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Krefeld
Archäologen bergen Goldring aus dem Hafenschlick

Krefeld. Beim traditionellen Grabungsabend in Linn stellte sich auch der neue Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter vor. Von Otmar Sprothen

Die Linner Museumsscheune war gut gefüllt beim traditionellen Grabungsabend. Museumsleiter Christoph Reichmann führte in seinem Vortrag auf die "schäl Sick", terra incognita für einen eingefleischten Linksrheiner, für Reichmann aber eine interessante Aufgabe, die rechtsrheinische Anbindung des Gelleper Hafens über die Marktsiedlung Serm näher zu beleuchten.

In der Uferböschung der rechten Rheinseite machte der Archäologe die unregelmäßig verlaufende Linie eines Saumpfades aus - noch vor dem Rheindeich. Dieser Pfad markiere die Reste eines Landungszugangs des alten Gelleper Hafens auf die andere Rheinseite und von dort aus nach Serm. Eine frühmittelalterliche oberitalienische Karte der "Francia Rhinensis" verzeichne genau auf der Höhe Serms eine Ansiedlung namens Sermiha. Da der Archäologe in diesem noch nicht durch Grabungen untersuchten Bereich Serms zwei Wege ausgemacht haben will, die zum Hellweg führten, könnte Serm die Hellwegpforte des linksrheinischen Gelduba für den Handel mit den Germanen gewesen sein. Dazu passt auch, dass das römische Staatsgebiet an die fränkischen Herrscher fiel, die es an ihre Gefolgsleute verteilten. So lag Serm in einem großen königlichen Bannwald, der sich zwischen Kaiserswerth, Duisburg und Werden erstreckte. Der neu verpflichtete Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter stellte am Beispiel der 1845 abgerissenen Lanker Pfarrkirche neue technische Methoden vor, die vor allem bei Zeitdruck die Archäologen wirkungsvoll unterstützen. Margarete Siepen gab einen Querschnitt durch die vielen Funde, die Privatgräber bei der Erweiterung des Hafens aus dem achtlos in eine benachbarte Kiesgrube gekippten Hafenschlick geborgen wurden und heute in deren Privatsammlungen aufbewahrt werden. Da die Zwiebelkopffibeln, Goldringe, aus Silber gefertigte Schildfesseln oder bronzene Hakenschlüssel durch das Wasser von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten waren, konnten sie ihre Patina erhalten.

Siepen stellte daneben Tierknochen vor, an denen Mitarbeiter der damaligen Knochenschnitzereien geschnitzt hatten, diese dann aber achtlos ins Hafenbecken befördert hatten. Neben den Fischernetzbeschwerern aus Blei gibt es ungewöhnliche Stücke, die wahrscheinlich aus Gründen der Magie im Wasser versenkt worden sind.

Quelle: RP
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