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Krefeld
Bachs Weihnachtsoratorium glänzt mit Luthers Friedenschoral in neuem Licht

Krefeld. In der Pfarrkirche St. Gertrudis kombinierte der Schönhausen-Chor Musik von Johann Sebastian Bach und Martin Luther. Die große Leistung von Chor, Solisten und Orchester wurde begeistert gefeiert. Von Gert Holtmeyer

Bachs Weihnachtsoratorium wird alle Jahre wieder gern gehört. Es aufzuführen, ohne dabei im allzu gewohnten Fahrwasser zu bleiben, gelang vorbildlich im Konzert des Schönhausen-Chores. Aus der Textzeile "und Friede auf Erden" wurde gewissermaßen ein Rahmenprogramm geschaffen.

Der Bezug der Friedensbotschaft der biblischen Weihnachtsgeschichte zu Luthers Choral "Verleih uns Frieden gnädiglich" drängt sich geradezu auf. Vor und zwischen den drei Kantaten führte der Chor drei voneinander sehr verschiedene Fassungen dieses Chorals auf, von Heinrich Schütz, Felix Mendelssohn-Bartholdy und von Bach selbst. Für Abwechslung war nicht nur durch stilistische Unterschiede gesorgt. Mal verteilte sich der Chor auf den ganzen Raum der Bockumer St.-Gertrudis-Kirche, mal sang nur der Männerchor und baute so eine Brücke zur mittelalterlichen Gregorianik.

Der überzeitliche Aspekt bezog sich nicht nur auf die verschiedenen Klangwelten vom Mittelalter über den Barock bis zur Romantik. Noch aktueller und moderner als mit einer erst in diesem Jahr uraufgeführten Komposition ging es ja gar nicht: Im Oktober hatte die Kempener Organistin und "Echo Klassik"-Preisträgerin Ute Gremmel-Geuchen auf der König-Orgel der Kempener Paterskirche die Auftragskomposition "Da pacem" von Thomas Blomenkamp uraufgeführt. Jetzt spielte sie dieses eindrucksvolle Werk in Krefeld. Mitnichten handelte es sich dabei um einen zweiten Aufguss. Die Lukas-Fischer-Orgel der Gertrudis-Kirche aus dem Jahre 2002 ist völlig anders konzipiert als die der Paterskirche und verlangt deshalb eine ganz andere Klanggestaltung.

Unter tatkräftiger Registrierassistenz von zwei Familienmitgliedern beeindruckte Gremmel-Geuchen in Gegenwart des Komponisten durch eine überzeugende Interpretation. Sie nutzte die klanglichen Möglichkeiten der modernen Orgel und ließ durch differenzierte Registrierung - ganz im Sinne des Komponisten - einerseits Motiv-Elemente des Luther-Chorals, andererseits die originelle Arbeit des Komponisten mit dem Tonmaterial deutlich werden.

Unkonventionell, dabei aber durchaus reizvoll war auch die Auswahl der Kantaten des Weihnachtsoratoriums. Zusammengestellt wurde die bekannte erste mit den weniger bekannten fünf und sechs. Der Schönhausen-Chor lieferte eine tadellose Leistung ab, ebenso die fünf Gesangssolisten Jessica Jans (Sopran), Ute Weitkämper (Alt) Leonhard Reso (Tenor) und Sebastian Klein (Bass). Sehr gut spielte auch das kammermusikalisch klein, nicht aber zu klein besetzte Barockorchester "Sonare" mit ausgezeichneten Instrumentalsolisten. Dirigent Joachim Neugart spielte selbst Continuo-Orgel und -Cembalo, wählte angemessene Tempi und bewährte sich als souveräner Gesamtleiter. Begeisterter Beifall für alle Beteiligten.

Quelle: RP
 
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