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Krefeld
Als Geisterläufer barfuß und im Frack zum Marathon

Krefeld: Als Geisterläufer barfuß und im Frack zum Marathon
Bernhard Petz beim Training vor seinem Kunstbunker in Güdderath. Er trägt seine Dienstkleidung: den Frack der niederrheinischen Sinfoniker. FOTO: Jörg Knappe
Krefeld. Bernhard Petz startete beim Volkslauf in Bregenz - allerdings vom Ziel aus. Erfahrungen eines Künstlers, der gegen den Strom läuft. Von Petra Diederichs

Den Muskelkater in den Waden ist er fast wieder los. Aber das Glücksgefühl hält noch an. Mit einer Extraration an Endorphinen wird Bernhard Petz heute Abend bei der Premiere von "Katja Kabanowa" im Orchestergraben sitzen: Der 43-Jährige spielt die Tuba bei den Niederrheinischen Sinfonikern. Am vergangenen Wochenende ist der Musiker seinen ersten Marathon gelaufen. In knapp unter fünf Stunden hat er die 42,195 Kilometer beim 10. Drei-Länder-Marathon am Bodensee absolviert. Eine Superzeit für den Niederrheiner. Denn er trat in seiner gewohnten Arbeitskleidung an: im Frack. Außerdem lief er barfuß und gegen die Richtung. "Ich wollte körperlich spüren wie das ist, wenn man gegen den Strom schwimmt", sagt er.

Einer, der nicht mit der Masse laufen will, ist Bernhard Petz schon lange. Unter seinem Künstlernamen Bepe Meilenstein macht er immer wieder mit gewaltigen Steinskulpturen und außergewöhnlichen Aktionen von sich reden. Wie jetzt als Geisterläufer beim Marathon. Die Aktion war sorgfältig und von langer Hand vorbereitet. Eine kleine Fahrradeskorte sicherte Petz den Weg , damit er sicher den Läufern in der rechten Spur entgegenlief und niemand gefährdet wurde. Und Petz, der als Jugendlicher in seiner Tiroler Heimat zwar als Langläufer Wettkämpfe auf Landesebene bestritten hatte, musste sich auch erst auf Marathonniveau bringen. "Ich bin im Training fast immer nur die halbe Strecke, so um die 25 Kilometer, gelaufen. Ich musste meinen Laufstil erst finden und dann perfektionieren", sagt er. Denn seit diesem Frühjahr ist Petz konsequenter Barfußläufer. Auch für diesen körperlichen Grenzgang wollte er keine Schuhe tragen. Und ganz entscheidend: Er wollte nicht mit einem unüberschaubaren Pulk in eine Richtung rennen.

Als Künstler, der immer um die Anerkennung seiner Arbeit ringen muss, kennt er die Einsamkeit des Zweifelnden. Er vergleicht es mit Naturwissenschaftlern, die einer These lange folgen, ohne zu wissen, ob sie sich am Ende bewahrheiten wird. "Man ist allein. Erst wenn man am Ende Erfolg hat, ist man nicht mehr antastbar - auch wenn man den Weg dann alleine weitergehen wird." Und genauso hat er seine Aktion am Bodensee empfunden: "Es war wie das Lebensbild eines Menschen, der gegen den Strom schwimmt". Am Bregenzer Schauspielhaus ist er allein gestartet, frisch und motiviert. Nach etwa zehn Kilometern kamen ihm die ersten Marathoni entgegen. "Das war großartig. alle haben mich begeistert begrüßt", erzählt Petz. Für die nächsten 30 Kilometer brauchte der Musiker dann nicht nur körperliche Kraft: "Die Koordination schlaucht ganz schön. man muss sich sehr konzentrieren." Und ständig zum Grüßen den Arm heben. "Das gab ordentlich Muskelkater."

Petz hat niemals auf Zeit trainiert, sondern auf Kondition. Es war ihm wichtig, ins Ziel zu kommen. Höher, schneller, weiter: das sind nicht seine Werte. "Ich will mich nicht messen, sondern mich selbst spüren. Und beim Laufen bekommt man ein sehr klares Gespür für den eigenen Körper" Die letzten sieben Kilometer waren die härtesten. "Da war auch der Geist müde." Aber die Stimmung bei diesem Volkslauf hat ihn beflügelt. "Da wurden auch die letzten Läufer im Ziel noch richtig gefeiert." Und die Kunstaktion wurde ohnehin bejubelt: "Manche staunten sehr, wenn ich ihnen entgegenkam, alle haben sich gefreut. Es war rundum ein Erfolg. Und ich war der einzige, der alle Läufer gesehen hat. Die anderen Starter nehmen immer nur den Pulk um sie herum wahr. Ich kann mich noch an sehr viele Gesichter erinnern." Und an den Frackträger werden sich auch alle erinnern.

Sein Outfit hält Petz übrigens durchaus für Extremsport-tauglich: "Es hat an keiner Stelle gescheuert. im Training hatte ich mal 25 Grad. Da war alles nach fünf Minuten durchgeschwitzt. Aber dann begann die Kühlung."

In Bregenz stellte sich das Problem nicht: Da herrschten nur fünf Grad.

Quelle: RP
 
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