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Krefeld
Alte Krefelder Gerichte für die Tollen Tage

Krefeld: Alte Krefelder Gerichte für die Tollen Tage
Die französische Bezeichnung "Choux des Savoie" für Wirsing haben die alten Krefelder auf Platt zu einem "Schavuu" gemacht. FOTO: Dpa/CH
Krefeld. Einfach, aber (fast alle) köstlich! Hier haben wir zehn Tipps für "Krie-ewelsch Eäte" zusammengestellt. Jevvt öch ens draan! Von Jochen Lenzen

Schavuu

Dieser Eintopf wird mit "Kartoffeln unternander" (Eärpel durie-en) gemacht. Und so fremdländisch das Gemüse auch klingen mag, wächst es doch überall auf den Feldern rund um Krefeld. Schavvu ist die krie-ewelsche Zusammenfassung des französischen Choux de Savoie (Kohl aus Savoien), was nichts anderes als Wirsing ist.

Mit fein gewürfeltem, ausgelassenen Speck eine herzhafte Mahlzeit!

Endivien-Spies

Dieses nahrhafte Gericht hat nichts mit einem Spieß zu tun. Das Wort ist Platt für Speis, also Mörtel, denn es sieht ein bisschen so aus. Das Gericht ist auch für den ungeübtesten Krefelder Hausmann problemlos zuzubereiten. Aus den zerzupften Endivienblättern mit Essig und Öl einen Salat machen und mit gekochten, noch heißen und zerstampften Kartoffeln zu einem lauwarmen Pratsch vermengen.

Lecker! Aber stärkere Endivienblätter können etwas schwer im Magen liegen.

Stielmus möt Memm

Von diesem urigsten aller krie-ewelschen Gerichte gibt es heute nur noch die Hälfte, also das Gemüse, denn "Memm", auf Hochdeutsch Euter, wird seit dem Beginn der Wirtschaftswunderzeit in den 50er Jahren auch in Krefeld nicht mehr angeboten.

Ohne Memm - stattdessen mit feiner Bratwurst - und Eärpel durie-en schmackt das richtig gut.

Klapppertüüt

Dabei handelt es sich um Panhas - auch Pannas - und besteht aus Blut, gewürfeltem fetten Speck und Buchweizenmehl. Die gepresste Masse gibt's im Winter bei jedem Metzger und wird in Scheibenform langsam in der Pfanne gebraten.

Schmeckt unheimlich gut, wenn man darauf einen Löffel voll Zuckerübensirup verstreicht.

Muorembönk

Ein extrem einfaches Eintopfgericht, das aus manks-, also weichgekochten Möhren und Kartoffeln untereinander gemischt wird. Kenner lassen noch Apfelstückchen mitkochen.

Richtig lecker schmeckt das aber nur mit gebratener Flönz (Blutwurst) als Beilage.

Muorejubbel

Der Rest des Muorembönk vom Vortag wird mit Wasser und Brühwürfel als Suppe auf den Tisch gestellt.

Eine absolute Notlösung.

Herringsküüt

Das ist Heringsrogen, aus dem der Krefelder eine wohlschmeckende Soße für die Pellkartoffeln zum Hering macht. Jriselsküüt (männlich) und Melcher (weiblich) werden per Mixer in flüssige Sahne untergerührt.

Eine wahre Delikatesse!

Zizies

Zizies sind nicht geräucherte, frische Bratwürste, die durch dünne Holzstäbchen zusammengehalten werden. Wie beim Schavuu kommt auch hier die französische Besatzungszeit wieder verbal zum Vorschein, denn das Wort kommt von Saucisse = Würstchen.

Langsam gebraten und mit ordentlich Mostert (Senf) ein Hochgenuss.

Püfferkes

Püfferkes sind ein Schmalzgebäck, das man in Krefeld vorwiegend im Spätherbst und Winter, brauchtumsweise gerade um Fastelo-evend macht: 250g Weizenmehl, zwei Eier, 50g Zucker, je zwei Löffel Milch und Wasser, eine Prise Salz.

Mit Rosinen etwas für echte Schmecklecker.

Stiefe Riis möt Herring

Steifer, süßer Reis mit kaltem, totem Fisch ist selbst für ausgehungerte Krefelder eine höchst fragwürdige Angelegenheit. Die feststehende Redewendung "Dooe jövvt et stiefe Riis möt Herring" heißt soviel wie "Da herrscht ungeordnete Küche, schlimmes Durcheinander".

Bloß nicht nachkochen!

Quelle: RP
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