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Krefeld
Aus den Tiefen der Orgel schwoll es an und grummelte ein wenig

Krefeld. Der Hülser Orgelspaziergang: Musik aus vier Jahrhunderten an zwei Orgeln und Violine.

Zauberhafte Duette von Orgel und Violine konnte man am Sonntag beim von Heinz-Peter Kortmann als "Hülser Orgelspaziergang" konzipierten 4. Orgelsommerkonzert diesen Jahres erleben.

Der Organist Stefan Emanuel Knauer aus Oberfranken nahm zunächst an der historischen Weidtmann-Orgel in der Konventskirche Platz und bezauberte das Publikum mit dem heiteren, schlanken und schlichten Klang des vergleichsweise kleinen Instruments, das ihm aber durchaus erlaubte, das in "vier Versen" gesetzte "Allein Gott in der Hoh sei Ehr" von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 - 1621) abwechslungsreich zu registrieren. Fur Georg Philipp Telemanns "Sonata IV in C-Dur" trat ihm dann die in Rumänien geborene Violinistin Nevena Buchkremer zur Seite. Sie bestach mit einem wunderbaren Bogenstrich und einem ausgesprochen warmem, gefuhlvollen, absolut präsenten, aber niemals aufdringlichen Ton. Nach der in hellen Farben und einem frohlich hüpfenden Rhythmus gehaltenen "Fuga in C-Dur" von Dietrich Buxtehude spazierten Künstler und Publikum weiter zur Pfarrkirche St. Cyriakus. Dort hies es für Knauer, sich auf ein Instrument ganz anderer Natur einzustellen, was ihm übrigens hervorragend gelang.

Deutlich gewichtiger erklang die Metzler-Orgel im Arioso von Gustav Jensen (1843 - 1895). Und doch erzielten Buchkremner und Knauer eine Harmonie und Balance, so schön wie die Melodie, die Jensen ihnen vorgegeben hatte. Auf Fanny Hensel Mendelssohns ziemlich lautes, aber eher einfallsloses Praludium G-Dur hätte man gut verzichten konnen. Wesentlich ergiebiger war das Werk einer anderen Komponistin, nämlich das Prelude op. 78 von Cecile Chaminade (1857 - 1944). Aus den Tiefen der Orgel schwoll es an, grummelte ein wenig bei verminderter Lautstärke, um dann wieder zuzulegen, und wiederholte diesen Dreischritt mehrfach mit zunehmender Dynamik. Und Knauer genoss es, die subtilen Spannungsmomente und den anwachsenden Farbenreichtum des Stücks auszukosten. Wunderbar fliesend und anhimmelnd dann wieder ein Duett, nämlich die Meditation von Alexandre Guilmant, beiderseits mit viel Ausdruck vorgetragen, und ebenso trefflich die "Drei Tonpoesien" von Georg Riemenschneider (1848 - 1913), in deren erster die Instrumente regelrecht zu sprechen schienen.

Clara Schumanns Praludium und Fuge in B-Dur und Joseph Gabriel Rheinbergers Adagio und Fuge op.150,6, letzteres vom ersten Ton an sehr emotional und spannungsreich, rundeten das Programm ab. Das hellauf begeisterte Publikum bekam eine Zugabe.

(mojo)
 
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