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Schulhunde
Arbeitskreis Schulhunde wirbt für qualifizierte Tier-Pädagogik

Schulhunde: Arbeitskreis Schulhunde wirbt für qualifizierte Tier-Pädagogik
Laika ist der Schulhund der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule. Tiergestützte Pädagogik". Laika weiß um den Zusammenhang ganz genau. Sie gehört Lehrerin Janina Blau (l.), auf dem Foto mit ihren Schülern. FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Janina Blau setzt seit 2013 ihre Hündin Laika im Unterricht ein und ist Mitgründerin des Arbeitskreises Schulhunde Krefeld. Sie ist überzeugt von den positiven Effekten von Schulhunden.

Janina Blau ist Lehrerin an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, einer Förderschule mit Schwerpunkt "Geistige Entwicklung" in Gartenstadt. Seit Ende 2013 ist ihre Labrador-Retriever-Hündin Laika mit im Unterricht. Janina Blau engagiert sich seit 2015 im Arbeitskreis "Schulhunde Krefeld und Umgebung", organisiert Treffen und informiert über Fortbildungsmöglichkeiten.

Warum nehmen Sie Laika mit in den Unterricht? Was ist so besonderes an Hunden, dass sie als Schulhunde eingesetzt werden?

Blau Ein Hund an der Schule kann das Verhalten der Kinder in vielerlei Hinsicht positiv beeinflussen. So lernen die Schüler, Rücksicht auf die Bedürfnisse des Tieres zu nehmen; , manche werden ruhiger, arbeiten konzentrierter, wenn Laika in ihrer Nähe ist. Wieder andere lesen ihr freiwillig etwas vor. Es motiviert auch viele, wenn Laika im Mathe-Unterricht mitmacht und für die Kinder würfelt oder die Schüler ihr Bellen zählen. Insgesamt hat sich der Umgang miteinander, das Sozialverhalten verbessert. Um für Laika Leckerchen zu erspielen, arbeiten sogar die ärgsten Streithähne wieder friedlich zusammen. Und danach ist der Ärger meist vergessen, weil die Freude, Laika, etwas Gutes getan zu haben, überwiegt.

Wieso engagieren Sie sich im Arbeitskreis "Schulhunde Krefeld und Umgebung"?

Blau Ich finde es wichtig, dass beim Einsatz von Hunden an einer Schule bestimmte Vorgaben eingehalten werden, die es so in Nordrhein-Westfalen aber noch gar nicht gibt. So sollten die Hunde speziell für ihren Einsatz an einer Schule ausgebildet sein. Zuvor muss jedoch der Charakter des Tieres überprüft werden. Denn nicht jeder Hund fühlt sich an einer Schule wohl. Nur Tiere, die geduldig sind, die einen gewissen Lärmpegel aushalten, ohne gestresst zu sein, die Freude am Umgang mit Menschen haben und sich problemlos anfassen lassen, sind für den Einsatz an einer Schule geeignet. Ein Schuldhund darf von seinem Temperament her nicht zu wild sein und sollte keine Schüler anspringen. Daneben muss natürlich auch sichergestellt sein, dass das Tier gesund ist. In Bereichen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen wird, hat ein Hund nichts zu suchen.

Gibt es auch Regeln, die für die Schüler im Umgang mit dem Hund gelten?

Blau Natürlich. Die Schüler müssen beispielsweise den Rückzugsbereich des Hundes respektieren, sie dürfen ihn dort also nicht stören. Sie dürfen ihn nicht ärgern, ihm nicht wehtun und müssen akzeptieren, wenn der Hund an manchen Tagen mal keine Lust auf Spiele hat.

Was ist, wenn Schüler Angst vor Hunden haben?

Blau Das gibt es in meiner Klasse auch. In dem Fall weiß der Schüler aber, dass Laika nicht zu ihm kommt, wenn er das nicht möchte. Er hat inzwischen auch keine Angst mehr vor ihr. An der generellen Angst vor Hunden hat das aber nichts geändert. Als meine Schüler und ich bei einem gemeinsamen Spaziergang einen Chihuahua getroffen haben, hatte dieser Schüler noch immer Angst, obwohl Laika ja viel größer ist.

Sie unterrichten an einer Schule mit in ihrer geistigen Entwicklung verzögerten Schülern. Ist das ein schwieriges Einsatzgebiet für Hunde?

Blau Ja, das ist es auf jeden Fall. Viele unserer Schüler zeigen ein Verhalten, das für Hunde schlecht einzuschätzen ist, sind oft laut und temperamentvoll. Ein Hund, der sich in einer solchen Umgebung nicht wohlfühlt, wäre hier fehl am Platz. Laika hat es glücklicherweise von Anfang an nichts ausgemacht. Schon als Welpe war sie völlig entspannt und hat sich von den Eindrücken nicht irritieren lassen.

Wie viele Schulhunde und ihre Besitzer gehören zum Arbeitskreis für Krefeld und Umgebung?

Blau Im Moment sind es fünf. Es kommen zu unseren Treffen aber auch Lehrer aus der Umgebung und sogar aus Köln, die den Austausch suchen und Anregungen bekommen möchten. Vernetzung ist uns wichtig. Wir sind immer daran interessiert, neue Informationen zum Thema Schulhund zu bekommen und uns weiterzubilden. Auf der Schulhunde-Internetseite kann man sich auch einer Selbstverpflichtung anschließen. Damit macht man deutlich, dass man sich intensiv mit der Tiergestützten Pädagogik und dem Verhalten von Hunden auseinandergesetzt hat. Außerdem verpflichtet man sich, sich innerhalb von zwei Jahren mindestens 16 Stunden lang fortzubilden.

Sie gehören zu den 352 Lehrern in ganz Deutschland, die eine Selbstverpflichtung unterzeichnet haben?

Blau Genau. Deswegen darf ich auch das Logo "Schulhund. Tiergestützte Pädagogik" nutzen. Laika trägt ein Tuch, auf dem dieses Logo zu sehen ist. Wenn sie das rote Tuch anhat, ist sie im Dienst. Das weiß sie auch ganz genau. Immer freitags beispielsweise hat sie frei und ist ohne Tuch unterwegs.

Wer muss alles zustimmen, wenn ein Hund in der Schule eingesetzt werden soll?

Blau Die Schulleitung natürlich. Aber auch die Kollegen und Eltern müssen einverstanden sein. Es wird im Vorfeld auch abgeklärt, ob Kinder allergisch reagieren könnten.

DAS INTERVIEW FÜHRTE BÄRBEL KLEINELSEN:

Quelle: RP
 
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