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Interview Karl-Heinz Teut
Abschied von Pastor Teut in Bockum

Interview Karl-Heinz Teut: Abschied von Pastor Teut in Bockum
Pastor Teut über Papst Johannes Paul II.: "Bei Johannes Paul II. habe ich es immer als unangenehm empfunden, dass er vor allem eine Nein-Kultur pflegte." Im Hintergrund die Kirche Herz-Jesu. FOTO: lammertz
Krefeld. Der Priester verlässt die Herz-Jesu-Gemeinde nach 34 Jahren Dienst. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang zum Priester, über Glaubenskrisen, Trends in der Kirche und die Frage, wie er den neuen Papst sieht.

Wie sind Sie darauf gekommen, Priester zu werden?

Teut Das war ein Prozess. Das Pfarrleben - die Veranstaltungen, die Menschen, die Messen - in Korschenbroich, das ich als Kind und Jugendlicher erlebt habe, hat mich schon sehr beeindruckt, auch einige der Priester dort.

Was hat Sie an den Geistlichen beeindruckt?

Teut Da war ein Kaplan, der sehr menschlich, natürlich, fröhlich und aufgeweckt war und im besten Sinne fromm. Er hat uns Jugendliche sehr überzeugt.

Und wann hat sich für Sie herausgeschält, dass der Glaube so gewiss und fest ist, dass er ein ganzes Leben trägt?

Teut Das hat sich nicht herausgeschält. Das war bei uns Familientradition. Ich komme aus einem sehr katholisch geprägten Elternhaus.

Wie haben Ihre Eltern auf Ihren Wunsch, Theologie zu studieren, reagiert?

Teut Das war kein plötzlicher Entschluss, mit dem ich sie überrumpelt habe. Für mich zeichnete sich der Wunsch zum Priester-Beruf so im neunten, zehnten Schuljahr ab. Ich war zunächst auf der Realschule; das Gymnasium war zu teuer. Dennoch habe ich Latein gepaukt, und zwar über zwei Jahre morgens, mittags, abends und nachts noch dazu. Am Ende der Realschulzeit war ich dann, wie es hieß, cäsarreif. Dann habe ich die Aufnahmeprüfung für die Oberstufe des Gymnasiums geschafft.

Hatten Sie dann ein Stipendium?

Teut Nein, mittlerweile war das Schulgeld abgeschafft.

Ist Ihnen der Entschluss, als Priester auf Familie zu verzichten, schwergefallen? War das ein Thema bei Ihren Eltern? Es ist ja auch schön, Großeltern zu werden.

Teut Natürlich war das ein Thema, aber das wurde mitgetragen. Ich habe nie von meinen Eltern Klagen gehört; ich könnte mir vorstellen, dass Eltern das heute anders aufnehmen. Mein Vater hat sich sehr zurückgehalten; meine Mutter hat immer gesagt: Das musst du erbeten; du wirst spüren, ob es richtig für dich ist.

Glauben Sie, dass der Zölibat der Hauptgrund für den Priestermangel ist?

Teut Nein, eigentlich nicht. Auch bei den Protestanten geht die Zahl der Theologiestudenten zurück. Ich glaube, bedeutender ist die allgemeine Glaubenskrise.

Sie wurden 1969 geweiht; 1965 war das Reformkonzil, das II. Vatikanum, zu Ende gegangen. Sie sind in einer Phase des Aufbruchs ins Berufsleben gestartet. Ist dieser Aufbruch mittlerweile versandet?

Teut Nein, er ist nicht versandet. Ich würde aber schon sagen, dass vieles von dem, was wir damals für wichtig hielten, keinen Bestand hatte.

Haben Sie Beispiele?

Teut Es gab einen Trend, die Gemeinden zu einer Art zweiter Volkshochschule zu machen. Das war sehr verkopft und hat sich nicht bewährt. Seltsam folgenlos war auch die Rede von der anthropologischen Wende: Der Mensch sollte in den Mittelpunkt rücken. Was menschlich war, hatte auch mit Gott zu tun und umgekehrt. Das war zu vage und trug nicht wirklich. Es gab immer mehr Menschen, die gesagt haben: Mir fehlt nichts, ich brauche keinen Gott.

Also kein aggressiver Atheismus, sondern eher Gleichgültigkeit.

Teut Gleichgültig ist das eine. Dennoch würde ich sagen, dass mir über die langen Jahre immer mehr Menschen begegnet sind, die ihren Glauben besonders ernst nehmen, auch tiefer fragen. Der Trend geht nicht nur von Gott weg in die Gleichgültigkeit, sondern in einen verantworteten, hinterfragten Gauben.

Muss der Pfarrer damit intellektueller, theologischer werden?

Teut Eher persönlicher. Er muss bereit sein, persönliche Fragen des Glaubens zu klären. Mit Floskeln kommen Sie heute nicht weiter.

Hatten Sie eine tiefe Glaubenskrise?

Teut So würde ich das nicht sagen. Man erlebt immer mal wieder Situationen des Leides und des Mitgefühls, in den man fragt: Wo war da Gott? Und dann hat man keine glatten Antworten und geht manchmal sehr bedröppelt seiner Wege.

Welcher Papst hat Sie sehr beeindruckt?

Teut Johannes XXIII., und auch Benedikt XVI. hat mich fasziniert. Ich habe ihn als einen großen Theologen und theologischen Schriftsteller geschätzt. Bei seinem Vorgänger Johannes Paul II. habe ich es immer als unangenehm empfunden, dass er vor allem eine Nein-Kultur pflegte. Er versucht, eine, wie er es nannte, Kultur des Todes einzudämmen, und hat sich daher oft in der Sprache des Verbotes an die Menschen gewendet. Ratzinger hingegen hat als Papst stets das Positive an der Botschaft der Kirche und auch an der Kirche betont. Wir brauchen ja auch Begeisterung für die Kirche mit all ihren Fehlern und Runzeln.

Und der aktuelle Papst?

Teut Papst Franziskus hat bisher eine neue Atmosphäre geschaffen. Die große Frage ist, ob er auch Neuerungen durchsetzt. Deshalb schauen wir alle gebannt auf die Synode in Rom im September. Wir erwarten schon Konkreteres; etwa im Hinblick auf den Umgang und die Seelsorge bei wiederverheirateten Geschiedenen.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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