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Krefeld
Ausstellung: Religion in Krefeld und Venlo

Krefeld: Ausstellung: Religion in Krefeld und Venlo
Kuratorin Christina Schulte und Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs, präsentieren die Ausstellung "In Einheit leben - in Vielheit glauben", die im Rathaus zu sehen sein wird. FOTO: bk
Krefeld. Noch nie hat Kuratorin Christina Schulte sich durch so viele Bücher, Texte und Schriften arbeiten müssen, um am Ende ihr Wissen in nur wenigen Zeilen zusammenzufassen. "Es war manchmal unglaublich schwer, den Sachverhalt in so wenig Text darzustellen. Aber mehr Platz hatten wir auf den Stellwänden nicht zur Verfügung", erklärt Schulte. Das Thema, das sie zusammen mit ihrem niederländischen Kollegen Ragdy van der Hoek bearbeitete, war zudem umfassend. Die beiden Historiker arbeiteten zum Lutherjahr unter dem Titel "In Einheit leben - in Vielheit glauben" an einer Ausstellung über die religiösen Einflüsse in Venlo und Krefeld und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Partnerstädte. Von Bärbel Kleinelsen

Die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung hatte Stadtarchiv-Leiter Olaf Richter. Positiver Nebeneffekt: Ein solches Projekt wird zur Hälfte durch Euregio-Mittel bezuschusst. "Im kommenden Jahr arbeiten das Gemeentearchief Venlo und das Stadtarchiv Krefeld seit 40 Jahren zusammen. Die Städtepartnerschaft zwischen Venlo und Krefeld gibt es bereits seit 53 Jahren. Ein schöner Anlass, die unterschiedliche Entwicklung der Städte zu beleuchten." Herausgekommen ist eine 50.000 Euro teure Ausstellung, die auf 14 Stellwänden nicht nur historisches Wissen lebendig aufbereitet, sondern auch so manchen Denkanstoß für die Zukunft gibt.

So hat Krefeld eine Geschichte, die Vielseitigkeit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden beweist. "Das ist nicht allein das Verdienst der Krefelder Bürger. Deren Einstellung wurde maßgeblich beeinflusst durch die Zurückhaltung der wechselnden Landesväter bei solchen Fragen oder deren Desinteresse an einer religiösen Prägung der Stadt", berichtet Olaf Richter.

So konnte in Krefeld im Regelfall jeder seinem Glauben nachgehen, ohne benachteiligt oder dafür geächtet zu werden. Im Gegenteil profitierte Krefeld von seiner toleranten Haltung und wurde bekanntlich durch die Mennoniten zu einer reichen Stadt, in der es sich gut leben ließ. "Bis heute leben viele verschiedene Religionen in dieser Stadt und kommen im Großen und Ganzen gut miteinander aus. Das macht Krefeld zu etwas besonderem", findet der Stadtarchiv-Leiter. Auch in Zukunft hofft Richter, dass sich die Stadt an ihre außergewöhnliche Geschichte als Insel der religiösen Vielfältigkeit erinnert, und diese Toleranz Menschen anderer Kulturen gegenüber weiter beibehält.

In Venlo, nur 30 Kilometer von Krefeld entfernt, sah die Entwicklung anders aus. Bis heute ist die Stadt stark katholisch geprägt und weniger offen für andere reliöse Einflüsse. Das hat sie mit vielen anderen Städten im Umfeld von Krefeld gemeinsam, die ebenfalls unter dem starken religiösen Einfluss der jeweiligen Landesherrscher standen.

Doch auch in Krefeld war nicht immer eitel Sonnenschein. Es gab durchaus Streit zwischen den Konfessionen, der jedoch geschickt "eingepflegt" wurde, wie es Richter ausdrückt, und in eine friedliche Stadtgemeinschaft mündete. Richter meint, die positiven Auswirkungen bis in die jüngste Vergangenheit zu spüren und verweist auf das außergewöhnliche bürgerschaftliche Engagement in dieser Stadt und die zahlreichen Ehrenamtler, die es auch heute noch in Krefeld gebe. "Das haben andere Städte auch, aber ich finde diese Seite ist in Krefeld besonders stark ausgeprägt." So lautet auch die positive Bilanz von Christina Schulte: "In Krefeld gibt es 500 Jahre nach Luther Raum für unterschiedliche Glaubensformen. Die religiöse Toleranz hat Tradition in der Stadt. Heute leben Aleviten und Altkatholiken, Hugenotten und Mormonen, Juden und Christen in Freiheit ihre Religion."

Zu der niederländisch-deutschen Ausstellung gibt es eine rund 65 Seiten starke Broschüre, die die unterschiedliche Entwicklung der Städte ausführlicher beleuchtet. Und in der Christina Schulte das fand, was ihr vorher fehlte: Platz zum Schreiben und Erklären.

Quelle: RP
 
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