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Krefeld
Aktion "Krefeld gewinnt": Tausche Eintopf gegen Tanzparty

Krefeld: Aktion "Krefeld gewinnt": Tausche Eintopf gegen Tanzparty
Ralf Omsels (l.) und Petra Kluthausen von der Tagespflege Heilig Geist der Caritas haben sich mit Udo Koopmann vom Kolpinghaus verständigt. FOTO: T.L.
Krefeld. Alles war möglich, nur Geld durfte nicht fließen. Bei "Krefeld gewinnt - der Marktplatz für Ideen und Aktivitäten" im Theaterfoyer tauschten Unternehmer und karitative Einrichtungen gestern Dienstleistungen aus. Das Konzept stammt aus den Niederlanden. 77 Verträge wurden abgeschlossen. Von Henning Rasche

Petra Kluthausen hält ihr Pappschild rigide in den Händen. Sie verdreht ihren Hals, schaut hoch, zu dem, was sie dort selbst aufgeschrieben hat. Dann wendet sie sich wieder ihrem Gesprächspartner zu, weicht einem Passanten aus und erwischt mit ihrem Pappschild fast den Kollegen. Es ist eng, es ist warm, es ist stickig und damit wirklich keine bemerkenswert gute Ausgangslage. Aber Petra Kluthausen ist tapfer. Sie will, dass die rund 30 Quadratmeter große Terrassendecke gestrichen wird. Dafür ist sie bereit, recht viel zu geben. Einen Praktikumsplatz in der Tagespflege etwa.

"Krefeld gewinnt", so heißt die erste Börse für Unternehmer und karitative Einrichtungen und Vereine. "Der Marktplatz für Ideen und Aktivitäten" hat der Veranstalter, der Arbeitskreis katholischer Träger, das genannt. Im Glasfoyer des Stadttheaters begegnen sich anderthalb Stunden lang Vertreter von Firmen und sozialen Einrichtungen und loten aus, was sie austauschen könnten. Dabei ist alles erlaubt, jede Art von Handel. Nur eines ist tabu: dass Geld fließt. Die Händler sollen also nicht einfach Dienstleistung gegen Geldspende tauschen.

Der Oberbürgermeister gibt den Startschuss für den lockeren Austausch ohne feste Sitzplätze, ohne strenge Strukturen, ohne Zwang, indem Frank Meyer einen Gong schlägt. Vorher sagt er noch, dass diese Veranstaltung ein "Stück Pionierarbeit" in Krefeld sei, "ein Grundstein für ein neues soziales Netzwerk." So ganz ohne Internet diesmal. "Die allermeisten verspürten ein Bedürfnis danach, Dinge so wie früher zu regeln", glaubt Meyer. "Also per Handschlag." Hier im Theaterfoyer herrsche "keine 3-2-1-Mentalität", sagt er.

Zurück bei Petra Kluthausen, die gemeinsam mit Ralf Omsels die Tagespflege Heilig Geist der Caritas vertritt. Sie verhandeln immer noch um das Terrassendach, das einen Anstrich braucht. Sie zeigen Bilder davon, und man ist sehr geneigt, ihnen zuzustimmen. Udo Koopmann trägt ein knallorangenes T-Shirt und überlegt sich das gerade. Klar, er braucht nicht viel. Wenn die Caritas die Farbe stellt, dann macht er das mit seinem Team und Bewohnern vom Jugendheim Kolpinghaus. Von den fleißigen Malern auf dem Dach darf dann irgendjemand ein Praktikum in der Tagespflege bei der Caritas machen. Hier tauschen sich zwei soziale Einrichtungen aus, kein Unternehmen. Auch das ist erlaubt und erwünscht. Praktikum gegen neue Farben für das Terrassendach - das ist der Deal.

Es ist ein unglaublich enges Gewusel - trotz der Größe des Foyers. 60 Organisationen sind gekommen, Vereine, Firmen und soziale Einrichtungen. Innerhalb von 90 Minuten schließen sie insgesamt 77 Vereinbarungen ab. Und weil die Parteien jeweils einen Sachwert angeben müssen, wie viel ihr Austausch theoretisch in Geld wert wäre, könnte man von einem Gesamtwert von rund 52.000 Euro sprechen. Die Organisatoren vom Arbeitskreis katholischer Träger sprechen davon, dass das "sehr erfolgreich" sei.

Stephanie Josephs von der St.-Augustinus-Behindertenhilfe sucht nach Tanzkursen und -angeboten. Melanie Struve und Thomas Zanders von der Tanzschule "Doctor Beat" hätten natürlich welche. Am Anfang steht ihr Tausch bei handgestrickte Socken gegen Tanzanimation. Nach einigem Smalltalk und Austausch später landen sie bei 25 Liter Eintopf gegen eine schöne Tanzparty bei der Behindertenhilfe.

Lukas Hülbusch vom katholischen Beratungsdienst steht etwas verloren herum. Etliche Gespräche hat er schon geführt nach gut einer Stunde, aber eine Vereinbarung hat er noch nicht unterzeichnet. "Auf jeden Fall gut, um sich zu vernetzen", sei die Veranstaltung. Problematisch sei allerdings, dass nicht immer genau diejenigen Personen da sind, die auch Vereinbarungen verbindlich entscheiden könnten. Schwierig sei das hin und wieder, sagt er. Aber er will in Kontakt bleiben. Mit anderen sozialen Trägern und anderen Firmen.

Quelle: RP
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