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Philipp Brüx
Aufbruchstimmung am Ricarda

Philipp Brüx: Aufbruchstimmung am Ricarda
"Es kamen verschiedene Baustellen zutage: Welches Profil hat die Schule eigentlich, wofür steht sie, sowohl inhaltlich als auch vom Charakter der Schulfamilie": Philipp Brüx, stellv. Schulleiter am Ricarda-Huch-Gymnasium. RP-Foto: L.S. FOTO: Strücken Lothar
Krefeld. Das Gymnasium hatte einen ungewöhnlichen Einbruch von 99 auf 45 Anmeldungen. Die Schule hat Ursachenforschung betrieben und verblüffende Erfahrungen gemacht. Wir sprachen mit dem Vize-Direktor über den Neustart.

Das Ricarda Huch-Gymnasium hat zuletzt mit nur 45 Anmeldungen einen doch außergewöhnlichen Einbruch erlebt. Lag es an den Flüchtlingen in der Turnhalle?

Brüx Das ist sicherlich nicht der alleinige Grund gewesen und so einfach machen wir es uns auch nicht. Sicher, Schwankungen gab und gibt es immer bei allen Schulen. Wir hatten im Jahr davor 99 Anmeldungen; danach auf 45 zu kommen ist schon ungewöhnlich.

Gab es Probleme zwischen Flüchtlingen und Schulgemeinschaft?

Brüx Nein, eher im Gegenteil, es gab ein gutes Miteinander.

Und worauf führen Sie den Einbruch zurück?

Brüx Wir haben viele Elterngespräche geführt; sowohl mit denen, die ihr Kind bewusst bei uns angemeldet haben, als auch bei solchen, die uns bewusst nicht gewählt haben. Die Flüchtlinge spielten allenfalls eine untergeordnete Rolle; es kamen verschiedene Baustellen zutage: Welches Profil hat die Schule eigentlich, wofür steht sie, sowohl inhaltlich als auch vom Charakter der Schulfamilie. Wir haben im vergangenen Jahr erstmals ein Kunst-Profil angeboten, mehr aber noch nicht. Es gab auch den Aspekt Kommunikation und Information über das Schulleben. Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Broschüre herausgebracht und waren hochzufrieden damit; wir mussten dann aber feststellen, dass sie quasi verpufft ist; es gab kaum Reaktionen aus der Elternschaft - weder positive noch negative. Wir haben sie jetzt ganz neu und noch informativer gestaltet.

Verbindet man das Ricarda nicht mit einer Kultur des Kümmerns? Sind die Bilder der Schulen nicht ohnehin festgefügt in der kollektiven Wahrnehmung?

Brüx Wir dachten auch, dass die Menschen ein Bild in der Art mit dem Ricarda-Huch-Gymnasium verbinden. Wir hatten ja in all den Jahren zuvor auch nie größere Schwankungen wie andere Schulen, und insofern wähnten wir uns quasi auf der sicheren Seite und dachten: Das geht immer so weiter. Der Einbruch bei den Anmeldungen hat uns aber gezeigt, dass es diese Sicherheit nicht gibt.

Haben Sie am Profil der Schule gearbeitet?

Brüx Ja, es gab den berühmten Ruck und eine neue Aufbruchstimmung; wir haben unsere Konsequenzen gezogen und in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Wir haben das Kunst-Profil beibehalten; wir bieten dazu ein naturwissenschaftliches Profil an, das auf entdeckendes Lernen in Biologie, Physik und Chemie setzt; wir haben dazu auch den Zoo als Kooperationspartner gewonnen. Und wir bieten im Bereich Englisch unter dem Motto "The world is a stage" ein Profil an, das viel von Aktion lebt: Rollenspiele, praktisches Erleben im Alltag und kleine Theaterstücke. Außerdem gibt es wieder eine Partnerschaft mit einer französischen Schule in der Bretagne. Niederländisch läuft äußerst gut, inklusive Kontakte nach Den Haag.

Der Ruf, sich zu kümmern, ist doch eigentlich ein positiver.

Brüx Ja und nein. Wir haben zu unserer Verblüffung durchaus gehört, dass wir doch hohe Leistungsanforderungen stellen. Kümmern heißt eben nicht, gymnasiale Standards zu vernachlässigen. Und der Ruf, Kümmerer zu sein, schürt vielleicht die Erwartung, dass wir diese Standards weniger ernst nehmen. Insofern setzen wir auf eine zweifache Botschaft. Ja, wir kümmern uns, wir fördern, aber Leistung kommt darüber nicht zu kurz.

Wir sitzen in neuen Büroräumen; ein Teil des Flurs ist umgebaut worden. In der Schule hat sich einiges geändert. Wo sehen Sie die wichtigsten Veränderungen?

Brüx Das ist unsere Bibliothek, die sich auch als Lese-und Ruheraum versteht und die sich im sogenannten "Über-Mittag-Flur" befindet, wo sich Schüler in unterrichtsfreier Zeit aufhalten können, und das Ricarda-Atelier, in dem kunstinteressierte Schüler in der Mittagspause mit Kunstlehrern arbeiten können. Und wir haben einen SEL-Raum eingerichtet; SEL steht für "Sozial Emotionales Lernen"; dort herrscht eine besondere Atmosphäre; er ist mit Teppichen und Sitzwürfeln ausgestattet und ist Rahmen für besondere Gesprächssituationen.

War das Teil der Kritik von draußen, dass die Schule quasi über die Einrichtung Kälte ausstrahlt?

Brüx So etwas haben wir durchaus gehört; es fehlten Zonen mit Aufenthaltsmöglichkeiten und einer gewissen Wohlfühlqualität. Wir haben zum Beispiel das Foyer 2016 komplett neu eingerichtet und gestaltet und wir haben die alten Bänke aus den Sporthallen aufgearbeitet und in den Fluren aufgestellt - als Einladung, einfach mal Platz zu nehmen. Außerdem beteiligen wir uns zur Zeit an einem Lanxess-Wettbewerb. Das Thema heißt Lernumfeldgestaltung. Es geht darum, wie man Räume mit Farbe angenehmer gestalten kann, darum also, was sich jeder zu Hause überlegt, wenn er seine Wände gestaltet. Das wollen wir demnächst auch bewusst tun. Dazu sammeln wir gerade Ideen - auch und besonders von Schülern.

Quelle: RP
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