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Krefeld
Als Lehrerin in Gambia

Krefeld: Als Lehrerin in Gambia
Der TuS Gellep Stratum spendete die Trikots, in denen die Kinder trainieren. Die Fußball-Teams bildete Uwe Beckers, um die Schüler auch nachmittags zu beschäftigen. FOTO: Grundschule Gambia
Krefeld. Die Inratherin Franziska Schmeink ging nach dem Abitur für vier Monate nach Gambia. Sie unterstützte Entwicklungshelfer Uwe Beckers, in Afrika bekannt als Papa Buba, Von Bärbel Kleinelsen

Nach dem Abitur haben viele Schüler von öffentlichen Lehranstalten die Nase gestrichen voll. Franziska Schmeink nicht - sie machte sich auf den Weg nach Gambia, um Uwe Beckers bei seinem Schulprojekt in Brikama Madina zu helfen. Gerade noch selbst Schülerin gewesen, schlüpfte die Inratherin nun in die Rolle der Lehrerin und unterrichtete afrikanische Kinder auf Englisch. Und bemerkte schnell, wie schwierig es sein kann, in manche Klassen Ruhe zu bekommen.

"In Gambia ist es oft noch üblich, dass der Lehrer mit Schlägen droht, damit die Klasse leise ist. Wir wollen das bei uns nicht. Aber so mancher Lehrer, der bei uns arbeitet, hat das noch nicht verstanden, weil er es auch selbst nicht anders erlebt hat", erklärt Uwe Beckers, der die Schule mit Hilfe von Spendern und Paten aus Deutschland aufgebaut hat (die RP berichtete).

Franziska Schmeink, die alle nur Franzi nennen, musste sich ebenfalls an den manchmal rauen Umgangston gewöhnen. "Die Lehrer dort haben schon ein sehr traditionelles Frauenbild und hatten zum Teil Probleme, mit mir als junger Frau über Unterrichtsformen zu diskutieren. Frauen sollten ihrer Meinung nach lieber Tee kochen. Was ich allerdings in der ganzen Zeit nicht gemacht habe", erzählt die 19-Jährige stolz und schmunzelt.

Denn mit der Zeit gewöhnten sich die Gambianer an die Krefelderin und akzeptierten sie so, wie sie nun mal ist - auch mit ihren kurzen Hosen und Röcken. "Traditionell bedecken die Frauen in Gambia ihre Beine und tragen lange Röcke. Anders als bei uns ist ein tiefes Dekolleté aber kein Problem, da die Brust bei stillenden Müttern ja häufig zu sehen ist. Sexy ist also, wenn man Bein zeigt", erklärt Beckers, der seit über zehn Jahren zwischen Gambia und Krefeld pendelt und mindestens fünf Monate im Jahr vor Ort ist.

Franzi Schmeink hat sich trotz aller Anfangsschwierigkeiten schnell an ihr neues Leben im Busch gewöhnt. Das Rock-Problem beispielsweise löste sie mit einem Wickeltuch, das das knappe Outfit darunter verdeckte. "In den letzten Wochen meines Besuchs konnte ich aber auch meine kurzen Röcke ohne Probleme tragen. Und es gab auch schon die ersten Frauen, die ihre Röcke ebenfalls kürzer tragen wollten." Nicht gewöhnen konnte sich die damals 18-Jährige an die in Gambia üblichen Unterrichtsformen. Erste Klassen als Beispiel lernen nur durch Nachsprechen des Unterrichtsstoffs in der Gruppe. Auf das einzelne Kind geht keiner ein. "Üblich war es auch, die schlechten und die guten Schüler in Gruppen zusammen zu setzen und getrennt zu unterrichten. Was war ich glücklich, als Franzi direkt zu Anfang ihres Besuches gesagt hat, dass so etwas Quatsch ist und keinem hilft. Vorher hatte ich mir den Mund fusselig geredet, aber bei unseren Lehrern nichts erreicht", erinnert sich Beckers. Wie unterschiedlich Schulbildung sein kann, lernte die Abiturienten noch auf andere Weise. "Eine Lehrerin, die einen Hochschulabschluss hatte und bei uns arbeiten wollte, haben wir getestet und ihr die Aufgabe ,Sieben mal Sieben' gestellt. Die Antwort wusste sie nicht. Auch nichts über Dreisatz oder Geografie. Ich habe schnell gemerkt, dass das Niveau anders ist."

Könnte es in Gambia manchmal ein bisschen mehr an Wissen sein, fehlt es den Europäern eindeutig an der afrikanischen Gelassenheit, der Lebensfreude und Gastfreundlichkeit. Begeistert tanzte die junge Lehrerin mit den Dorfbewohnern und feierte ihre Feste. "Alle waren so herzlich. Ich fühlte mich überall gut aufgenommen", sagt Franzi Schmeink. Und erinnert sich mit Wehmut an den Moment des Abschieds. "Ein Mädchen hat ein Lied für mich geschrieben, und während sie es gesungen hat, angefangen zu weinen. Der Abschied war wirklich hart. Die Schule, die Bewohner und vor allem Uwe und seine Familie haben dafür gesorgt, dass es für mich eine unvergessliche Zeit war."

Auch Uwe Beckers mit Frau Fatu und Tochter Emma ist inzwischen wieder in Krefeld. Viel hat er in den vergangenen Monaten geschafft. Sieben Klassen sind fertig gebaut, dazu noch eine Schulküche, in der alle 211 Kinder mindestens einmal pro Tag ein Essen bekommen - und für Fußball-Fan Beckers ganz wichtig - es gibt jetzt einen Fußballplatz, auf dem die Teams trainieren können und gegeneinander spielen. Die Trikots spendete der TuS Gellep-Stratum, der Heimatverein des engagierten Entwicklungshelfers.

Quelle: RP
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