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Krefeld
Cousin des toten Aylan Kurdi lebt in Krefeld

Aylan Kurdi: Cousin des toten Flüchtlingsjungen lebt in Krefeld
Leyla Bilge kümmert sich jetzt um Ahmad Hassan. FOTO: Strücken,Lothar
Krefeld. Die Krefelderin Leyla Bilge hat den Syrer Ahmad Hassan (16) aufgenommen, der aus Kobane floh. Er ist der Cousin des toten Aylan Kurdi - der Junge, dessen Foto die Welt bewegt.  Von Sebastian Peters

Das Foto des toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi (3) am Strand von Bodrum bewegt die Welt –  per Boot wollte seine Familie aus dem syrischen Kriegsgebiet in ein sicheres Leben fliehen. Aylans Cousin Ahmad Hassan (16) hat es geschafft: Seit wenigen Tagen lebt er sicher in Krefeld, will hier ein neues Leben starten. Sein Glück: Er kam nicht über See, Schlepper brachten ihn im Lkw nach Deutschland.

Leyla Bilge ist die Frau, die sich in Krefeld des Schicksals des jungen Mannes angenommen hat. Die Kurdin hat den Verein "Leyla e. V." gegründet, der, so berichtet die 34-Jährige, das Elend der Menschen in Kriegsgebieten wie Irak oder Syrien lindern helfen solle. Sie sei 2014 in Kobane gewesen und habe dort die Familie von Ahmad Hassan kennengelernt. Elf Familienmitglieder seien am 25. Juni 2015 von den Terroristen des Islamischen Staates (IS) getötet worden. Ahmad Hassan habe dann mit seinem Onkel, dem Vater von Aylan Kurdi, entschieden, aus Syrien zu fliehen.

Von Syrien nach München – die Route der Flüchtlinge FOTO: AP/Lefteris Pitarakis

Die Familie von Aylan wollte nach Kanada, entschied sich für den günstigeren Bootsweg, der 1000 Euro kostete. Für Ahmad wiederum sei der Transport durch Schlepper per Lkw gewählt worden, das habe 1800 Euro gekostet. In Passau sei Ahmad angekommen, Freunde hätten ihn dann nach Krefeld zu ihr gebracht – weil sie die Familie kannte. Vom Tod seines kleinen Cousins habe Ahmad erst in Deutschland über Facebook erfahren. Der 16-Jährige, über dessen Fall zuerst die Zeitung "Express" berichtete, lebt jetzt bei Leyla Bilge, selbst alleinerziehende Mutter eines 16-Jährigen. Sie will nun die Vormundschaft für Ahmad übernehmen. Beim Besuch gestern wirkt der Junge zurückhaltend, schüchtern –  er spricht kein Deutsch, kein Englisch.

Seitdem Bilge bei Facebook vom Schicksal Ahmads berichtete, steht das Telefon nicht mehr still – viele wollen helfen und über den Fall berichten. Die gelernte Finanzwirtin beantwortete gestern jede Anfrage geduldig – sie hofft, dass der Tod von Aylan ebenso wie das gerettete Leben von Ahmad das Herz der Menschen erreichen, und dass ihr Verein finanziell unterstützt wird.

(sep)
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