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Krefeld
Ahasverus Püll - ein Spross aus hochangesehenem Hause

Krefeld: Ahasverus Püll - ein Spross aus hochangesehenem Hause
Die Restauratorin Antje Lewejohann, Christoph Dautermann und Jennifer Morscheiser (beide Museum Burg Linn) stellten gestern das restaurierte Bild für die Ausstellung "Krefeld und die Reformation" vor. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Antje Lewejohann, die auch schon für das Kaiser-Wilhelm-Museum tätig war, hatte das Brustbild des Jungen Mannes im vollen Prediger-Ornat für einige Monate zur Restaurierung in ihrer Werkstatt. Von Mojo Mendiola

Ein frühes Werk der Porträt-Malerei in der Stadt Krefeld erstrahlt in neuem Glanz und bildet nun ein zusätzliches Highlight in der Ausstellung "Krefeld und die Reformation" im Museum Burg Linn. Jennifer Morscheiser-Niebergall und Christoph Dautermann stellten das Gemälde vor.

Es zeigt das Brustbild des Ahasverus Püll (1677 - 1710), eines noch relativ jungen Mannes im vollen Prediger-Ornat, der ein Buch - vermutlich ein Neues Testament - in der Hand hält und an zwei Stellen einen Finger zwischen die Seiten steckt. Das sind - durchaus lesbar - die Seiten 121 und 310, und Dautermann vermutet, dass die Betrachter von damals diese Zahlen als Hinweise auf konkrete Kapitel oder Zitate im Buch zu deuten vermochten. Dies ist nur eines von vielen spannenden Details, die es in diesem Gemälde zu entdecken gibt, und manche davon sind auch für die Fachleute bis heute ungelöste Rätsel. So lässt sich der Schöpfer des Bildes nicht zuverlässig ermitteln, und auch die Datierung ist zweifelhaft.

Sicher ist jedoch, dass es sich bei Ahasverus Püll um einen Spross aus hochangesehenem Hause handelt. Die Familie Püll, deren Namen auch als Pull, Püllen und Pullen vorkommt, war durch ihre Textilbleichen und den Handel mit Wein zu Wohlstand gelangt und stellte über mehrere Generationen hinweg manchen Schöffen, Bürgermeister und auch Prediger in der Seidenstadt. Über den porträtierten Ahasverus Püll ist kaum etwas bekannt, aber immerhin wurde er zum ersten (soll heißen: obersten) protestantischen Prediger in Krefeld ernannt und dürfte mithin eine Autorität in Glaubensdingen gewesen sein.

Antje Lewejohann, die auch schon für das Kaiser-Wilhelm-Museum tätig war, hatte das Werk für einige Monate zur Restaurierung in ihrer Krefelder Werkstatt. Das in Öl auf Leinwand gemalte Bildnis, das vermutlich das älteste seiner Art in Krefeld darstellt, war bereits zweimal einer Sanierung unterzogen worden, zuletzt vermutlich relativ kurz nach 1945. Dabei ging es aus heutiger Sicht jedoch recht rustikal zu, sodass sich Lewejohann nicht nur mit den Folgen der Materialalterung, sondern auch mit Schäden durch falschen Umgang beschäftigen musste.

Quelle: RP
 
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