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Krefeld
Ältester Nachwuchssänger Deutschlands

Krefeld: Ältester Nachwuchssänger Deutschlands
Für den 66-jährigen, pensionierten Hauptschullehrer Uli Luciano ist die Krefelder City eine Inspiration für dadaistische Textzeilen. FOTO: Kick Media
Krefeld. Uli Luciano und Rheingold-Star Bodo Staiger machen gemeinsame Sache: Die erste von Elbertzhagens Kick-Media Music GmbH herausgegebene Single "Ich versteh's nicht" steht bei den einschlägigen Musikportalen zum Download bereit. Von Norbert Stirken

Uli Luciano ist Musiker durch und durch und seit vielen Jahrzehnten. Er hat vieles erlebt und für viele gearbeitet. Doch dieser Anruf hat ihn dann sehr überrascht: Der bekannte Agenturchef und Manager Alexander Elbertzhagen klingelte den 66-Jährigen höchstpersönlich an und fragte, was Luciano mit den auf seiner Facebook-Seite veröffentlichten Liedern vorhabe. "Nix, habe ich geantwortet", sagt der Wahl-Meerbuscher, dem die Ideen für seine Texte bevorzugt bei einem italienischen Espresso in der Krefelder City kommen.

Elbertzhagen, der in Deutschland unter anderem David Bowie und Depeche Mode gemanagt hat, musste Luciano nicht lange überreden, die Single "Ich versteh's nicht" offiziell herauszubringen. Seit Anfang des Monats steht der Song beispielsweise bei Amazon für 1,48 Euro zum Download bereit.

Luciano und Elbertzhagen kennen sich seit den 1980-er Jahren. Beide waren damals für Herbert Grönemeyer aktiv. Uli Luciano (66) ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt, nur als Sänger war er bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Das Texten hingegen ist dem pensionierten Hauptschullehrer quasi in die Wiege gelegt worden. Neben Grönemeyer lieferte er vor allem für Stimmungskanonen wie Jürgen Drews und Klaus & Klaus humorvolle Zeilen.

Seine musikalischen Wurzeln liegen allerdings im Rock - im Deutschrock, um genau zu sein. Der langjährige Schlagzeuger der Düsseldorfer Band Sinclair lieferte Gesellschaftskritisches zu rauen Gitarrenklängen. Aus dieser Zeit rühren auch seine Kontakte zu Bodo Staiger. Der spielte damals mit Marius Müller-Westernhagen und betreibt heute das Tonstudio Rheinklang. Staigers ganzer Stolz ist das legendäre Mischpult, auf dem Conny Planck Kraftwerks Welthit "Autobahn" produziert haben soll.

Staiger komponierte die Musik zu Lucianos neuen Dada-Songs. Denn wir leben bekanntlich in Zeiten des Wahn-Sinns, da tut ein bisschen Ohne-Sinn ganz gut. "Matrosen jagen Fencheltee im Gegenwind/Der Durchlauferhitzer erwartet ein Kind/Verliebte Motorhauben erfrieren im Heu/Der Rosenkohl am Horizont ist menschenscheu." Wie bitte? Man versteht's nicht. Wo ist der Sinn? Genau da. Denn eben dieses hochspannende Frage-Antwort-Spiel grotesker Fantasie macht Luciano zum Programm, zum popmusikalischen Credo und zu Songs, die den von kraftvollen elektronischen Beats angetriebenen groben sprachlichen Unfug genüsslich durch die Hirnwindungen des Hörers treiben.

Staiger, der mit Rheingold einige Chart-Erfolge feiern konnte, hat mit seinem alten Weggefährten den Faden wieder aufgenommen. Gemeinsam verknüpfen die beiden die Tugenden der Neuen Deutschen Welle mit dem heilsamen Irrsinn der Unsinnspoesie. Luciano hat italienische Wurzeln und ist vielleicht der einzige evangelische Sizilianer des Planeten. Er ist von Hause aus Schlagzeuger und natürlich Songschreiber, arbeitete als Werbetexter, Kellner, Journalist und Fußballtrainer, studierte Psychologie und BWL, war Hauptschullehrer, schrieb Theaterstücke und konnte nie wirklich von der Musik lassen. In den 70ern trommelte er in der Düsseldorfer Rockband Sinclair, in den 80ern folgte das Trio Dreizack mit dem Radiohit "Großstadt Nacht", dann Die Original Flachländer. Zwischendurch brachten Luciano und Kollegen die Vorschüsse verschiedener Plattenfirmen durch. Sie produzierten bei Hansa und mit dem legendären Conny Plank. Schon damals war auch viel Unsinn dabei. Doch genau das macht diese liebenswerte, wahnsinnige und ernsthaft musikverrückte Pop- und Dada-Persönlichkeit zu einer Erscheinung, die im heutigen Musikzirkus selten geworden ist.

Luciano ist ein Künstler, der dem Wahn-Sinn der Zeit den Spiegel vorhält, indem er den Traum in den Tag holt, der zwischen scheinbarer Realität und wirklicher Virtualität unbestimmt in der Luft hängt. Weitere Songs sind bereits aufgenommen: "Die Amsel mit dem Drosselbart" und "Alles egal", wo er in acht Sprachen singt, dass er die Sprache nicht beherrscht und deshalb in eine andere Sprache wechselt. "Mein Ziel ist die Teilnahme am Eurovision Song Contest - ganz in guter Guildo-Horn-Tradition", sagt der älteste Nachwuchssänger Deutschlands.

Quelle: RP
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