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Krefeld
99 Filmsekunden auf dem Weg nach Berlin

Krefeld: 99 Filmsekunden auf dem Weg nach Berlin
Der 30-jährige Fischelner Marc Fuchs hat die Hauptrolle in dem 99 Sekunden langen Krefelder Kurzfilm "Serotonin Overdrive" für den Wettbewerb 99 Fire Films Award in Berlin übernommen. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der Fischelner Marc Fuchs drehte in 99 Stunden mit Niko Metzke aus München in Fischeln und auf der Königstraße in der Innenstadt einen tempogeladenen Kurzfilm für gut gelaunte Hektiker und hofft nun auf das Preisgeld von 9999 Euro. Von Norbert Stirken

Marc Fuchs und Niko Metzke hatten 99 Stunden Zeit, um einen 99 Sekunden langen Kurzfilm zu drehen und im Internet hochzuladen. Gestern um 13 Uhr lief die Frist für die Videofilmer aus Fischeln und München ab. "Wir haben's geschafft und 24 Stunden nicht geschlafen", erzählte Fuchs. Nun beginn das Warten. Das warten darauf, ob ihr Video mit dem Titel "Serotonin Overdrive" sich gegen rund 3500 Mitbewerber durchsetzen kann und es unter die besten 99 Kurzfilme schafft. Die Belohnung wäre eine Einladung zur Gala in den Berliner Admiralspalast und das Ringen um 9999 Euro Prämie für den besten Film. Für drei weitere Kategorien stehen jeweils 999 Euro Preisgeld bereit.

Kameramann Niko Metzke (rechts) zeichnet die Waschmaschinenszene auf. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Fuchs, der in der Nähe von Gera geboren ist und vor gut acht Jahren nach Krefeld übersiedelte, ist Filmemacher aus Leidenschaft. Für das neue Werk schlüpfte er in fast jede erdenkliche Rolle: Drehbuchschreiber, Locationscout, Schauspieler, Regisseur, Kameramann, Ausstatter und Cutter. Am Ende stand eine riesige Auswahl an Szenen zur Verfügung. "99 Sekunden sind schnell vorbei", betont Metzke. So fielen einige durchs Raster, andere wurden gekürzt und - der Trick schlechthin - im Zeitraffer abgespielt. Das hat der Geschichte über den Tagesablauf eines Hektikers noch einmal eine ganz andere Qualität verliehen. Der Protagonist steht morgens recht zerknittert vor dem Spiegel; brüht sich einen Kaffee auf; schüttet ihn sich überhastet ins Gesicht; rennt zur Waschmaschine; schleudert im Takt der Musik die Wäsche in die Trommel; verlässt die Wohnung; tanzt über die Königstraße in der Innenstadt; geht zur Bank; zieht Geld - die Geschichte überholt sich fast selbst. Dabei macht der Hauptdarsteller stets ein Gesicht im Spannungsfeld von Spaß, Freude und Wahnsinn.

Fuchs und seine Truppe haben seit dem offiziellen Auftakt des Wettbewerbs "99 Fire-Films-Award" am Donnerstag eine aufregende Zeit verbracht. "Das Ganze ist extrem überspitzt, trägt slapstickhafte Züge", berichtet der 30-jährige Fuchs, der sein Geld in der Medizin-Logistikbranche verdient. Seinen Partner hat der Fischelner auf kuriose Art kennengelernt. Beide sind absolute Technikfreaks: Als Fuchs bei Amazon nach neuer Ausrüstung für seine Video-Leidenschaft suchte, fiel ihm eine ellenlange Rezension auf. "Es hat mehr als 20 Minuten gedauert, sie vollständig zu lesen", berichtet der gelernte Grafiker. Ihm sei die "tiefgreifende Gründlichkeit" von Niko Metzke aufgefallen. "Ich habe ihn angemailt. So haben wir uns kennengelernt", sagt er. Inzwischen hat der Münchener sein Hobby zum Beruf gemacht. Für Flexcom Europe dreht er Videos und schreibt Storyboards.

Hat es nicht in den Kurzfilm geschafft: Die Episode wanderte in den digitalen Papierkorb. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Fuchs bezeichnet seine Aktivitäten als semiprofessionell. Der Tüftler aus dem Osten hat schon als Schüler mit minimalster Technik experimentiert. Mehrere Videorekorder habe er mit Musikaufzeichnungsgeräten kombiniert und so Szenen neu kombiniert und vertont. In seiner Fischelner Wohnung hat der 30-Jährige sich ein kleines Studio eingerichtet. Sein ganzer Stolz ist die Panasonic GH4 - eine 4k-Videokamera, die derzeit als die Beste gilt. "Damit lassen sich die tollsten Filme drehen", schwärmt auch Metzke. Er mag es bombastisch und verspüre einen "Hollywood-Film-Look-Drang", sagt der 24-Jährige zu seinen cineastischen Vorlieben.

Quelle: RP
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