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Blitzgeburt auf der A57
Baby wurde auf dem Standstreifen geboren

A57: Leon wurde auf dem Standstreifen geboren
Nafi und Deldar Kochar sind froh, dass es ihrem kleinen Sohn trotz der turbulenten Geburt auf dem Weg von Eindhoven nach Köln gut geht. Dass Leon nicht in der Domstadt zur Welt kam, schmerzt das Paar trotzdem. FOTO: Lammertz, Thomas
Krefeld. Blitzgeburt mitten im morgendlichen Stauwahnsinn auf der A57 in Krefeld: Familie Kochar aus Köln brachte dort am Mittwoch einen kleinen Jungen zur Welt. Leon hat fünf Geschwister - nur wegen eines Zufalls ist er der erste Nicht-Kölner. Von Sebastian Peters

Krefeld Mutter Deldar (39) kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen: Fünf Kinder hatte sie schon zur Welt gebracht, alle im Heilig-Geist-Krankenhaus Köln-Nippes, alle ließen sie sich Zeit, doch letztlich waren sie alle gesund und munter. Als Vater Nafi Kochar am Dienstag vor der Fahrt zur Cousine nach Eindhoven fragte, ob Deldar trotz Schwangerschaft mitfahren und auch dort übernachten wolle, sagte die Mutter zuversichtlich: "Kein Problem, wir schaffen das." Es waren schließlich noch zwei Wochen bis zum ausgezählten Termin. In der Nacht zu Mittwoch merkte Deldar Kochar in Eindhoven allerdings, dass diesmal alles ein wenig anders war – es regte sich etwas. Um sechs Uhr sagte sie zu ihrem Mann. "Bring mich ins Krankenhaus, es ist so weit." Vater Nafi wollte zunächst, wie von der Cousine empfohlen, ins städtische Eindhovener Krankenhaus fahren. Seine Frau aber sagte: "Wir fahren nach Köln." Sie wolle ihren Sohn lieber in der Domstadt zur Welt bringen, es sei einfacher wegen der Behörden. Zeitlich werde alles passen, trotz des alten Opel Astra.

Familie Kochar hat zwei Dinge unterschätzt: Erstens: wie schnell der kleine Leon ist. Zweitens: wie langsam man morgens auf der A57 vorankommt. 3040 Gramm, dichtes schwarzes Haar, Leon ist jetzt das jüngste von sechs Geschwistern – und als Einziger kein gebürtiger Kölner.

Gestern konnte Vater Nafi Kochar (46) im Krefelder Helios-Klinikum schon wieder schmunzeln. Am Mittwochmorgen aber spielten sich dramatische Szenen ab. "Hätte ich doch nur die A61 genommen", sagte Nafi Kochar. "Ich habe in der Hektik falsch entschieden." Er fuhr stattdessen von Eindhoven aus die A67 und die A40, im Kreuz Moers auf die A57. Den morgendlichen Berufsstau auf der 57 – Tausende Niederrheiner können davon berichten – unterschätzte er. Bis Krefeld lief die Fahrt rund, doch dann sah Nafi Kochar die ersten Warnblinklichter. Stau! Neben ihm seine Frau: "Das Kind kommt, das Kind kommt", sagte sie immer wieder. Nafi Kochar entschied, per Handy die Feuerwehr zu rufen, und parkte in der Dunkelheit gegen 7 Uhr auf dem Seitenstreifen. "Als ich anhielt, war das kleine Kind schon da." Mutter Deldar hielt den noch durch die Nabelschnur mit ihr verbundenen Jungen im Arm. "Er hat ganz laut geschrien, da wusste ich, alles ist gut."

FOTO: RP

Rund 20 Minuten hätten sie auf Feuerwehr und Krankenwagen warten müssen, schätzt Deldar Kochar. Das Problem: Der Vater meldete, dass er an der Abfahrt vor Krefeld-Zentrum auf dem Standstreifen steht – er parkte aber unmittelbar hinter der Auffahrt auf dem Seitenstreifen. Der Krankenwagen fuhr auf die Bahn und hatte die Kochars im Rücken. Der Krankenwagenfahrer rief bei Nafi Kochar an: "Wo sind Sie?". Der Vater sagte: "Ich habe Sie gesehen, Sie sind gerade vor mir auf die Auffahrt gefahren." So musste der Krankenwagen eine Schleife drehen. Kurz danach kam jedoch schon die Feuerwehr, und nach einer Ehrenrunde dann auch der Krankenwagen samt Notarzt.

"An solch einen spektakulären Geburteneinsatz kann ich mich nicht erinnern", sagte gestern Christoph Manten, Einsatzleiter bei der Krefelder Feuerwehr. Mutter und Baby seien auf dem Standstreifen im Rettungswagen medizinisch erstversorgt, dann durch den Notarzt mit dem Rettungswagen weiter in das Krefelder Helios-Klinikum transportiert worden. Dort liegen Mutter und Sohn in einem Einzelzimmer, schon heute sollen sie die Klinik verlassen dürfen. Auf dem Schild im Kinderbettchen steht bisher nur der Nachname: Kochar. Die Eltern wollen ihn Leon nennen, aber Alan sei auch ganz schön, sagt der Vater. Der Familienrat muss noch tagen. "Wichtiger ist ohnehin, dass er gesund ist." Die Familie, alle Geschwister, seien sehr glücklich.

Gebürtig kommt die Familie aus dem Irak, dort hatte der Vater ein Geschäft für Bekleidung. Mitte der 90er sind er und seine Frau als irakische Kurden nach Deutschland gekommen und inzwischen überzeugte Kölner. Vater und Mutter haben recht gut Deutsch sprechen gelernt. Die Kinder fühlen sich wohl in der Domstadt. Nur ein Geschwisterchen ist nun etwas anders, ein Kölner mit Migrationshintergrund. Zumindest ist Leon auf der richtigen Rheinseite geboren worden.

Quelle: RP
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