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Krefeld
"Angeln ist wie Schach spielen: Taktik ist alles"

Krefeld. Der Fischelner Thorsten Küsters ist in Novi Sad mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister im Friedfisch-Angeln geworden. Von Oliver Schaulandt

Vermutlich lag's an der Mückenlarve. Klingt nicht grad nach Feinkost, ist aber eine Delikatesse. Vielleicht nicht gerade für uns, aber Brassen fliegen drauf. Zumindest die, die in der Donau schwimmen und am Streckenabschnitt von Novi Sad in Serbien just zu dem Zeitpunkt dort vorbeigeschwommen sind, als Thorsten Küsters dort seine Angel ausgeworfen hat. Das macht der Fischelner sozusagen im Dienste Deutschlands: Der 32-Jährige ist Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Angeln, und mit dieser wiederum hat er jetzt zum ersten Mal seit 36 Jahren wieder den Weltmeistertitel im Friedfisch-Angeln errungen. Zehn Stunden, verteilt auf zwei Tage, hat das fünfköpfige Nationalteam dort gemeinsam mit Teams aus 28 Nationen geangelt, und in dieser Zeit haben er und seine Mitstreiter sagenhafte 846 Fische an Land gezogen - macht zwischen acht und neun Fische pro Stunde, oder noch anders: Alle sieben Minuten beißt bei Thorsten Küsters eine Brasse an.

Die Brasse, lateinisch Abramis brama, ist in ganz Europa beheimatet, zählt zu den Karpfenfischen und ist somit ein Friedfisch. Das sind Fische, die keine anderen Fische jagen (anders als beispielsweise Hechte oder Zander) und sich ausschließlich von Insekten sowie Schnecken und Würmern am Grund der Seen oder Flüsse ernähren oder Plankton aus dem Wasser filtern - neben Brassen unter anderem auch Karpfen oder Rotaugen. Bei Anglern ist die Brasse besonders beliebt, weil es ziemlich viele von ihr gibt und sie auch gut schmeckt.

Thorsten Küsters und seinen Mitstreitern ist bei der WM allerdings der Geschmack ziemlich egal. Denn zum einen mag Küsters eigentlich gar keinen Fisch essen, und zum anderen werden sie nach dem Wettkampf wieder ausgesetzt - außer eine Brasse, die schwimmt inzwischen putzmunter bei ihm im heimischen Gartenteich. "Uns geht es um das Gesamtgewicht an Fischen", sagt Küsters. Denn das Team, das die meisten Fisch-Kilos auf die Waage bringt, gewinnt hinterher den Titel. In diesem Fall waren es 62 Kilo, was sich vielleicht nicht unbedingt nach reichlicher Ausbeute anhört, aber wenn man bedenkt, dass die Fische alle zwischen 40 und 120 Gramm wiegen, ist das wiederum doch eine ganze Menge.

"Zum Angeln gehört eben eine ganze Menge mehr als sich bloß irgendwo an ein Ufer zu setzen, einen Wurm an den Haken zu hängen, auszuwerfen und dann abzuwarten, bis mit viel Glück irgendwann mal einer anbeißt", sagt Küsters, der schon sein ganzes Leben lang angelt und inzwischen ein echter Angelprofi ist, der im Internet sogar Lehrvideos veröffentlicht hat. "Das Glück ist etwas, was wir beim professionellen Angeln ausschalten müssen. Im Grunde ist Angeln ein bisschen wie Schach", sagt der Fischelner und ergänzt: "Die Taktik ist alles." Denn zur Taktik zählt für ihn und sein Team eben, welchen Köder er verwendet, welche Mengen er an Lockmittel in das kleine Körbchen unweit des Hakens hineinpackt und vor allem: wohin er seine Rute auswirft. "Ich kann auf 50 Meter den Haken genau in einen Eimer werfen", erzählt der Weltmeister. Klingt, als wäre er ein toller Hecht, aber professionelle Angler müssen das auch können. Dafür trainiert Küsters, wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, an fast jedem Wochenende ist er unterwegs.

Zur Nationalmannschaft gekommen ist er bei der Deutschen Meisterschaft. Im Jahr 2012 hat er sich in Sand am Main den Titel geholt, dadurch wurde er anschließend ins Nationalteam berufen. Dem gehören insgesamt 50 Personen an, 20 fallen pro Jahr aus dem Raster, und von den restlichen 30 pickt sich der Nationaltrainer seine WM-Mannschaft heraus. Bewertungskriterien sind unter anderem die Angeltechnik, die Vorbereitung und auch das rasche Einstellen und schnelle Reagieren auf die jeweiligen Situationen unmittelbar vor dem Angelplatz. Nicht überall beißen die Fische schließlich auch gleich, wenngleich in der Regel gilt: Welse beißen auf Würmer, Brassen auf Maden, Mückenlarven oder Caster, also verpuppte Maden.

Seine Anlockmischungen für die Fische mixt er selbst zusammen, einige davon gibt's sogar zu kaufen. Und dann, vor Ort am Gewässer, wird zunächst mal getestet, wie bei der WM. "In Serbien hatten wir fünf Tage Zeit, um Köder, Ruten und Anlockmittel auszuprobieren", erzählt Küsters. Am Abend vor dem Wettkampf galt es dann, das Equipment (Tackle genannt) vorzubereiten. In den zwei Stunden vor dem Wettkampf werden dann zehn, zwölf Ruten fertig präpariert, damit es im Wettkampf selbst fix geht. Das muss dabei auch rappzapp gehen, denn: "Zeit ist Fisch", sagt Thorsten Küsters.

Quelle: RP
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