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Krefeld
Amprion sucht Trasse in Krefeld für 25 Meter breite Stromautobahn

Krefeld. Bis Anfang kommenden Jahres will der Netzbetreiber Vorgespräche in Krefeld für den Bau einer 300 Kilometer langen Gleichstromverbindung A-Nord von Emden nach Meerbusch-Osterath führen. Von Norbert Stirken

Im Jahr 2025 soll die Stromautobahn von Emden über Krefeld nach Meerbusch-Osterath oder Kaarst in Betrieb gehen. Netzbetreiber Amprion stellte gestern in Wesel das 300 Kilometer lange Gleichstromleitungsprojekt vor. Damit das "wichtige Stück Energiewende" zügig vorankommen kann, setze Netzbetreiber Amprion auf Dialog und Transparenz, betonte Unternehmenssprecher Thomas Wiede. Baustopps durch Planungsfehler und langwierige Gerichtsverfahren sollen den Bau der Stromautobahn, über die die Windenergie aus dem deutschen Norden Richtung Bayern und Baden-Württemberg fließen soll, nicht verzögern. In dem Punkt hat Amprion seine Lehren auch in Krefeld gezogen. Die Stadt am Niederrhein hatte in der Abwägung der Belange von Mensch und Natur für den Bau einer anderen Höchstspannungsleitung Mängel vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geltend gemacht und Recht bekommen.

Das soll diesmal nicht passieren. Bis Ende des Jahres will Amprion eine Umfeldanalyse abschließen und mit den Multiplikatoren aus Verwaltung und Verbänden auch in Krefeld das Gespräch suchen. Die Seidenstadt befindet sich in einem Untersuchungskorridor, in dem der ideale Trassenverlauf ermittelt werden soll. Anfang 2017 will Amprion die Öffentlichkeit über A-Nord und den Stand der Dinge informieren. Mitte des kommenden Jahres soll es schon konkreter werden. Dann stehen womöglich mehrere Trassenvarianten zur Auswahl. Ende 2017 soll die Ideallösung gefunden sein, und 2018 ein entsprechender Antrag bei der Bundesnetzagentur abgegeben sein.

"Wir wollen eine möglichst geradlinige Nord-Süd-Verbindung", erklärte der Projektverantwortliche Klaus Wewering gestern. Die Leitung solle vornehmlich als Erdkabel verlegt werden. Eine Information, die in Krefeld nach den Erfahrungen mit der Höchstspannungsleitung in Tackheide und Benrad sicherlich begrüßt wird. Die Kosten der Erdkabelverlegungen seien drei- bis vierfach so hoch wie bei einer Freileitung, informierte Wewering. Am Ende des Tages habe diese Größenordnung für die Höhe der späteren Strompreise beim Endkunden keinerlei Bedeutung, betonte Wewering, der stattdessen den technischen Aufwand herausstellte. Statt alle 300 Meter einen Mast zu bauen und die Stromleitungen daran zu befestigen, damit Straßen, Bäche und Felder zu queren, müssen nunmehr jeder Meter Leitung vergraben werden. Bäume und Häuser seien Hindernisse, die es zu umgehen gelte. Flüsse wie der Rhein werden höchstwahrscheinlich als Tunnel unterquert.

Für die Kabelverlegung werden zwei fünf Meter breite Gräben benötigt. In der Mitte befindet sich eine Baustraße, rechts und links Ablageflächen für den Bodenaushub. Der wird nach Erdschichten getrennt gelagert und später wieder in der richtigen Reihenfolge verfüllt. Amprion benötigt dafür eine Trasse mit einem Querschnitt von 35 Metern. Der eigentliche Schutzstreifen für die Erdkabel beträgt 24 Meter. In einem Waldgebiet müsste eine entsprechend breite Schneise geschlagen werden.

Die Erdkabel befinden sich in rund zwei Metern Tiefe in Rohren, geschützt von einer Abdeckplatte und darüber Maschendrahtzaun mit Trassenwarnband. Parallel zum Erdkabel laufen Lichtwellenleiter, mit deren Hilfe später über Temperaturmessungen Fehlerstellen entdeckt werden können. Bei jeder Störung heißt es, Bagger anrollen und graben.

Seit Frühjahr dieses Jahres ist Amprion alleiniger Vorhabenträger des Projektes. Nachdem der Gesetzgeber zu Jahresbeginn den Vorrang der Erdverkabelung für das Projekt A-Nord beschlossen hatte, rollte Amprion die Planungen neu auf. Ziel der Bundesfachplanung ist es, den bestmöglichen Trassenkorridor für die Leitung festzulegen und dabei die Schutzgüter Mensch, Natur und Umwelt gleichermaßen zu berücksichtigen. Dies ist eine verbindliche Vorgabe für das nachfolgende Planfeststellungsverfahren, in dem der konkrete Trassenverlauf bestimmt und das Vorhaben durch die Bundesnetzagentur rechtlich zugelassen wird. Gegen den Planfeststellungsbeschluss sind Rechtsmittel der Betroffenen möglich.

Quelle: RP
 
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