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Serie Heimat
Andachtsbildchen für das Gebetbuch

Serie Heimat: Andachtsbildchen für das Gebetbuch
Wolfgang Schmölders: "Die Zuordnung der Bildmotive in Themenkreise erscheint mir der interessanteste Ansatz, um in der Vielfalt an Motiven und Anlässen eine Entwicklung zu erkennen." FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Wolfgang Schmölders hat als promovierter Designer einen ausgeprägten Sinn für die kleinen Kunstwerke. Der frühere Pfarrer von St. Dionysius, Wilhelm Willms, hat ihn auf die Fährte gebracht. In Marseille fand der Sammler 105 Bildchen in einer alten Dose. Von Christine van Delden

Wolfgang Schmölders ist dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gefolgt, die für die siebte Nacht der offenen Kirchen am 12. Mai 2017 Menschen mit "interessanten Gegenständen aus dem religiösen Leben" sucht. Der promovierte Designer und Herausgeber der Fachzeitschrift "Glashaus geht einer besonderen Leidenschaft nach: Er sammelt Andachtsbildchen. Inzwischen besitzt er fast 600 dieser kleinen Kunstwerke und hat sich bereiterklärt, sie im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen zu präsentieren. Über Form und Modalitäten ist er noch im Gespräch mit den Projektleitern Bettina Steinhaus und Klaus-Norbert Kremers.

Den Anstoß für die Sammlung erhielt Wolfgang Schmölders in den 1970er Jahren durch Pfarrer Wilhelm Willms (1930-2002) an St. Dionysius: "Er zeigte mir seine Sammlung, die allerdings unsortiert war, und ich war fasziniert von der Vielfalt. Es gab beispielsweise Exemplare, die einen zarten Spitzenrand hatten, andere waren gedruckt oder handgemalt. Da habe ich erst gemerkt, was das für eine umfassende Geschichte ist." Schmölders selbst stammt aus einer katholischen Familie und erzählt: "Wir hatten diese Bildchen auch zu Hause. Zu Ostern gab es jedes Jahr eins, das ins Gebetbuch einsortiert wurde".

Nachdem die Sammelleidenschaft in Schmölders erwacht war, schaute er sich bei Reisen auf Flohmärkten um, hat einiges gekauft und auch geschenkt bekommen. In den 1980er und 90er Jahren ruhte die Sammlung aus beruflichen und familiären Gründen. Im Jahr 2014 entdeckte Schmölders jedoch auf einem Flohmarkt in Marseille eine alte Dose: "Als ich sie öffnete, war sie zur Hälfte mit Bildchen gefüllt. Der Händler überließ sie mir nebst Inhalt für 20 Euro", erzählt Schmölders - noch in der Rückschau ganz begeistert. Mit diesen - wie sich herausstellte - knapp über 100 Andachtsbildchen erhielt die Sammlung einen neuen Impuls. Schmölders änderte die Präsentationsform und ordnete neu: "Das Besondere an meiner Sammlung liegt in der Ordnung nach Themen. Die Zuordnung der Bildmotive in Themenkreise erscheint mir der interessanteste Ansatz, um in der Vielfalt an Motiven, Anlässen, Verwendungszwecken eine Entwicklung zu erkennen". Folgende Einteilung hat Schmölders vorgenommen: "Der ewig junge Schmerzensmann", "Mutterträume und Mutterängste" und "Engel, Führen und Folgen". Für ihn war es interessant, die Entwicklung der Bildmotive zu verfolgen: "Natürlich werden viele Stereotypen verwendet, aber eben auch mit kleinen Veränderungen. Durch die Einteilung, mit der ich mich sehr auseinandergesetzt habe, ist die Sammlung für mich etwas ganz Persönliches geworden", sagt Schmölders.

Ganz besonders am Herzen liegen dem Sammler die mit feinstem Pinsel auf Pergament handgemalten Sprüche: "Das sind wunderbare kleine Kunstwerke für sich". Wolfgang Schmölders betrachtet seine Sammlung heute als abgeschlossen und könnte sich vorstellen, sie irgendwann an ein Museum zu geben, um sie für eine wissenschaftliche Aufbereitung zur Verfügung zu stellen.

Quelle: RP
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