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Krefeld
Ab Herbst warnt die App Nina in Krefeld bei Atom-Katastrophe

Test in NRW: So sieht die neue Katastrophen-App aus
Test in NRW: So sieht die neue Katastrophen-App aus FOTO: dpa, mjh soe
Krefeld. Über Kaliumiodidtabletten verfügt die Stadt noch nicht, und es ist auch unklar, wann sie kommen. Klar ist nun: Ab Herbst geht die Warn-App Nina an den Start: So können Bürger per Handy gewarnt werden. Von Jens Voss

Die Stadt Krefeld verfügt noch nicht über Kaliumiodidtabletten, die im Falle eines Atomunfalls an die Bevölkerung verteilt werden sollen. Grund: Da solche Vorräte im gesamten Bundesgebiet angelegt werden sollen, reicht die Zahl der Tabletten schlicht nicht aus. Die Tabletten sollen die Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse verhindern. Mit den Tabletten sollen im Katastrophenfall vor allem Schwangere und Jugendliche unter 18 Jahren versorgt werden. Dies geht aus einem umfassenden Bericht der Stadtverwaltung für die nächste Sitzung des Verwaltungsausschusses hervor. Wann die Tabletten verfügbar sind, ist nicht bekannt; die Einlagerung sei "geplant", heißt es in dem Bericht lediglich; eingelagert werden sie bei der Feuerwehr.

Hintergrund für den umfassenden Bericht der Verwaltung zum Stand des Katastrophenschutzes in Krefeld sind Anfragen des Bürgers Christian Kellers, Sachkundiger Bürger der Piratenpartei im Umweltausschuss, und der Grünen mit Blick auf die als technisch unsicher geltenden belgischen Kernkraftwerke in Tihange und Doel. Krefeld gehört demnach nicht zu den "engeren Planungsgebieten im Umfeld eines Kernkraftwerks, für die bis zu einem Radius von maximal 100 Kilometer besondere Planungsanforderungen vorgesehen sind". Tihange ist rund 140 Kilometer Luftlinie von Krefeld entfernt, Doel rund 160 Kilometer.

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Zuletzt waren Mitte August im Kernkraftwerk Tihange Unregelmäßigkeiten entdeckt worden. In dem Meiler waren in den 80er Jahren nicht korrekt dokumentierte Teile verbaut worden. Umweltministerin Barbara Hendricks hatte Belgien gebeten, den Reaktor Tihange 2 vom Netz zu nehmen.

Für den Fall einer Atom-Katastrophe will die Stadt auch neue technische Wege gehen: Ab Herbst soll die vom Bund unterstützte Warn-App Nina in Krefeld eingeführt werden. Die Bürger können die App auf ihr Smartphone herunterladen und erhalten dann im Katastrophenfall entsprechende Meldungen direkt auf das Handy. Über eigene Einstellungen kann der Handy-Nutzer bestimmen, ob er über Warntöne oder Vibrationsalarm auf Meldungen aufmerksam gemacht wird. Nina wird über die jeweilige Störung informieren, Verhaltensanweisungen geben (zum Beispiel: im Gebäude bleiben), über Ausgabe und Einnahme von Kaliumiodidtabletten und über Evakuierungspläne und Entwarnung informieren.

Die Verteilung der Tabletten über städtische Ausgabestellen erfordere im Katastrophenfall "die Logistik einer Kommunalwahl", heißt es. Dafür sollen rund 700 Personen geschult werden, um sicherzustellen, dass im "Ereignisfall" mindestens 233 Leute für die Tablettenverteilung im Einsatz sind. Generell verfügt die Stadt über 722 Einsatzkräfte im Krefelder Katastrophenschutz; dazu gehören die Berufs- und die Freiwilligen Feuerwehren sowie Rotes Kreuz und Malteser Hilfsdienst.

Neben der Warn-App Nina würde die Stadt im Falle einer Katastrophe zur Information und Warnung der Bevölkerung auch auf die klassischen Methoden setzen: Sirenenalarm, das Infotelefon 19700 mit Sprachansagen und persönlicher Beratung sowie Informationen über die Internetseite der Stadt und Radiodurchsagen.

Quelle: RP
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