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Krefeld
Ausbau ohne Lärmschutz droht

Krefeld. Bis zum Sommer soll der Stadtrat eine neue Entscheidung zum A 57-Ausbau fallen. Die Zeit drängt – schlimmstenfalls könnte die Autobahn nur durch die Standstreifen schnell auf sechs Spuren erweitert werden, ohne Zusatz-Lärmschutz. Von Sebastian Peters

Es wäre die schlechteste aller Optionen für den A 57-Ausbau auf Krefelder Stadtgebiet. Gestern hat sich am Rande eines Landestreffens zur A 57 herausgestellt, dass der Landesbetrieb Straßen NRW für den Bund auch eine ganz schnelle Lösung geplant hat: Eine Erweiterung der A 57 auf sechs Spuren durch Nutzung der zwei Standstreifen, ohne Zusatz-Lärmschutz. Das Bundesverkehrsministerium droht zwar bisher nicht öffentlich, allerdings haben die Ministerialbeamten auf das Szenario hingewiesen.

Spitzentreffen auf Landesebene

Gestern trafen sich bei einem Spitzentreffen auf Landesebene der Parlamentarische Staatssekretär des Landes, Horst Becker, und die Landtagsabgeordneten der Region. Der Krefelder SPD-Landtagsabgeordnete Ulrich Hahnen sagte danach: "Der sechsspurige Ausbau auf dem Standstreifen wäre die denkbar schlechteste Lösung. Wir müssen jetzt sehen, dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen." Die könnte konkret so aussehen: Sechsspuriger Ausbau in Höhenlage, allerdings mit besserem Lärmschutz entlang der Autobahn – bisher ist der zur Autobahn gebogene Lärmschutz nicht flächendeckend, sondern nur in Gartenstadt vorgesehen.

Gestern wurde außerdem bekannt: Der Landesbetrieb Straßen NRW hat weit mehr Varianten geprüft als öffentlich gemacht: darunter die Tunnellösung, eine Einhausung mit Glas, sogar eine Verlegung der Autobahn auf eine Hochtrasse auf ypsilonförmigen Ständern. Der tatsächliche Einfluss des Landes ist jedoch gering, es plant nur, während der Bund den Ausbau zahlt. Seit gestern sind offenbar auch die Einflussmöglichkeiten des Krefelder Rates etwas gestiegen. Staatssekretär Becker sagte: "Die Krefelder sollen sich jetzt in Ruhe mit den Varianten auseinandersetzen." Der bisherige Ratsbeschluss einer Tunnellösung auf komplettem Stadtgebiet mit Gesamtkosten von fast 700 Millionen Euro wird vom Bund abgelehnt. Nachdem dies gestern den Krefelder Landtagsabgeordneten noch einmal verdeutlicht wurde, könnte es jetzt zu einem neuen Ratsbeschluss kommen. NRW-Staatssekretär Horst Becker sagte unserer Zeitung: "Wir wollen versuchen, vor der Sommerpause zu einer gemeinsamen Option zu kommen."

Das Land NRW agiert derzeit mit aller Vorsicht. Denn die Landtagsabgeordneten wollen es sich mit dem Bund als Finanzierer der Autobahn 57 nicht verscherzen. Der Parlamentarische Staatssekretär Horst Becker betonte im Gespräch mit unserer Zeitung deshalb auch, dass der Bund eine konkrete Drohung eines Ausbaus auf dem Standstreifen ohne Lärmschutz nie ausgesprochen habe. "Doch auch uns ist klar, dass der Druck für einen Ausbau irgendwann zu groß wird."

Quelle: RP
 
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