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Krefeld
Abriss BayTreff: Covestro setzt behinderte Arbeitskräfte vor die Tür

Krefeld: Abriss BayTreff: Covestro setzt behinderte Arbeitskräfte vor die Tür
Auf 900 Quadratmetern arbeiten derzeit 16 Menschen mit Behinderung in der Werkstatt für Eingliederungshilfe. Das 4000 Quadratmeter große Grundstück soll geräumt werden. Über eine neue Nutzung ist noch nichts bekannt. FOTO: Lammertz
Krefeld. Die Eingliederungswerkstatt steht vor dem Aus: Der gemeinnützige Verein erfuhr gleichsam über Nacht, dass der Standort abgerissen werden soll und die Mieter sich eine Alternative suchen müssen. Von Norbert Stirken

Das war für die Eingliederungswerkstatt in Uerdingen ein Schlag ins Kontor: Der gemeinnützige Verein, der Menschen mit Behinderung ausbildet und unter anderem in einer Fahrradwerkstatt an der Duisburger Straße beschäftigt, erfuhr gleichsam über Nacht, dass der Vermieter Covestro AG die industriehistorisch bedeutsame Immobilie, in der 16 Beschäftigte des Vereins ihrer Arbeit nachgehen, abreißen will. "Die Nachricht hat uns hart getroffen und unvermittelt in Zugzwang versetzt", sagte Werkstattleiter Peter Erkelenz auf Anfrage unserer Redaktion.

Peter Erkelenz, Leiter der Eingliederungswerkstatt, ist in Zugzwang. FOTO: Lammertz Thomas

Die 900 Quadratmeter gemieteten Produktions- und Büroflächen für 55.000 Euro Jahresmiete hängen baulich mit dem so genannten BayTreff zusammen und sind von der Entscheidung der Aktiengesellschaft über die Zukunft des Gebäudes unmittelbar betroffen. Beschönigend sprach die Covestro AG (ehemals Bayer Material Science) von "verantwortlichem Umgang" mit der Immobilie, von "Rückbau" und davon, dass sich die "Nutzer des BayTreffs" jetzt in einer Situation befinden, "sich eine Alternative suchen zu müssen".

Tatsächlich bedeutet die Entscheidung der Covestro AG den bevorstehenden Abriss der Bebauung, in der von 1895 bis 1976 die Kathreiner Malzkaffee-Fabrik den bekannten Karo-Kaffee (im Volksmund Muckefuck) hergestellt hat. Danach ging das 4000 Quadratmeter große Grundstück samt Aufbauten in das Eigentum der Bayer AG. Mit der Ausgliederung der Covestro AG aus der Bayer AG war auch der Übergang eines "umfassenden Portfolios an Liegenschaften" verbunden - unter anderem der BayTreff an der Duisburger Straße 42. Dort werde es noch eine Aufführung einer Laienspielgruppe geben, dann habe die Zeit als Veranstaltungshalle ein Ende, berichtete Covestro-Sprecher Wolfgang Mühlen auf Anfrage unserer Redaktion. Um die Sicherheit der Nutzer stets zu gewährleisten, unterlag der Treff seit einigen Jahren bereits einer eingeschränkten Nutzung unter Sicherheitsauflagen. Zudem, so Mühlen, entspreche das Gebäude nicht mehr dem Stand moderner Industrie-Architektur. Daher habe sich Covestro gegen eine Sanierung entschlossen. Noch sei offen, wie die frei werdenden Flächen künftig genutzt werden. "Da die Entscheidung zur Beendigung der Nutzung des Gebäudes noch sehr jung ist, prüfen wir zurzeit im Hinblick auf eine zukünftige Nutzung die baurechtliche Lage", ergänzte der Sprecher.

Menschen mit Behinderung nähen in der Eingliederungswerkstatt unter anderem große Filtertücher für Industriekunden wie Lanxess. FOTO: Lammertz Thomas

Peter Erkelenz bringen solche Überlegungen nicht weiter. Im kommenden Jahr feiert der finanziell unabhängige Verein sein 30-jähriges Bestehen. In den Jahren haben der Werkstattleiter und seine Kollegen so manchen Arbeitnehmer mit Behinderung für die Arbeitswelt fit gemacht. Die industriellen Kunden der Eingliederungswerkstatt sitzen vornehmlich im angrenzenden Chempark. Lanxess und Currenta zählen dazu. "Wir fertigen zum Beispiel Lederwaren in unserer Sattlerei und in unserer Näherei große Filtertücher für Zentrifugen", informierte Erkelenz.

Höchstens vier Jahre dauern die Betreuungsmaßnahmen im Einzelfall für die Behinderten. In dieser Zeit werden mit ihnen unterschiedliche handwerklich-technische Fähigkeiten eingeübt. Der Verein wird von rund 140 Mitgliedern getragen, die das Erreichen des Ziels, körperlich, geistig oder psychisch behinderte junge Menschen auf das Arbeitsleben vorzubereiten und somit Hilfe für ein eigenständiges Leben zu geben, unterstützen.

"Wir benötigen jetzt recht schnell mindestens 600 Quadratmeter, um unsere Arbeit fortzusetzen", sagte Erkelenz. Mit dem Problem steht er nicht alleine da. Die Bayer-Symphoniker Krefeld-Uerdingen sind ebenfalls auf der Suche. Die rund 80 Musiker benötigen ab 2018 einen Probenraum mit einer Fläche von rund 200 Quadratmetern sowie einen Archivraum für Notenmaterial und Instrumente in einer Größe von etwa 40 Quadratmetern.

Erkelenz will vor dem Auszug das Gespräch mit Covestro suchen. Die haben vage in Aussicht gestellt, die Suche nach Alternativen "nach Möglichkeit" zu unterstützen.

Quelle: RP
 
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