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Verkannte Meisterstücke
Architektur: Wo Krefeld stilvoll ist

Architektur: Verkannte Meisterstücke aus Krefeld
Architektur: Verkannte Meisterstücke aus Krefeld FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Mit den berühmten Bauten von Ludwig Mies van der Rohe will Krefeld zum Weltkulturerbe werden. Doch aus architektonischer Sicht gibt es viel mehr als Bauhaus in der Stadt. Ein kleiner Streifzug. Von Petra Diederichs

Nicht erst Stararchitekt Ludwig Mies van der Rohe brachte die Avantgarde des Bauhaus-Stils nach Krefeld. Noch vor den heute als Museen genutzten Häusern Esters und Lange an der Wilhelmshofallee entstand im Auftragin den 1920er Jahren das Haus Feubel an der Uerdinger Straße. Es war die erste Arbeit eines Krefelders: Ernst Schäfer, der sich zur damaligen Zeit ein Architektenbüro mit seinem Kollegen Josef Stumm teilte. Wenig ist von dem Planer-Gespann bekannt, auch nicht, ob sie Mies van der Rohe kannten. Bauherr Albert Feubel ist als Mies-Kenner hingegen bekannt.

Ernst Schäfer (1891-1985) war ein Schulkamerad Heinrich Campendonks - und hat nach dem Krieg beim Wiederaufbau von Friedens- und Lutherkirche gewirkt.

Entdeckungsreise: So schön ist Krefeld FOTO: TL

Das Haus liegt ein wenig zurück, wer mit dem Auto auf der Uerdinger Straße unterwegs ist, übersieht es leicht. So geht es vielen Häusern in Krefeld. Die Stadt hat trotz Bombardierung im Zweiten Weltkrieg und stadtplanerischen Abriss-Sünden viel zu bieten. Nicht nur die berühmten Architektennamen wie Mies van der Rohe, Buschhüter, Graubner, Behnisch, Pfau, Biebricher und Kollegen. In vielen modernen und modernisierten Prachtbauten ist Raum für stilvolles Wohnen.

Zum Beispiel in Uerdingen: Die ehemalige Weinbrennerei Dujardin ist eine feine Adresse geworden. Aus einem der Lofts an der Ostseite geht der Blick schier grenzenlos über den Rhein bis Duisburg und Langenfeld. Nicht nur die Sicht-, auch die Lichtverhältnisse sind ideal für den Maler, der hier wohnt. Auf 170 Quadratmetern verbindet er im ehemaligen Fasslager Wohnen und Atelier - nur morgens hat er direkte Sonne, aber im Sommer bis 21.30 Uhr Tageslicht zum arbeiten. Seine Wohnung liegt im denkmalgeschützten Bereich, hier sind noch Säulen und Mauern der alten Brennerei zu erkennen. Bei der Großen Dujardin-Ausstellung waren hier Arbeiten von Ivo Lucas zu sehen. Die Decken sind bis zu 6,50 Meter hoch. Die Fassade des 1920 entstandenen markanten Backsteinbaus ist erhalten. Auf der anderen Seite des Gebäudes haben Krefelder Künstler ihre Ateliers.

Krefeld hat das Weiß wiederentdeckt. An der Sollbrüggenstraße strahlt eine weiße Villenzeile nach umfassender Sanierung. "Ich finde es gut, dass man sich wieder auf weiße Fassaden besinnt", sagt Lothar Braun. Der Maler hat seine Stadtvilla an der Uerdinger Straße im Jahr 1971 gemeinsam mit seinem Partner Alexander Alberty erstanden - als Atelier- und Wohnhaus. "Es war sehr heruntergekommen, wir mussten vieles machen", sagt er. Wilhelm Conrad Hauser, ein Seidenfabrikant, hat das Haus 1897 erbauen lassen. Vom Balkon ist heute noch der Konzertpavillon auf der Bärengrotte des früheren Tiergartens zu sehen. "Die Anwohner haben damals den Tiergarten finanziert, deshalb hatte hier jedes Haus einen eigenen Zugang vom Garten zum Park", erzählt Braun. Der Vorläufer des Zoos war damals ein Vergnügungspark mit Gondelteich und Ballonaufstiegen, ähnlich dem Tivoli. Seit 1984 ist das Haus Denkmal, im Jahr 2000 wurde es mit dem Denkmalpreis der Stadt ausgezeichnet. Die Uerdinger Straße ist reich an Jugendstil-Villen und Hinguckern. "Dafür haben die Anwohner auch etwas getan", sagt Braun. Sie haben protestiert gegen städtische Pläne, die Vorgärten einzuebnen, die Bäume zu fällen und in der Fahrbahnmitte eine Straßenbahntrasse mit Schotter zu bauen wie auf der Hülser Straße.

Idealismus, Stilgefühl, Geschmack und ein gut gefülltes Portemonnaie tun dem Stadtbild gut. Michael Töffels hat sich einen Traum erfüllt, als er das als Falkenburg bekannte Anwesen am Fuß des Egelsbergs erstand: Das weiße "Schloss" ist 1923 gebaut worden - im Stil einer Ritterburg. Ein Bettelmönch soll hier von üppigen Spendengeldern ein Kinderheim geplant haben - beeindruckende Häuser haben oft auch eine Geschichte.

Quelle: RP
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