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Krefeld
Als sich Messdiener gegen die Hitlerjugend wehrten

Krefeld. Die Montessori-Gesamtschule lädt zu einer Präsentation über Widerstand im Nationalsozialismus ein.

Die Schüler der 10. Klassen der Montessori-Gesamtschule beschäftigten sich ab September mit der Untersuchung des Widerstandes, den Christen aller Konfessionen gegen den Nationalsozialismus leisteten. Sie kamen mit Hilfe der Märtyrologien, die die beiden großen Kirchen herausgegeben haben, aber vor allem auch mit Materialien aus dem Krefelder Raum (Die Heimat, Billstein-Forschungsergebnisse, hrsg. von der Stadt Krefeld) zu einem vielgestaltigen Ergebnis. Zu der Präsentation ist die Öffentlichkeit werktäglich (jeweils ab 14.30 Uhr) und am Donnerstag, 28. Januar, ab 18 Uhr ins Forum der Schule am Minkweg 26 eingeladen. Im Verlauf des Donnerstagabends spielt die Band "Die Grenzgänger".

Die Präsentation umfasst zunächst die Erarbeitung der rechtlichen Positionen beider Kirchen, ihrer wechselnden Haltungen zum Nationalsozialismus bis hin zu der Tatsache, dass die katholische und die evangelische Kirche ihre Gläubigen keinesfalls geschlossen zum Protest veranlassten. Anhand von Einzellebensläufen von Frauen und Männern, Geistlichen und Ordensleuten, bekannten und nicht bekannt gewordenen Personen wird dargestellt, wie sich das Leben mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten änderte und wie Mut und Widerstand oftmals zum Tode führten. Die Klassen legten dabei unterschiedliche Schwerpunkte: So wurden die Lebensläufe von katholischen Laien und Geistlichen aus unserer Gegend untersucht, hierzu sind auch die beiden bekannten Krefelder Pfarrer Dr. Gregor Schwamborn und Dechant Alfred von Itter oder der Kaplan Gustav Raab aus Viersen. Ein weiteres Schwergewicht wurde auf das Handeln von Personen gelegt, die der evangelischen Kirche angehörten, darunter der Pfarrer Heinrich Hamer.

Andere Schüler legten das Gewicht mehr auf den Widerstand einzelner Gruppen, wie etwa der Messdiener aus Bockum, die nicht nur fromm waren, sondern sich auch körperlich so gegen die Hitlerjugend durchsetzen konnten, dass diese Unterstützung durch ihre Parteileitung einholen musste.

Neben all den Widerstandsmaßnahmen und Racheaktionen der Nazis beeindruckten die Schüler vor allem die allumfassende Überwachung der Bürger und der sofortige Zugriff des Staates. Die verblüffendste Erfahrung für die Schüler war die Vielzahl einzelner Widerständler. Allerdings blieb die Frage offen, ob wir auch "Nein" gesagt hätten.

Einig wurden sich die Schüler in der Erkenntnis, dass man keinen Staat braucht, um Widerstand gegen Unrecht zu leisten und Menschlichkeit zu zeigen: Es genügen Einsicht und persönlicher Einsatz - auch für aktuelle Fragen, etwa in der Flüchtlingshilfe oder angesichts des Wiederauflebens von rechtem Gedankengut.

Quelle: RP
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