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Kr Wie Krefeld
Aus für die Hauptschule - die Folgen tragen die Schüler

Krefeld. Die Hauptschule war deutlich besser als ihr Ruf. Nun wird klar, dass die verbleibenden Schulen nicht ohne weiteres leisten können, was die Hauptschule geleistet hat.

Schulpolitik ist ein seltsames Feld. Es gibt keinen Wahlkampf und keine politischen Reden, in denen nicht betont wird, wie wichtig Bildung sei. Konkret aber werden Lehrer und Schüler immer mal wieder im Stich gelassen, wenn es gilt, die Suppe auszulöffeln, die Politik den Praktikern eingebrockt hat.

In Krefeld gibt es jetzt nach dem Thema Inklusion einen weiteren Beleg dafür, wie bildungspolitische Entscheidungen neue Probleme aufwerfen. Jetzt fällt auf, dass es in Krefeld nach dem Aus für die Hauptschule Schwierigkeiten gibt, Hauptschüler an den verbleibenden Schulen aufzunehmen. Nicht nur ein Platzproblem: Die Hauptschulen waren die letzten wirklichen Zwergschulen im Land, kleine Einheiten mit einem hochspezialisierten Angebot für Schüler, die eher handwerklich begabt sind und mitunter einen schwierigen familiären Hintergrund als Päckchen zu tragen haben. Gebundener Ganztag, systematische Stärkung der Schülerstärken, intensive Kontakte zu Handwerk und Wirtschaft, intensive Erziehungsarbeit: Die Hauptschulen hatten in den vergangenen Jahren ein Instrumentarium entwickelt, mit dem sie auf ihre Schülerklientel gut eingehen konnten. Ob die ungleich größeren Gesamtschulen oder die Realschulen, die bei mittleren Begabungen glänzende Erfolge vorweisen, dies auffangen, steht dahin. Zurzeit weiß man nicht, wo man Schüler, die einen Hauptschulzweig besuchen müssten, unterbringen soll. Die Realschulen müssen wohl oder übel ihr inneres Bildungsprogramm so ummodeln, dass sie auch Hauptschüler fördern können. Das wird schon irgendwie passen, aber "schon irgendwie passen" reicht nun mal nicht in einem Land, in dem laut Sonntagsredenkonsens Bildung über den Wohlstand der Nation entscheidet. Es ist wie bei der Inklusion: Bildungspolitische Entscheidungen, die mit teils hochtrabenden Begründungen durchgedrückt werden, erweisen sich auf dem Boden der Realität nicht als förderlich. Das früher von Befürwortern des dreigliedrigen Schulsystems oft vorgetragene Argument, dass, wenn man die Hauptschulen abschafft, die Hauptschüler nicht weg sind, sticht eben doch. Jetzt haben Staat und Stadt die verdammte Pflicht, das, was die Hauptschulen zu leisten vermochten, den verbleibenden Schulen zu ermöglichen.

Das Beispiel Inklusion zeigt leider, wie leicht der Ruf nach Unterstützung ignoriert wird. Jens Voss

Quelle: RP
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