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Challenge Plastik-Fasten
Aus dem Alltag einer Plastikvermeiderin

Challenge Plastik-Fasten: Aus dem Alltag einer Plastikvermeiderin
Ein Wassersprudler gehört noch zu den leichteren Problemlösern, wenn man Kunststoffflaschen vermeiden will. Maike Henkel berichtet aus dem Alltag, wie schwer es ist, in anderen Fällen Plastik einzusparen. FOTO: T. L.
Krefeld. Maike Henkel macht mit beim Plastik-Fasten. Die alleinerziehende Mutter ist hochmotiviert, stößt aber auch an ihre Grenzen. Von Bärbel Kleinelsen

Mit der Geburt ihrer Tochter hat sich für Maike Henkel der Blick auf die Welt verändert. "Wenn man ein Kind hat, lebt man bewusster, versucht, durch das eigene Verhalten die Entwicklung des Kindes hin zu einem verantwortungsvollen Menschen zu fördern. Dazu gehört natürlich auch der Umgang mit der Natur, mit unseren Ressourcen", sagt die 34-Jährige, die mit ihrer viereinhalbjährigen Tochter in der Nähe des Landgerichts wohnt. Seit Aschermittwoch versucht sie nun, auf Plastik, vor allem auf Verpackungen, zu verzichten.

"Es ist gar nicht so einfach, wie man es sich vorher vielleicht vorgestellt hat", hat Maike Henkel festgestellt. Denn die Suche nach unverpackten Lebensmitteln kostet am Anfang Zeit. Und Zeit ist ein wertvolles Gut für die alleinerziehende Mutter, die an fünf Tagen in der Woche bis 15 Uhr arbeiten geht und sich danach um ihre Tochter kümmert. "Ich muss also immer überlegen, was für uns in unserer Situation machbar ist. Und einiges können wir schon ändern", hat sie festgestellt. So wird seit kurzem bei Familie Henkel kein Wasser mehr in den dritten Stock geschleppt. Dafür steht in der Küche jetzt ein moderner Wassersprudler. Darin wird das Leitungswasser mit Kohlensäure aufgepeppt und steht dann in Glasflaschen auf dem Tisch.

Mit Tupperdosen im Gepäck versucht Maike Henkel, Verpackungsmaterial bei Wurst oder Käse zu sparen. Allerdings momentan noch mit eher mäßigem Erfolg. "An der Theke wurde mir gesagt: ,Natürlich können Sie das machen. Entsorgen Sie das Plastik doch einfach nach der Kasse in die entsprechenden Behälter.' Dass ich erst gar keine Plastikverpackung haben wollte, hat die Verkäuferin überhaupt nicht verstanden." Die Reaktionen der Wartenden, die ebenfalls an der Frischetheke anstanden, seien ebenfalls nicht nett gewesen. "Das muss ich ehrlich sagen, da habe ich nicht jeden Tag Lust drauf. Und auch nicht die Zeit, mit jeder Verkäuferin zu diskutieren."

Ganz andere Erfahrungen machte die Krefelderin im Candy-Shop im Schwanenmarkt. Dort wurden ihr die Gummibärchen anstandslos in die mitgebrachte Dose gepackt. "Die Verkäuferinnen waren ganz begeistert von der Aktion und wollen unsere Bemühungen gerne nach ihren Möglichkeiten unterstützen", erzählt Maike Henkel.

Der Rückschlag kam nur wenig später. "Da hatte ich gerade Verpackung eingespart und war ganz stolz, da wurden wir Eltern im Kindergarten gebeten, jeder 50 bis 100 Klarsichthüllen mitzubringen, die in den Ordnern der Kinder die Bilder und Fotos schützen sollen. Meiner Meinung nach ist das völlig unnötig. Aber dagegen kann man halt nichts machen."

Die gebürtige Hülserin freut sich, wenn sie nach Ostern mit ihrer Tochter zurück in den dörflichen Stadtteil zieht. Zum einen, weil sie dann nahe bei ihrer Familie lebt, zum anderen aber auch, weil es in und um Hüls zahlreiche Möglichkeiten gibt, verpackungsarm einzukaufen. "Ich denke dabei an den Bauernladen im Ort, an den schönen Markt, der immer samstags stattfindet, wenn ich auch Zeit habe, an die Milchtankstelle direkt beim Bauern oder aber die Automaten mit frischen Produkten heimischer Landwirte."

Auch ihre Tochter wird begeistert von solchen Einkauftouren sein, bei denen sie sich die Kühe im Stall ansehen kann. Und noch einen ökologischen Vorteil hat das Landleben: "In Hüls kann ich meine Tochter später zur Schule laufen lassen. Das würde ich mich in der Innenstadt nicht trauen. Hier ist auch das Radfahren für die Kleine viel gefährlicher. Und ich freue mich, wenn ich nicht ständig nach einem Parkplatz suchen muss."

Quelle: RP
 
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