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Krefeld
Abenteuerliche Reise durch die Eiswüste

Krefeld: Abenteuerliche Reise durch die Eiswüste
Rettungsübung "Abandoning Ship Drill" auf der MS Tavastland: Wolfgang Haas im Rettungsanzug, der das Überleben im Eismeer sichern soll. FOTO: Haas
Krefeld. Der Forstwalder Segler Wolfgang Haas hat sich einen Traum erfüllt und ist mit einem Frachtschiff durch die Eiswüste des Bottnischen Meerbusens vor Finnland gefahren - und erlebte, wie das Schiff im Eis steckenblieb. Von Carola Puvogel

Mitten in der Nacht bleibt der Frachter MS Tavastland vor der Küste Finnlands im Eis stecken. Aus eigener Kraft kann sich das Schiff nicht mehr befreien. Mit an Bord: der Forstwalder Wolfgang Haas. Für ihn geht in diesem Moment ein Traum in Erfüllung: "Genau das wollte ich immer erleben", sagt der erfahrene Seemann. Eine Woche lang ist Haas als Passagier auf einem Frachtschiff für Rohpapier durch den Bottnischen Meerbusen gefahren. Um eben exakt in dieser Situation hautnah dabei zu sein: wenn das Schiff im Eis festsitzt. "Ich hatte schon Sorge, zu spät dran zu sein", berichtet der Forstwalder, der vor kurzem von der Reise zurückgekommen ist.

Tatsächlich verlief die Hinfahrt durch das Eis zu den beiden Häfen Oulu und Kimi ohne Vorkommnisse. Denn der Frachter ist als Eisbrecher konstruiert und kann sich in vielen Situationen selber helfen. Haas, erfahrener Segler und Ausbilder beim Forstwalder Segelclub Navigare, geht in Lübeck an Bord, bezieht seine kleine Kabine, verbringt aber die meiste Zeit, Stunden um Stunden, auf der Brücke der Tavastland, auch nachts. Er ist fasziniert von der Fahrt durch die schmale Fahrrinne in der Eiswüste, die eine halbe Tagesreise nördlich von Stockholm beginnt.

"Das Geräusch von Eis am Rumpf des Schiffes hat mich geweckt", berichtet Haas. "An diesem Abend hatte ich eigentlich schon geschlafen, bin dann natürlich wieder aufgestanden und bis zwei Uhr morgens auf der Brücke geblieben, um das Schauspiel zu erleben." Mit starken Suchscheinwerfern wird die Fahrrinne ausgeleuchtet, um Kurs halten zu können. Das Getöse im Eis sei gewaltig gewesen, erzählt er. "Ich konnte mich nicht sattsehen an der Wüste aus Eis und Schnee." Bis zu einem Meter dick ist die kalte Pracht vor der Küste Finnlands.

20 Seemeilen nach dem Ablegen aus dem Hafen Kemi, dem nördlichsten Punkt der Reise, geht dann plötzlich nichts mehr voran. Die Tavastland steckt fest. Nun beginnt ein Manöver, auf das Wolfgang Haas gehofft hat, das er immer erleben wollte: Der Frachter setzt eine halbe Seemeile rückwärts und hält dann mit voller Fahrt seiner 24.000 PS auf das Hindernis aus Eis zu. Einmal, zweimal, dreimal muss der Kapitän das Manöver wiederholen, um die Tavastland frei zu bekommen. "In dieser Phase sind wir achtmal steckengeblieben", erzählt Haas, beeindruckt auch vom Kapitän, der die Probleme "mit einer solchen Coolness" anging.

Und dann geht wirklich nichts mehr, auch die Kraft der 24.000 PS reicht nicht, um das Eis zu brechen. "Jetzt wurde ein Eisbrecher verständigt, um uns freizubekommen. Wie angekündigt, traf dieser um 22.30 Uhr ein, um im tiefsten Schneesturm die Rinne vor uns zu räumen", erinnert sich Haas. Vorher jedoch sei der Eisbrecher dreimal um die Tavastland herumgebrettert, um den Frachter aus dem Eis zu lösen. "Dann ist er noch zwei Stunden vor uns hergefahren. Als klar war, dass wir jetzt alleine vorankommen, ist er abgedreht, war aber noch eine Stunde in Bereitschaft." Drei Eisbrecher sind im Bottnischen Meerbusen für solche Notfälle im Einsatz.

Begeistert erzählt Wolfgang Haas auch von der guten Atmosphäre an Bord. Für ihn, den erfahrenen Seemann, sei es hochinteressant gewesen - anders als bei normalen Kreuzfahrten - , zu jeder Zeit auf die Brücke zu dürfen und alle Manöver hautnah mitzuerleben. Die Mahlzeiten nahm Haas gemeinsam mit der Crew ein, die meisten der Seeleute waren Philippinos, der Kapitän Schwede.

Zwei Passagierkabinen gibt es an Bord des Frachters, 900 Euro hat die einwöchige ungewöhnliche Reise gekostet.

Quelle: RP
 
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