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Krefeld
Alessi stiehlt seinem Quartett die Schau

Krefeld. Das Erste, was aus Ralph Alessis Trompete im Glasfoyer zu hören war, klang fast wie der berühmte Mess Call auf dem Mitschnitt des Woodstock-Festivals. Was aber dem Trompeter damals einfach nur missglückt war, bedeutete bei Alessi eine erste Kostprobe seiner Kunst, Töne, die er eigentlich schon in den Raum gestellt hat, weiterzublasen, dabei zu brechen und damit auch ihren Ausdruck zu variieren. Und weil der Italoamerikaner, der alle spieltechnischen Facetten seines Instruments glänzend beherrscht, ein ganz besonderer Meister der Tonbildung ist, steht ihm dabei ein enormes Repertoire an Klang-Nuancen zur Verfügung. Von Mojo Mendiola

Deshalb kann es kaum verwundern, dass der klassisch ausgebildete Alessi zum geschätzten Sideman für Jazz-Größen wie Steve Coleman, Ravi Coltrane, Uri Caine und Don Byron avancierte. Auch der Auftritt mit seinem eigenen Quartett namens Baida, sein dritter als Gast des Jazzklubs Krefeld, enttäuschte in dieser Hinsicht nicht.

Aber manch einer hätte sich vielleicht gewünscht, dass er seine Rolle als Bandleader anders verstanden hätte. Schon seine Körpersprache mutete für einen Jazz-Musiker eher eigentümlich an. Er stand sehr still und hielt seinen Blick fest auf den Trichter seines Instruments gerichtet, ohne ihn je zu seinen Mitstreitern schweifen zu lassen.

Und genauso spielte er auch. Alessi blies Monologe von enormer Länge, hochdifferenziert in der Tonbildung und auch nachvollziehbar strukturiert, doch sie wirkten weniger wie musikalische Äußerungen, sondern eher wie wissenschaftliche Vorträge. Gary Versace am Flügel, Drew Gress am Bass und Nasheet Waits am Schlagzeug, alle drei ebenfalls Musiker von Klasse mit eigenen Handschriften, waren unterdessen zum Begleitpersonal degradiert und trugen die alleinige Verantwortung für die kommunikativen Elemente des Zusammenspiels. Nur in ihren tollen Soli, die stets freudigen Zwischenapplaus hervorriefen, kamen ihre wunderbaren Potenziale zur Geltung, denn dann schwieg Alessi. So entspann sich ein kammermusikalisch ruhiges Konzert, in dem der Bandleader seine eigenen lyrisch-melodischen Ansätze immer wieder mit seinem intellektuellen Anspruch verschattete, in dem der Monolog über die Kommunikation triumphierte, und in dem der Spaßfaktor in engen Grenzen blieb. Dennoch ließ das Publikum die Band nicht ohne Zugabe ziehen.

Quelle: RP
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