"Vor 30 Jahren habe ich diesen Hof als Ruine gekauft und weitestgehend selbst restauriert", erzählt Siegfried Großer, ehemals Schifffahrtskaufmann in Duisburg. In Hüls hat er sich mit seiner Lebensgefährtin Sylvia von den Busch, gelernte Rechtsanwaltsgehilfin aus Düsseldorf, den gemeinsamen Traum erfüllt, Tiere zu halten. "Wir sind ein offener Hof, auf dem wir auch gern Kinder begrüßen, die den Tieren näherkommen und auch mal reiten wollen", sagen die beiden Hobbybauern.

Angefangen hatte es mit Hunden, Katzen und Geflügel. Kurz darauf kam eine trächtige Deutsche Reitpony-Stute hinzu, bevor die Tierfreunde die ersten Deutschen Milchschafe anschafften. "Die will heute niemand mehr haben, weil sie nur wenig, aber wohlschmeckendes Fleisch bieten. Wir haben versucht, aus ihrer Milch Käse zu machen; das hat aber nicht geklappt", erzählt Großer. "Wir lassen die Lämmer sieben Monate bei der Mutter und wechseln alle zwei Jahre den Bock, um Inzucht zu verhindern", erklärt er weiter. Seiner Geschmacksbewertung kann schon entnommen werden, dass einige der Schafe wie auch der geflügelten Mitbewohner des Hofs regelmäßig für den Eigenbedarf und für Freunde geschlachtet werden. Auch an Eiern mangelt es den Hobbybauern natürlich nicht.

Die Versorgung all dieser Tiere und die Pflege und Instandhaltung des Hofs inklusive der vielen Blumen, Zier- und Nutzpflanzen im Innenhof und in den Gärten hinter den Hofgebäuden beansprucht das Paar den ganzen Tag. Dabei helfen ihnen der Hülser Landwirt Willi Schmithüsen, der alle Arbeiten übernimmt, für die landwirtschaftliche Maschinen benötigt werden, und Zuchtwart Thomas Rungelrath vom Rassegeflügelzuchtverein Hüls als Berater.

Die beiden kennt natürlich auch Wachhund Theyson, der mächtige Rottweiler, dessen extrem beeindruckendes Gebell und Geknurre verschreckt, wenn man sich der Eingangstür zum Hof nähert. Wenn ihn sein Herr aber erst einmal mit dem Besucher bekanntgemacht hat, ist er genauso brav wie die ihn stets begleitende Hütehündin Tequila, ein wunderschöner Border Collie.

Quelle: RP
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